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Das jüdische Echo · 1930-05-02 · 18 (2.5.1930) · p. Seite 249

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
18 (2.5.1930)
Date
1930-05-02
Page
Seite 249 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 18 2. Mai 17. Jahrgang Juden und Araber beim letzten Erdbeben In Palästina Das Jerusalemer Tageblatt „The Palestine Bulletin“ vom 27. März gibt eine interessante Polemik wieder, die sich jüngst zwischen der Londoner Wochenschrift „Near East and India“, einem angesehenen und sozusagen hülboffiziellen englischen Organ, und Herrn S. Tolkowsky in Tel- Awiw, dem Schwiegersohn des bekannten Zionisten Jizschak Goldberg, abgespielt hat. Zu einer Zeit, da Gesinnung und Haltung der palästinensischen Juden gegenüber den Arabern von Feinden und wohl auch von Freunden vielfach verkannt wird, scheint es am Platz, diese Polemik, welche uns die Erfahrungen der Erdbebenkatastrophe vom Jahre 1927 ins Gedächtnis zurückruft, weithin bekanntzumachen. „Near East“ hatte einen Aufsatz veröffentlicht, welcher den Juden ins Gewissen redete, sie mögen den Arabern nicht nur nebenbei helfen, wie bisher, sondern deren wirtschaftliche Lage durch ein konstruktives Programm zu verbessern suchen. Hierauf sandte Tolkowsky der Redaktion folgenden Brief zu, den sie auch mit einer süßsauren Schlußbemerkung abdruckt: „Mein Herr! Als einer, der seit 20 Jahren in Palästina lebt und der für sich das Verdienst beanspruchen kann, daß er keinen unwichtigen Anteil daran hatte, ein engeres Zusammenarbeiten zwischen Arabern und Juden auf wirtschaftlichem Gebiet zustandezubringen, muß ich Ihrem Wunsche, diese Zusammenarbeit zu fördern, vollste Zustimmung zollen. Aber ich darf wohl sagen, daß Sie sehr unschön handeln, wenn Sie weiters bemerken: ,Was die Juden in Palästina für die Araber taten, war meist nur ein Nebenprodukt ..So natürlich es ist, daß die Bestrebungen der Juden zuerst und hauptsächlich auf das Wohl des eigenen Volkes gerichtet sind, so klar verstehen wir alle, die im Wirtschaftsleben Palästinas eine Rolle spielen, daß die Entwicklung des Landes in landwirtschaftlicher, industrieller und kommerzieller Hinsicht nur möglich ist, wenn sich in weiterem Maße das Zusammenwirken der verschiedenen Teile der Bevölkerung sichern läßt. Ich könnte Ihnen mit konkreten Beweisen dienen, daß die Juden in unzähligen Fällen sich um dieses Zusammenwirken bemühten, manchmal mit und manchmal ohne Erfolg bei den Arabern, doch in jedem einzelnen Fall kam der Anstoß von den Juden. Was nun Ihre Behauptung anbelangt, die Juden hätten nur nebenbei etwas für die Araber getan, scheinen Sie den Geist menschenfreundlicher Solidarität, den die Juden in und außerhalb Palästinas beim Erdbeben vom Jahre 1927 zeigten, ganz vergessen zu haben. Die Opfer dieser Katastrophe waren durch einen merkwürdigen Zufall fast ausschließlich Araber: doch trotzdem eilten die Juden den Opfern zu Hilfe, während die arabische Bevölkerung in Palästina und den Nachbarländern völlig passiv blieb und so gut wie nichts für ihre unglücklichen Brüder tat. Das Erdbeben ereignete sich am Nachmittag des 11. Juli 1927. Wenige Stunden später verließen die fünfzehn ersten Freiwilligen Tel-Awiw, um in Ramleh den Verwundeten beizustehen und den Schutt auf der Suche nach Überlebenden abzuräumen: hierbei wurde ein junger Jude verwundet. Am gleichen Abend, kaum daß in Tel-Awiw bekannt wurde, Nablus habe Mangel an Nahrungsmittelm wies der Gemeinderat von Tel-Awiw alle Bäckereien an, die Nacht durchzuarbeiten, und um 3 Uhr früh fuhren schon einige Lorries nach Nablus, wo das Brot zeitig früh von der dortigen Gemeinde verteilt wurde. Am 13. öffnete die hebräische Presse ihre Spalten zugunsten der Erdbebenopfer. Am 14. überwies der jüdische Philanthrop Nathan Strauß aus Amerika drahtlich 5000 Pfund Sterling. Am gleichen Tage beschloß der Gemeinderat von Tel-Awiw auf telegraphisches Ansuchen des Nabluser Bürgermeisters um Zelte, dem sofort zu entsprechen. Zugleich legte die jüdische Gemeinde Tel-Awiw-Jaffa, unter Vorsitz des Großrabbiners, Zeichnungslisten auf und desgleichen tat die jüdische Gemeinde Jerusalems zusammen mit dem Jüdischen Nationalrat. Am 15. bot der Sportverband ,Makkabi‘ 30 und die Feuerwehr von Tel-Awiw 20 Freiwillige für Hilfsarbeiten in Nablus an und der Jüdische Ingenieurverein stellte zwei Mitglieder als Fachmänner bei. Auch Petach-Tikwah schickte inzwischen eine große Ladung Brot nach Nablus. Am 17. besuchte Bürgermeister Dizengoff Nablus, wo hunderte Araber ihn umdrängten, ihm die Hand drückten und den palästinensischen Juden für ihre Hilfe dankten. Bis zum 17., d. h. volle 6 Tage nach der Katastrophe, war trotz aller Aufrufe in der arabischen Presse aus keinem der arabischen Nachbarländer auch nur ein Penny an Hilfsgeldern bezahlt oder gezeichnet worden. Am 19. erließ die Exekutive der Zionistischen Organisation einen Appell zugunsten des Hilfsfonds, wobei das Ergebnis der Palästinaregierung abgeführt wurde. Die arabische Presse von damals ist der beste Zeuge für den Geist, den die Juden bei dieser Gelegenheit gezeigt haben. Der 'Falestin‘-Jaffa stellte in seinem Leitartikel vom 19. Juli 1927 die Haltung der Juden dem Mangel jeden Interesses auf Seiten des Mufti von Jerusalem entgegen und zollte volle Anerkennung dem Geist menschenfreundlicher Solidarität1, den die Juden bewiesen, und ihrer großzügigen Hilfe für alle Opfer des Erdbebens ohne Unterschied von Volk und Glauben. Am 21. und 22. schrieben sämtliche arabischen Blätter ausnahmslos im gleichen Sinn. ,A1 Surat al MustakkinL- Jaffa rühmt in einem Aufsatz ,Jüdis_che Sympathie* die Hilfe, welche dieserseits von einzelnen und Institutionen an Geld, Nahrungs- und Arzneimitteln, sowie durch persönliches Eingreifen ge- 1 Diese und die weiteren Stellen von uns gesperrt.

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