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Das jüdische Echo · 1930-05-02 · 18 (2.5.1930) · p. Seite 250

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
18 (2.5.1930)
Date
1930-05-02
Page
Seite 250 (sequence 4)
Language
German
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250 Das Jüdische Echo Nr. 18 leistet wurde., und rügte die Apathie der NichtjU'den. Der Korrespondent des Blattes ,Alf Ba‘- Damaskus schrieb: ,Man muß bekennen, daß die Juden den Opfern reiche Unterstützung gaben: bevor noch ein einziger Araber daran dachte, hilfreich beizuspringen, schickte schon der Gemeinderat von Tel-Awiw tausende Laib Brot und 3000 Rottel Fleisch, Ärzte, Pflegerinnen, Medikamente und Beileidsdepeschen/ Und nach Anführung der Geldspenden von Nathan Strauß und der Palestine Electric Corporation kommt er zum Schluß: ,Was die Juden an uns taten, waren, wenn es auch vielfach mit politischer Absicht geschah, immerhin Akte menschlicher Güte von denen wir nicht wissen, wie wir sie jemals vergelten werden, zumal zur gleichen Zeit den meisten Arabern nicht einmal der Gedanke an irgendeine Hilfe ihrerseits dämmerte: damit begannen sie erst, nachdem die Juden ihnen das Beispiel gegeben hatten/ Am 24. hebt ,Maraat al Sharq‘-Jerusalem seinerseits den Edelsinn der Juden und die Solidarität hervor, welche sie den anderen Nachkommen Sems bewiesen. Keiner der Erdbebenopfer wird jemals diese humane Gesinnung von seiten eines Volkes vergessen, das wir für Feinde hielten; wir schätzen diese Gesinnung als den ersten Schritt auf der Bahn gegenseitiger Verständigung.. / Und schließlich erschien am gleichen Tag ein Artikel ähnlichen Inhalts im ,MokattanT-Kairo. Es ist immer peinlich, wenn man seine eigenen Guttaten erwähnen muß; doch die offenkundige Unbilligkeit der in Ihrem Blatt gegen uns Juden gerichteten Bemerkungen wird1 hoffentlich als eine genügende Rechtfertigung dafür gelten, daß ich die geehrte Redaktion von ,Near East‘ an einen der zahllosen Fälle erinnere, da die Juden Palästinas ihren arabischen Mitbürgern in einem Geist geholfen haben, der von Ihrer Beschreibung durchaus verschieden ist. Hochachtungsvoll S. Tolkowsky.“ So freimütig diese Ausführungen Tolkowskys sind, hat er sich versagt, nachzuprüfen, ob die englischen Kolonisatoren, welche so hohe Anforderungen an das Mitgefühl und den Altruismus der Juden zugunsten der Araber stellen, damals und seither seiht mit ihrem guten Beispiel für das harmonische Zusammenwirken aller Landesbewohner vorangingen. Es wäre eine höchst dankbare Aufgabe, wenn von jüdischer Seite das Verhalten der Palästinaregierung, z. B. gleich zur Zeit der Erdbebenkatastrophe, einer gründlichen Darstellung unterzogen würde: wie wenn man die jüdische Hilfe für die Araber drosselte, wie zur Zeit, da noch die arabischen Leichen unter den Trümmern von Ramleh lagen, nebenbei in Sarafend die smarte Steeple Chase der englischen Garnison vom Start ging. Ein neuer» Beleg für das Wahrwort: ,Jhr seht den Splitter im Auge des Nächsten, nicht aber den Balken im eigenen Auge.