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Das jüdische Echo · 1930-05-09 · 19 (9.5.1930) · p. Seite 264

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
19 (9.5.1930)
Date
1930-05-09
Page
Seite 264 (sequence 4)
Language
German
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264 Das Jüdische Echo Nr. 19 sicht auf die arabische und mohammedanische Bevölkerung des Imperiums eine gewisse Vorsicht walten lassen muß. Die Juden selbst müssen im Verhältnis zu den Arabern eine konstruktive Verständigungspolitik treiben. Wenn sie dem Fellachen, dem sie einen Teil seines Landes abkaufen, ermöglichen, den ihm verbleibenden Rest zu bewässern, so kann er auf diesem Rest bei intensiver Bewirtschaftung bedeutend mehr erzielen, als jetzt bei seinen mittelalterlichen Methoden auf der Gesamtfläche. Auf diese Weise kann nach vorsichtiger Berechnung Cisjordanien noch eine jüdische Einwanderung von über eine Million Seelen aufnehmen, ohne daß ein Araber seinen Boden verlassen muß. Auch bisher ist die Zahl der arabischen Fellachen, die das Land verließen und — mit einer Geldentschädigung —- in die Stadt gezogen sind, verschwindend gering. Nicht möglich ist es aber den Juden nach Ansicht des Redners sowie auch der maßgebenden Instanzen der Jewish Agency, unmittelbar nach den Ereignissen des vorigen Jahres mit den Arabern über ein Parlament zu verhandeln. Das würde die jetzigen Führer der Araber in de!' Ansicht bestärken, daß sie durch ein Judenmassaker ihre politischen Ziele erreichen können. Auch würde bei der heutigen Einstellung der maßgebenden arabischen Kreise ein Parlament, wie es die Araber verlangen, eine schwere Gefährdung des jüdischen Aufbauwerkes bedeuten. Eine Volksvertretung ist erst dann möglich, wenn sich auch unter den Arabern eine wirkliche nationale Bewegung entwickelt hat. Diese wird erkennen, daß es zwischen Juden und Arabern keine unüberbrückbaren Gegensätze gibt. Zu einer Feindschaft mit den Juden hat nur die feudale Clique Anlaß, die heute das arabische Volk beherrscht und aussaugt und ganz genau weiß, daß die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Landes das Ende ihrer Herrschaft über das arabische Volk bedeutet. Von entscheidender Bedeutung ist nach Meinung des Redners die Haltung der Juden selbst zum Aufbauwerk. Er stellt fest, daß die politische Entschlossenheit des jüdischen Volkes durch die vorjährigen Ereignisse nicht erschüttert, sondern gestärkt worden ist. Das drückt sich vor allem darin aus, daß auf den Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency die Kolonisation von 3600 neuen landwirtschaftlichen Siedlerfamilien bewilligt und finanziell sichergestellt wurde. Die Versammlung wurde von Herrn Dr. Liebstaedter geleitet. * * * In Würzburg sprach Nachum Goldmann über „Das Judentum nach dem Kriege“. Der Redner stellte dar, wie die Lage des Judentums nach dem Kriege und durch den Krieg schlechter geworden ist als in der Vorkriegszeit. Die ungebrochene Masse des osteuropäischen Judentums, das Kraftreservoir der Weltjudenheit, wurde atomisiert und schreitet heute, in einer rapiden Assimilation an die Landesmajoritäten, dem inneren Verfall entgegen. Das amerikanische Judentum fällt dem Amalgierungsprozeß des traditionsfeindlichen Amerika zum Opfer. Die Existenz einer jüdischen Realität in Newyork und den anderen Großstädten ist nur noch eine Frage von ein paar Jahrzehnten. Der westeuropäische moderne Jude ringt täglich um die Behauptung und Wachhaltung jüdischen Bewußtseins und jüdischer Lebensinhalte. Die Form seiner Existenz unterscheidet sich nicht von der des Nichtjuden. Das Judentum ist ihm ein immer neu zu lösendes Problem, aber keine Selbstverständlichkeit und Wirklichkeit. Das einzige Land, in dem es ein hundertprozentiges Judentum geben kann und gibt, ist Palästina. Daß dort der Jude ungeteilt ein jüdisches Dasein führt, alle seine Lebensäußerungen in Form und Inhalt jüdisch sind, kurz daß es dort einen jüdischen Werktag, eine wahrhaft jüdische Realität gibt, ist die entscheidende Bedeutung des Palästinaaufbaues und deshalb die einzige Lösung des Judenproblems. Diese in glänzender Form vorgetragenen Gedanken machten in ihrer Schlichtheit und Tiefe nachhaltigen Eindruck auf die zahlreichen Zuhörer. Ein Sonderkommissar für Palästina Die britische Regierung entsendet Sir John Simpson in einer besonderen Mission nach Palästina als Berater des High Commissioner und zur Berichterstattung über die Entwicklung des Landes, Landbesiedlung und Einwanderung London, 4. Mai. (JTA.) Der Staatssekretär für die Kolonien, Lord Passfield (früher Sidney Webb), hat Sir John Hope Simpson, der früher längere Zeit im indischen Zivildienst tätig war, mit einem zeitweiligen Auftrag für Palästina betraut; Sir John Simpson wird mit dem High Commissioner für Palästina Besprechungen pflegen und der britischen Regierung über Fragen wie Bodenbesiedlung, Einwanderung und allgemeine Entwicklung des Landes Bericht erstatten. Sir John Hope Simpson hat sich bereits Anfang dieser Woche nach Palästina begeben. Sir John Hope Simpson, der heute 62 Jahre alt ist, war von 1922 bis 1924 liberales Parlamentsmitglied für Taunton. Vorher war er viele Jahre, von 1889 bis 1916, in der Zivilverwaltung Indiens, anfangs als Friedensrichter und später als oberster Verwaltungsbeamter, tätig, auch war er Chief Commissioner der Andaman und Nicobar Islands. „Times“ über die Mission Simpsons London, 4. Mai. (JTA.) Zu der Entsendung Sir John Hope Simpsons in einer besonderen Mission nach Palästina äußert sich „Times“ in einem Leitartikel u. a. wie folgt: „Es ist offensichtlich, daß die Regierung die Lage in Palästina genau beobachtet. Sir John Hope Simpson, früher ein ausgezeichnetes Mitglied des indischen Zivildienstes, der sich zuletzt Erfahrung in Dingen des näheren Ostens angeeignet hat, ist damit betraut worden, mit dem High Commissioner Besprechungen zu pflegen und der Regierung Seiner Majestät über die in dem Bericht der Shaw-Kommission aufgeworfenen drei wichtigsten und strittigsten Fragen Bericht zu erstatten. Man wird sich erinnern, daß Sir Walter Shaw und seine Kollegen Empfehlungen über Entwicklung, Einwanderung und Bodenbesiedlung Palästinas gemacht haben, die die Ausfindigmachung von Methoden zur Regulierung der jüdischen Einwanderung gemäß der Aufnahmefähigkeit des Landes, die Prüfung der Möglichkeit einer dichteren Besiedlung auf dem Lande durch Experten und Vorschläge für Entwicklung der landwirtschaftlichen Hilfsquellen Palästinas betreffen. Die Frage, ob Palästina eine größere landwirtschaftliche Bevölkerung als es gegenwärtig hat, erhalten könnte, ist von gleich großer Bedeutung für die Mandatarmacht, die Zionisten und

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