Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 18 (2.5.1930)
- Date
- 1930-05-02
- Page
- Seite 252 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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2 52 Nr. 18 Das Jüdische Echo rungen der Erbitterung Luft macht. In der Regel werden etwa acht Prozent des erlittenen Schadens ersetzt, in vielen Fällen aber ist die Höhe der Entschädigung noch weit geringer als dieses Ausmaß. So z. B. erhielt die Familie von Rabbi Hassoun in Hebron, deren Haus vollkommen zerstört und ausgeplündert wurde, wobei der Schaden, gering geschätzt, die Höhe von 3000 Pfund erreicht, im ganzen 11 Pfund 8 Schillinge als Entschädigung ausbezahlt. Die jüdische Gemeinde von Hebron, die durch die Zerstörung ihrer Synagoge, ihres Greisen- und Waisenasyls sowie anderer Wohlfahrtsinstitutionen einen Schadenersatz von 2000 Pfund beanspruchte, erhielt 54 Pfund. Der Hebron-Jude Ascher Karlinsky, der durch die Ausplünderung seines Hauses einen Schaden von 103 Pfund erlitten hat, erhielt 14 Schillinge ausbezahlt. Die sephardische Gemeinde in Hebron, die für die Zerstörung ihrer drei Synagogen und mehrerer Gemeindeinstitutionen einen Schadenersatz von 6423 Pfund beanspruchte, erhielt im ganzen 176 Pfund ausbezahlt. Nissim Castel, der 250 Pfund Schadenersatz beanspruchte, erhielt 8 Pfund. Elchanan Roch, dem in den Augusttagen eine Hand abgeschlagen und dessen Haus vollkommen ausgeplündert wurde, beanspruchte einen Schadenersatz von 1537 Pfund, erhielt aber nur 84 Pfund. Dem in Mekor Chajim lebenden Juden Schnur man, der 500 Pfund' als Schadenersatz für die Ausplünderung und Niederbrennung seines Hauses verlangte, wurden 32 Pfund bewilligt. Der Safeder Jude Klinger, der einen erlittenen Schaden von 11 000 Pfund nachweisen konnte, erhielt 140 Pfund ausbezahlt. Das Safeder jüdische Waisenhaus, das 3000 Pfund als Schadenersatz beanspruchte, erhielt 144 Pfund. Ein Jerusalemer Jude erhielt 17 Pfund, statt der beanspruchten 640 Pfund. Die Familie des in Hebron ermordeten Jeschiwah-Studenten Krasner, deren Haus vollkommen ausgeplündert wurde, erhielt statt der beanspruchten 5000 Pfund nur 114 Pfund ausbezahlt. Von denjenigen, die nur Verletzungen erhielten, haben die meisten überhaupt keine Entschädigung erhalten. Die Schwester von Rabbi Dvoretz, der eine Hand abgehauen und deren Haus in Hebron geplündert wurde, erhielt insgesamt 2 Pfund und 10 Schillinge Schadenersatz. Eine andere jüdische Frau aus Hebron, deren Schaden offiziell auf 560 Pfund geschätzt wurde, erhielt 5 Pfund ausbezahlt. Die Empörung wird verstärkt durch das Bekanntwerden der Tatsache, daß der Jerusalemer arabische Anwalt Hassan Al Budeiri, dem in den Unruhetagen, als seine Wohnung in Brand geriet, einige Gegenstände aus derselben entwendet wurden, 340 Pfund Schadenersatz erhielt. Wie erinnerlich, wurden die Mitglieder der Untersuchungskommission in das Haus dieses Anwalts geführt, um ihnen zu beweisen, daß auch Juden während der Unruhen arabisches Eigentum zerstört haben. Die gleiche Empörung wie unter den Juden Hebrons herrscht über die Entschädigungspraxis der Regierung auch unter den Juden von Safed. Am 21. April abends fand in Safed eine jüdische Versammlung statt, in der sich die Entrüstung gegen die Regierungspraxis sehr stürmisch äußerte. Es wurde eine Resolution angenommen, in der gegen die „schmachvolle und beleidigende Haltung der Regierung gegenüber den Opfern der Unruhen“ protestiert wird. Es wurden Daten