“ Dr. E. Z. Die Wirtschaftssituation der deutschen Juden Ausspracheabend) des Landesausschusses Berlin der jüdischen JugendverbäJnde Berlin, 11. April. (JTA.) Der Landesausschuß Berlin der jüdischen Jugendverbände veranstaltete am Montag, dem 7. April, im Gemeindehause Rosenstraße einen Ausspracheabend über die Wirtschaftssituation der deutschen Juden. Der Referent des Abends, Herr S. Adler- Rudel, führte ungefähr aus: Die Tatsache, daß sich heute ein unaufhaltsamer Proletarisierungsprozeß des deutschen Judentums vollzieht, ist unumstritten. Die Frage 'ist nur, wie man sich mit dieser Tatsache abzufinden hat. Der Referent versucht von seiner sozialistischen Weltanschauung aus aufzuzeigen, daß diese Proletarisierung nicht unbedingt als Verelendungsprozeß zu beurteilen ist. Es muß der Versuch gemacht werden, der Deklassierung und dem wirtschaftlichen Herabsinken großer Kreise eine positive Seite abzugewinnen. Redner bejaht die Einordnung der deklassierten und proletarisierten jüdischen Mittelständler in die Reihen der Arbeiterschaft, an deren unaufhaltsames Vordringen und endgültigen Sieg er glaubt. Neben dieser wirtschaftlichen Betrachtungsweise gibt es allerdings noch einen anderen Gesichtspunkt, den jüdischen. Es sei eine oft bestätigte Erfahrung, daß bisher wenigstens Proletarisierung gleichbedeutend mit Entjudung gewesen sei. Hier gilt es, den Inhalt des Jüdischen zu konkretisieren. Der Palästinagedanke und die Schaffung eines Nationalbewußtseins können vielleicht in diesem Sinne wirksam sein. Die Bejahung eines wirtschaftlich gesehenen zwangsläufigen Prozesses entspricht dem Temperament und der Einstellung großer Teile der jüdischen Jugend. Unter dem Zwang der Verhältnisse hat sich auch die Bewertung der Berufe durch die jüdische Gesellschaft geändert. Allerdings sollte man sich davor hüten, die Proletarisierung und Berufsumschichtung, die sich heute vollzieht, durch Parolen beschleunigen zu wollen. Aber es ist wichtig, dem bösen Geschick den Stachel zu nehmen und den Menschen, die in diesen Prozeß verstrickt sind, ein neues Selbstbewußtsein zu geben. In der anschließenden Aussprache nahmen u. a. Dr. Kreutzberger, Dr. Zielenziger, Fritz Naphtali,. Dr. Lubinsky und Gundersheim das Wort. Kreutzberger führte ungefähr aus, daß er im Gegensatz zum Referenten von der1 Wirtschaft her keine Lösung erwarte. Er wies auf den Rationalisierungsprozeß hin, der unzählige Arbeiter und Angestellte aus der Wirtschaft herausdrängt. Eine Besserung sei nur von der Politik her zu erhoffen. So sei z. B. die Arbeitslosigkeit schon nicht mehr als krisenhaft, sondern als chronisch anzusehen. Im ganzen beurteilte Kreutzberger die Situation der Juden, denen es nach seiner Überzeugung immer wieder gelingen dürfte, neue Positionen der Wirtschaft zu erobern, optimistisch. Schwierig bleibt für den Fall eines Weitergehens der Proletarisierung (nach der Erfahrung gehen zuerst die Spitzen und die untersten Schichten der jüdischen Gesellschaft verloren) die Erhaltung und Festigung der jüdischen Substanz. Auch Kreutzberger sieht hier mehr als im wirtschaftlichen die besondere Bedeutung Palästinas. Zielenziger, der trotz seiner anderen Einstellung in vielen Fragen mit dem Referenten übereinstimme, beurteilt die Lage der deutschen Juden nicht ganz so optimistisch. Er betont, daß wir vorläufig bei allem, was wir zu diesen Fragen zu sagen haben, auf Vermutungen angewiesen sind. Es fehlen beinahe alle statistischen- Unterlagen. Es ist zu hoffen, daß die Un~ tersunchungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, die eine Auswertung der Statistik des Jahres 1925 bringen werden, bald abgeschlossen werden können. Die Grundthese Rudels könnte sehr bestritten werden, da bekanntlich jahrhundertelang der Jude der Prototyp der kapitalisti-

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