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Das jüdische Echo · 1930-05-02 · 18 (2.5.1930) · p. Seite 255

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
18 (2.5.1930)
Date
1930-05-02
Page
Seite 255 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 18 255 Das Jüdische Echo getrennten Zeremonien die feierliche Einweihung von zwei neuen Wäldern statt, von denen der eine von tschechoslowakischen Zionisten zu Ehren des Präsidenten Thomas Masaryk in Sarid bei Ginegar und der zweite von jugoslawischen Juden zu Ehren des verstorbenen Königs Peter „des Befreiers“ in Ginegar gestiftet wurde. Eine neue jüdische Kolonie in Palästina Jerusalem, 22. April. (JTA.) In Naaneh, etwa drei Kilometer von der großen Kolonie Rechoboth entfernt, wurde auf einer Fläche von 1200 Dunam Boden eine neue jüdische Arbeiterkolonie eingeweiht,) die von amerikanischen Juden gestiftet wurde. Mit dem Häuserbau und den Anbauarbeiten wird sofort begonnen werden. Der Jüdische Nationalfonds im eigenen Heim Jerusalem, 28. April. (JTA.) Das Hauptbüro des Keren Kajemeth Lejisrael ist in sein eigenes Heim, einem schönen, modern ausgestatteten Gebäude, gegenüber der King Georg Avenue, einer der Hauptverkehrsstraßen Jerusalems, eingezogen. Es ist eines der wenigen Gebäude Palästinas, das mit einer Zentralheizungsanlage versehen ist. Die feierliche Einweihung des Gebäudes wird in kurzem stattfinden. Gemeinden- und Vereins-Echo Jüdische Geschichtsphilosophie Über „Sinn und Aufgaben der jüdischen Geschichte“ sprach auf einer öffentlichen Veranstaltung der Jesaja-Loge Herr Dr. Ernst Simon (Jerusalem) vor zahlreichen Zuhörern. In einer kurzen Vorbemerkung kennzeichnete er die gegenwärtige Situation der Geschichtsphilosophie, die in den letzten Jahrzehnten, vor allem in Deutschland, mehr eine Psychologie der Historiker als eine Philosophie der Geschichte geworden sei — er wolle sich im Gegensatz dazu bemühen, den Inhalt der jüdischen Geschichte zu erkennen und nach ihrem Sinne für die jüdische Gegenwart zu fragen. Für uns Juden bestehe eine besondere Veranlassung dies zu tun, beginne doch mit den jüdischen Propheten die Geschichtsphilosophie überhaupt. Drei menschliche Grundbeziehungen seien von ihnen erstmals als Probleme behandelt, normativen Maßstäben unterworfen worden; die Beziehung zwischen Volk und Land, die Beziehung zwischen König und Volk und die Beziehung zwischen dem einzelnen und der Gemeinschaft. Für die Propheten sitzt Israel, nicht von Naturrechts wegen in seinem Land!, sondern um einer Aufgabe willen; auch die Auserwähltheit des jüdischen Volkes bedeutet ihnen eine Aufgabe; daher sind die Propheten die Träger des Gedankens der Galuth, solange Israel in seinem Lande wohnt; sie sind die Träger des Gedankens der Rückkehr, sobald es aus seinem Lande vertrieben ist. Königtum und Priestertum unterliegen immer wieder der Kritik der Propheten: das Königtum wird mehr und mehr zum Werkzeug der Prophetie. So ist es auch zu erklären, daß die „Bücher der ersten Propheten“ viel mehr von Königen und Richtern erzählen, als von Propheten; neben der Erzählung der geschichtlichen Tatbestände enthalten sie geradezu auch einen' Traktat über die Beziehungen des einzelnen zur Masse. Die Schicksalsfragen der ursprünglichsten Demokratie des Wahlrichtertums, des Erbpriester-, des Erbkönigtums und der Erbprophetie werden berührt und