zur Sprache gebracht, aus denen hervorgeht, daß die Regierung, obwohl sie die Schäden sehr niedrig einschätzt, dennoch nur ein Drittel der Höhe ihrer eigenen Schätzungen als Entschädigung zahlt. Im Verlauf der Versammlung wurden auch Klagen gegen die Verwaltung des jüdischen Nothilfsfonds (Emergency Fund) erhoben. Es wurde erklärt, daß der Fonds seine Versprechungen, den Juden von Safed beim Wiederaufbau ihres zerstörten Wohn- und Geschäftsviertels zu helfen,, nicht in der wünschenswerten Weise erfüllt. Und wieder Luke London, 27. April. (JTA.) Nach einem Telegramm aus Jerusalem an die JTA. teilt das Organ der arabischen Executive „Falestin“ mit, daß der zur Zeit auf Urlaub im Ausland weilende Chefsekretär der Palästinaregierung, H. C. Luke, der zur Zeit der Unruhen im August 1929 den damals abwesenden High Commissioner Sir John Chancellor im Amte vertreten hat, bei der nächsten, im Juni 1930 stattfindenden Tagung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes die britische Mandatsregierung vertreten und den Mitgliedern auf ihre Fragen die nötigen Informationen erteilen wird. „Falestin“ fügte hinzu, daß Herr Luke nach Beendigung der Tagung der Mandatskommission nach Jerusalem zurückkehren und seinen Posten als Chefsekretär der Palästinaregierung wieder antreten wird. Die Londoner Jüdische Telegraphen-Agentur wandte sich an die zuständige Stelle in London um Auskunft hierüber und erhielt die Auskunft, daß Herr Luke nicht als der beglaubigte Vertreter der britischen Regierung auf der Juni-Juli-Tagung. der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes, in der die durch die Augustunruhen in Palästina geschaffene Lage erörtert werden wird, fungieren wird, sondern daß er nur den beglaubigten britischen Vertreter zu der Tagung begleiten wird, um als die für die Regierung Palästinas* während der Augustunruhen verantwortliche Per^ son den Mitgliedern der Mandatskommission die nötigen Informationen zu erteilen und die an ihn gerichteten Fragen zu beantworten. — Von autoritativer Stelle wurde der JTA. ferner mitgeteilt, daß Herrn Lukes Diensturlaub verlängert worden sei, daß es aber gegenwärtig nicht möglich .ist, etwas Definitives über seine Entschließungen für die Zeit, nach der er der Juni-Juli-Tagung der Mandatskommission beigewohnt haben wird, vorauszusagen. Die Nachricht, daß Herr Luke der Tagung der Permanenten Mandatskommission wenn auch nur als Begleiter des beglaubigten britischen Vertreters, beiwohnen wird, hat die zionistischen Kreise in London überrascht und enttäuscht; in offiziellen engeren Kreisen aber wird die Tatsache, daß er als derjenige, der für das Regime im August 1929 verantwortlich ist, den beglaubigten britischen Vertreter begleiten wird, als die natürlichste Sache von der Welt angesehen. Tritt Sir John Chancellor wirklich zurück? Jerusalem, 23. April. (JTA.) „El Ahram“, die große in Cairo erscheinende arabische Zeitung, teilt mit, daß Frau Rosita Forbes, die bekannte englische Reiseschriftstellerin, während ihres letzten Aufenthaltes in Palästina arabischen Persönlichkeiten gegenüber erklärt hat, Sir John Chancellor habe ihr gesagt, daß er von seinem Posten als High Commissioner für Palästina zurücktreten wird, weil er der Meinung ist, daß „die Arbeit in Palästina sinnlos“ sei. Bekanntlich waren vor mehreren Tagen auch in London Gerüchte über den bevorstehenden Rücktritt von Sir John Chancellor im Umlauf. Die JTA. wandte sich an das Kolonialministerium um Aus-