Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 19 (9.5.1930)
- Date
- 1930-05-09
- Page
- Seite 269 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 269 Das Jüdische Echo aus dem Kreise des Brith Schalom Unterschriften unter eine dem High Commissioner, Sir John Chancellor, zu überreichende Petition sammeln, in der dieser aufgefordert wird, von seinem Recht, die gegen Araber ausgesprochenen Todesurteile zu annullieren. Gebrauch zu machen. Jerusalem, 4. Mai. (JTA.) Der Brith Schalom hat dem High Commissioner, Sir John Chancellor, ein Memorandum überreicht, in welchem der High Commissioner gebeten wird, alle im Zusammenhang mit den August-Unruhen in Palästina zum Tode verurteilten Personen, Juden wie Araber, zu begnadigen. Die zionistische Exekutive Palästinas und der Waad Leumi haben in einer gemeinsam abgehaltenen Sitzung beschlossen, den Juden zu empfehlen, sich in diese Angelegenheit, die einen ernsten politischen Charakter trägt, nicht einzumischen. Die allgemeinen Zionisten haben beschlossen, Dr. Weizmann in London und die zionistische Exekutive in Palästina zu ersuchen, der Tätigkeit privater Gruppen,, wie des Brith Schalom, die dem High Commissioner Petitionen unterbreiten und an anderen die Interessen der Palästina-Judenheit schädigenden Aktionen teilhaben, ein Ende zu bereiten. Einweihung des zentralen Hospitals für den Emek Jezreel Jerusalem, 1. Mai. (JTA.) In der Nähe des Kinderdorfes Kfar Jeladim im Emek Jezreel wurde ein zentrales Hospital für innere Krankheiten erbaut, welches 26 jüdischen Siedlungen im Emek als Heilstätte dienen soll. Das Hospital wurde bei Anwesenheit von zahlreichen Gästen aus dem ganzen Lande, unter ihnen Vertretern der Regierung und der Armee, eingeweiht. Das Hospital zählt 60 Betten und ist auf das modernste ausgestattet. Das Gartengrundstück ist 47 Dunam groß. Erhöhte jüdische Einwanderung in Palästina Jerusalem, 4. Mai. (JTA.) Im Verlauf des Monats März 1930 sind 1068 Einwanderer, unter ihnen 899 Juden, nach Palästina gekommen; in dem gleichen Monat haben 271 Juden und 108 Nichtjuden das Land verlassen. Im Februar 1930 betrug die Zahl der Einwanderer 772, unter ihnen 593 Juden. Im Januar 1930 wanderten 555, im Dezember 1929 517 Juden ein. Die Zahl der jüdischen Auswanderer betrug im Februar 1930 190, im Januar 1930 167, und im Dezember 1929 128. Feuilleton Bernhard Shaw und die jttdlsehe Frau Jerusalem, 21. April. (JTA.) Georg Bernhard Shaw hat für die vom Verlag „Mizpah“ in Tel-Awiw veranstaltete hebräische Übersetzung seines „Wegweisers für die intelligente Frau zum Sozialismus und Kapitalismus“ ein Vorwort geschrieben, das lautet: Ist die intelligente Frau eine Tochter Jerusalems, so muß sich der heidnische Autor darüber klar sein, wessen er sich zu versehen hat, wenn er sich ihr nähert, um ihr seine Führung anzubieten. Ich gebe mich darüber keinen Illusionen hin wie ich in den Augen des auserwählten Volkes dastehe: ein Ding von gestern, ein Barbar, im besten Falle ein Geschöpf, in dessen ungeschlachte Hand Gott eine Augenblicksgewalt gegeben hat als Züchtigung für die Jüdin, der es ihr Stolz nicht erlaubt, selbst neben ihrem Gotte demütig zu wandeln. Wie könnte ich erwarten, daß sie demütig neben mir hergeht und mich zum Führer auf den Wegen der Weisheit nimmt. Ich bin ein Ire, und für den Durchschnittsiren ist der Jude ein Ungläubiger, der seinen Heiland barbarisch ermordet hat und dafür in die Hölle kommen muß. Wenn man den Iren daran erinnert, daß der erschlagene Heiland selbst ein Jude war, ist er betroffen; denn es ist ihm noch nie ein Zweifel darüber aufgestiegen, daß Jesus ein rechter irisch-römischer Katholik war. Ich, der ich kein Durchschnittsire bin, gebe mich solchen Illusionen nicht hin. Vor allen Dingen glaube ich nicht daran, daß Jesus in irgend etwas mehr oder weniger göttlich ist als Moses oder ich. Und da diese Anschauung heute unter den Führern des englischen Geisteslebens weit verbreitet ist, frage ich diese Führer des öfteren, worin sie sich denn von den Juden unterscheiden, wo doch der übernatürliche Charakter Jesus’ die einzige Glaubenslehre ist, in der die Getauften und die Beschnittenen auseinandergehen. Jesus ist jetzt unter den Propheten, kein moderner kultivierter Jude schmäht den „Bastard Jesus“, noch spricht oder denkt selbst in Deutschland irgendein kultivierter Christ von den Juden als von den „Gottesmördern“. Richtig ist, daß es noch das Gesetz und die Riten gibt, um derentwillen die Juden davor zurückgescheut waren, den Weg des heiligen Paulus zu gehen. Aber das ist nichts Grundlegendes. Es gibt innerhalb der Christen in diesen Dingen Unterschiede, die ebenso groß sind, wie die zwischen Christen und Juden. Sobald wir aber auf das Gebiet des Sozialismus kommen, wird die Unterscheidung vollends absurd. Von Karl Marx und Ferdinand Lassalle bis zu Walther Rathenau und den Pionieren des russischen Kommunismus war der Jude Anreger, Führer und Anwalt der europäischen Bewegung für Kollektivismus. Ich wurde als junger Mann durch Karl Marx zum Sozialismus bekehrt; und die Geistigkeit Rathenaus und seine Art der Lebensbetrachtung waren meiner Geistigkeit und meiner Art weit weniger fremd als die der antisemitischen Staatsmänner, die in den Krieg hineinschlitterten. Zion wird sinken oder mit dem Strom der modernen Zivilisation schwimmen; die Juden können sich nur retten, wenn sie die Heidenvölker retten und Anteil nehmen an ihrer Erlösung. Darum sende ich mein Buch in die Zelte Sems mit dem gleichen Ernst wie in die Bibliotheken der Philister. Thomas Mann über das jüdische Werk in Palästina Jerusalem, 9. April. (JTA.) Thomas Mann, der große deutsche Dichter und Nobelpreisträger für Literatur, gewährte vor seiner Abreise aus Palästina dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur ein Interview, in dessen Verlauf er die Eindrücke, die er während seines Aufenthaltes in Palästina gewonnen hat, schilderte. Infolge einer plötzlichen Erkrankung, die ihn zwang, das Krankenhaus aufzusuchen, konnte er nur zum Teil das jüdische Aufbauwerk in Augenschein nehmen. Einen starken Eindruck hat auf ihn die jüdische Kwuzah-Kolonie Dilb (Kirjath Anawim) in der