in der merkwürdigen Tatsache, daßi das Führertum fast immer auch mit einem Makel behaftet ist, wird etwas vom Geheimnis der Gnadenwahl offenbar. In anderen späteren Epochen der jüdischen Geschichte findet diese prophetische Haltung ihren Ausdruck in einem merkwürdigen Anachronismus, der das Grundgesetz der jüdischen Geschichte wird. Die Juden leben sozusagen in einer doppelten Zeit, in der ihrer Umgebung und in der ihrer früheren Schicksale; der Doppeltheit der Zeit entspricht eine geheime Doppeltheit des geistigen Raums, die vor allem im kabbalistischen Schrifttum und seiner Auffassung der Thora zu konstatieren ist. Die Beziehung der Juden zu Erez Israel zeigt einen eigenartigen Wechsel; wie zwischen Ebbe und Flut, auf die Zionsklage folgt die Zionsfreude und stets besteht zur Zeit der stärksten Verbindung mit Erez Israel die Gefahr der Überhebung, des Vergessens der geschichtlichen Aufgabe. Auch heute sei dies wiederum so: im Judentum bestehe eine doppelte Bewegung, die der Säkularisierung, des Bestrebens zu sein wie alle Völker, die ihren Sitz in Palästina habe und die der Ablösung von allen nationalen Grundlagen, der gänzlichen Entvolkung, der Lösung von der Wirklichkeit,. deren Träger das Galuth sei. Beide Bewegungen vergäßen die geschichtliche Aufgabe der Juden, helfen könne nur ein Drittes, das Bewußtsein der prophetischen Sendung, der Auserwähltheiit als Aufgabe, die in der Wirklichkeit des nationalen Lebens Tag für Tag zu bewähren sei. Der Prüfstein für das Gelingen dieser Aufgabe sei heute die Lösung der Araberfrage in Palästina. Der Vortrag, der den Ablauf der jüdischen Geschichte in eigenartigem und neuem Lichte sieht, dessen Gedankengänge zwar nicht immer leicht, immer aber fesselnd und eindrucksvoll waren und von einer universalen Beherrschung des Gegenstands zeugten,, wurde mit größtem Beifall aufgenommen; daß seine Deutung der jüdischen Geschichte subjektiv ist, hat Dr. Simon selbst zugegeben, ob es ihm immer und restlos gelungen ist, sie so an den Tatsachen der jüdischen Geschichte zu erhärten, wie er es beabsichtigte, darf man wohl bezweifeln; im Rahmen seines einstündigen Vortrags wäre es auch schlechterdings unmöglich gewesen. I* E. Schekelaktion 5690. Die Schekelaktion hat bereits vor mehreren Wochen begonnen. Alle Zionisten sollen für sich und ihre Familienangehörigen den Schekel entrichten, aber zugleich ist es ihre Aufgabe, unserer Bewegung auch neue Anhänger zuzuführen,, die durch Entrichtung des Schekels das Bekenntnis zum Baseler Programm ablegen. Jeder Zionist ist dafür verantwortlich, daß das Ergebnis der diesjährigen Aktion von der organisatorischen Größe und der zionistischen Bewegung beredtes Zeugnis ablegt. Hebräische Sprachkurse München. Das Sommersemester 1930 hat bereits begonnen. In sämtlichen Kursen werden noch neue Schüler aufgenommen; außerdem werden zwei neue Kurse eingerichtet: ein Grammatikkurs und ein Anfängerkurs. Der Grammatikkurs begann Donnerstag, den 1. Mai, abends 9 Uhr; der Beginn des Anfängerkurses wird noch bekanntgegeben. Interessenten werden gebeten, sich möglichst bald im Unterrichtslokal, Herzog-Rudolf-Straße 1 (Tel. 2 97 4 49) anzumelden. Makkabiah 1932. Wie bereits an dieser Stelle mitgeteilt, veranstaltet der Makkabi-Weltverband zu Pessach 1932 in Erez-Israel das größte jüdische

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