Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 19 (9.5.1930)
- Date
- 1930-05-09
- Page
- Seite 270 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103085-9229994--10841-9222913- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
270 Das Jüdische Echo Nr. 19 Nähe von Jerusalem gemacht; am meisten von allem hat ihm aber die jüdische Stadt Tel-Awiw Bewunderung abgerungen. Die Juden in Tel- Awiw, sagte Thomas Mann, sind irgendwie anders als die Juden in allen anderen Städten der Welt, sie scheinen freier und glücklicher. Ich glaube an die Zukunft von Tel-Awiw. Ich habe den Eindruck von Wachheit und starker Intellektualität ihrer Bewohner von der Stadt mitgenommen. Was ich in Palästina gesehen habe, sagte Thomas Mann weiter, ist, als Ganzes wie einzeln gesehen, wunderbar. Alles ist im Fortschreiten begriffen, die Juden vollbringen ein schönes Werk. Aber sie dürfen nicht mit dem Kopf durch die Wand stoßen wollen, sondern sie müssen vorsichtig weiter gehen. Denn schließlich sind die Araber seit mehr als tausend Jahren hier im Lande, auch sie glauben an ihre historische Verknüpftheit mit dem Lande und sie haben wohlbegründete Rechte auf dasselbe. Aber ich weiß, fügte Thomas Mann hinzu, der Jude ist nicht ins Land gekommen, um zu erobern und zu herrschen, sondern er kam, um sich zu erfüllen, sich seelisch zu befreien. Juden und Araber haben gewiß die Möglichkeit, nebeneinander in Palästina zu leben und sich gemeinsam dem Aufbau des Landes zu widmen. Die Hitzköpfigkeit und die Ungeduld einiger Juden erhöhen die Schwierigkeiten, die der Zionismus ohnehin vor sich hat. Ich bin ganz entschieden für den Zionismus, den ich wegen einiger seiner Ideale und Ziele mit der romantischen Bewegung unter den Deutschen des 19. Jahrhunderts vergleichen möchte; auch diese Bewegung hatte ihre Wurzel in dem Wunsche nach Selbstbefreiung. Der Zweck dieser meiner Palästinareise, sagte der Dichter, ist, Studien zu machen für einen Roman, dessen Thema der Bibel entnommen ist; die Geschichte von Jakob und Joseph (der Dichter spielt auf seinen in der Ausarbeitung befindlichen Roman „Joseph und seine Brüder“ an, von dem er vor einiger Zeit in einem Berliner Hause zugunsten der Jüdischen Altershilfe Teile vorgelesen hat). * * * Gemeinden- und Vereins-E cho An die Münchener jüdische Jugend! Errichtung einer Beratungsstelle Aus der Münchner jüdischen Jugend heraus ist der Wunsch laut geworden, eine freie Beratungsstelle für Jugendliche zu schaffen, die, getragen von gegenseitigem menschlichen Vertrauen, jungen Menschen Rat und Hilfe, wo immer sie nötig ist, erteilen soll. Sie ist nicht zuletzt auch für solche gedacht, die keiner Jugendorganisation angehören, die vielleicht nicht die Möglichkeit haben, sich an Führer oder ältere Freunde, die ihr Vertrauen rechtfertigen, zu wenden. Selbstverständlich wird völlige Diskretion gewahrt — die Ratsuchenden brauchen ihre Namen nicht anzugeben. Wir wissen, auch in der jüdischen Jugend gibt es verschwiegene Nöte, geheime Ratlosigkeit. Schwiekeiten in Fragen der Lebensführung und Lebensgestaltung, von denen Eltern und Lehrer oft nichts erfahren, weil die Furcht, gerade von einer nächsten Umgebung nicht verstanden zu werden, den jungen Menschen schweigen läßt. Hier will die Beratungsstelle helfend eingreifen, will neutralen Boden, menschliche Nähe und Ausprachemöglichkeit schaffen. Mitglieder der Beratungsstelle, vorgeschlagen von einem jugendlichen Kreis, sind: Dr. Erich Feuchtwanger, Nervenarzt, Adelheidstraße 6, Tel. 3 71 1 39. Dr. Alfred Heller, Verleger, Herzog-Wilhelm- Straße 20. Tel. 93 0 99... Frau Dr. Rahel Straus, Ärztin, Kobellstraße 13/1. Tel. 73 8 89. Frau Gertrude Weihl, Königinstraße 4. Tel. 28 0 87. Rudi Baer (..Kameraden“), Elisabethstraße 23. Tel. 3 70 6 02. Ernst Eisen (KJV.), Schwanthalerstraße 95. Tel. 5 97 2 38. Jakob Kohnstamm, Rechtsanwalt. Maximiliansplatz 12b. Tel. 93 8 01. Die drei Letztgenannten sind selbst jüngere Menschen, die aus der Jugendbewegung kommen. Wendet Euch an eines der Mitglieder, wenn Ihr Rat und Hilfe braucht. Sie bitten um Euer Vertrauen — in Eurem Dienst! Zionistische Ortsgruppe München. In einer am Mittwoch, 30. April, abgehaltenen Versammlung sprach Herr Richard Lichtheim, der Führer der deutschen Revisionisten, über „Der Zionismus heute und morgen“ und entwickelte dabei im allgemeinen die Anschauungen, die er unlängst ausgezeichnet auch in einer Broschüre: „Revision der zionistischen Politik“, Kommissionsverlag Ewer-Buchhandlung G. m. b. H., Preis 1 RM., dargestellt hat. Es ist bekannt, was die Revisionisten der offiziellen zionistischen Politik und insbesondere Weizmann vorwerfen: eine schwächliche Haltung England und den Arabern gegegenüber, mangelhafte Erkenntnis unserer politischen und kolonisatorischen Aufgaben, Verkennung der Funktionen des Zionismus im jüdischen Leben der Gegenwart, daher gänzlich falsche Politik der Kooperation mit den Nichtzionisten, gipfelnd in einer arbeitsunfähigen Jewish Agency, im ganzen: absolute Erfolglosigkeit und was sie fordern: Rückkehr zu Herzischen Vorstellungen, ein Kolonisationsregime von England, Unterstützung der privatwirtschaftlichen Kolonisation, insbesondere der intensiven Landwirtschaft auf bewässertem Boden. Man muß zugeben, daß Lichtheim seine kritischen Ausführungen maßvoll gehalten hat und daß ihre Berechtigung in vielen Punkten nicht abgestritten werden kann. Wie jedoch die Ziele der Revisionisten zu erreichen wären: das Kolonisationsregime von England, die Zusammenarbeit mit Nichtzionisten auf anderer Basis als der der Agency, der Übergang zu neuen kolonisatorischen Formen, das hat auch Lichtheim nicht verraten können. An der Diskussion beteiligten sich Herr Justizrat Dr. Elias Straus und Herr Theo Harburger, die Lichtheim entgegentraten; in seinem rednerisch hervorragenden Schlußwort bemühte sich dieser die vorgebrachte Kritik zu entkräften. München. Wie wir zu unserem Bedauern hören, wurde Herr Josef Schachno durch den Tod seiner Mutter, die im Alter von -82 Jahren in Nürnberg verstarb, in tiefe Trauer versetzt; wir sprechen ihm zu seinem schweren Verlust unser herzlichstes Beileid aus. Jesajah-Kurs der Hebräischen Sprachschule in München. Keine Unterrichtsstunde schlechthin, sondern Belehrung im gutjüdischen Sinne des Wortes bietet der Jesajah-Kurs der Hebräischen