Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 17 (25.4.1930)
- Date
- 1930-04-25
- Page
- Seite 240 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Das Jüdische Echo Nr. 17 kischer Staatsbürgerschaft für im Staate wirkende Rabbiner stellen die zuständigen Stellen noch immer große Schwierigkeiten in den Weg. Der Bericht spricht von einem Falle, in welchem neunzehn Interventionen notwendig waren. Der Oberste Rat erhält einen zweijährigen Kursus zur Heranbildung von Religionslehrern. Die Übertragung des ersten Bandes des Pentateuch ins Tschechische wurde beendet. In der Frage des Religionsunterrichtes an den Staatsschulen steht der Oberste Rat vor schweren Aufgaben, da der Staat die Erteilung solchen Unterrichtes von einer Mindestzahl von zwanzig Teilnehmern abhängig macht und von diesem Standpunkt auch für die jüdische Religionsgemeinschaft nicht abweicht. Der Bericht hebt hervor, daß es verhältnismäßig selten notwendig war, gegen antisemitisches Treiben Stellung zu nehmen. Die Regierung hat dem Obersten Rat eine Subvention von 100 000 Kc. für seine administrativen Bedürfnisse bewilligt. Die Tagung beschloß, die Funktionsdauer des Obersten Rates, die eine provisorische gewesen war, auf weitere zehn Jahre zu verlängern und bei der Regierung energische Schritte zur Schaffung eines gesamtstaatlichen Verbandes der Jüdischen Gemeinden zu unternehmen. Der Oberste Rat wird im Jahre 1930 eine Kantorenschule, voraussichtlich in Brünn, errichten, in welcher in jeder Hinsicht qualifizierte Kantoren herangebildet werden sollen. Mildes Urteil gegen die Posener antisemitischen Studenten Posen, 21. April. (JTA.) Das Kreisgericht zu Posen verhandelte gegen achtzehn Studenten, die im Juni 1929 bei einer Sympathiekundgebung für die Lemberger antisemitische Studentenschaft in zahlreichen jüdischen Geschäften die Schaufensterscheiben eingeworfen und Kioske von Juden in der Posener Landesausstellung beschädigt haben. Das Gericht sprach sechzehn der Angeklagten frei und verurteilte die beiden Rädelsführer zu je sechs Monaten Gefängnis bei Strafaussetzung für drei Jahre. Angeiorderte Pessachunterstützungen als Maßstab jüdischen Elends Warschau, 15. April. (JTA.) Einen Anhaltspunkt für die Ausbreitung des Elends unter den Juden geben die alljährlich an die jüdischen Gemeinden gerichteten Gesuche um Pessachunterstützungen aus den Kreisen der bedürftigen jüdischen Bevölkerung. Nachdem aus Lodz gemeldet worden ist, daß 12 000 Familien, das ist die Hälfte der gesamten jüdischen Bevölkerung von Lodz, sich für Pessachhilfe haben registrieren lassen, kommt jetzt aus Wilna die Nachricht, daß sich dort 3600 Familien, die ein Drittel der jüdischen Bevölkerung von Wilna repräsentieren, sich genötigt gesehen haben, bei der jüdischen Gemeinde um Pessachhilfe anzusuchen. Neuyork, 15. April. (JTA.) Auch in Neuyork hat sich in der letzten Zeit die wirtschaftliche Not innerhalb der jüdischen Bevölkerung, besonders der East Side, ausgebreitet. Der Geschäftsführer der HIAS-Organisation, Isaac Asofsky, stellte kürzlich in einer Versammlung fest, daß die Arbeitslosigkeit unter den Juden außerordentlich zunehme, so daß seine Organisation jetzt täglich durchschnittlich nur mehr vier Stellen für Arbeitslose vermitteln kann, während sie zu Anfang des Jahres noch durchschnittlich dreißig Stellen täglich vermitteln konnte. Die Not sei dieses Jahr größer, als sie während der letzten zehn Jahre je gewesen ist. In Brooklyn allein wird die Zahl der bedürftigen Juden, die die Pessachhilfe in Anspruch nehmen müssen, auf 12 000 geschätzt. London, 15. April. (JTA.) Der Pessachhilfsfonds in London teilt mit, daß er in diesem Jahre an 1500 Familien, die 7000 Seelen umfassen, Unterstützungen zu Pessach verteilt hat. Antisemitische Studentenumtriebe in Rumänien Bukarest, 21. April. (JTA.) Während der Osterferien machen sich Umtriebe antisemitischer Studenten bemerkbar. Wie die Zeitungen melden, hat sich das Innenministerium mit den Führern der Studenten in Verbindung gesetzt und diese auf die ernsten Folgen etwaiger Unruhen aufmerksam gemacht. Auch wurden Anweisungen gegeben, die Bewegungen der Studenten genau zu beobachten und im Bedarfsfälle rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Drei Rituaimordanklagen in Saloniki Saloniki, 12. April. (JTA.) Während der zwei letzten Wochen wurden in Saloniki drei Anklagen wegen Ritualmords erhoben. In allen drei Fällen handelte es sich um kleine griechische Kinder, die — da sie sich beim Spielen verirrt haben -rmehrere Stunden vermißt waren, dann aber gesund wiedergefunden wurden. Die Klagen wurden abgewiesen, aber keiner der Verleumder belangt. Die Zeitungen protestieren gegen die Polizei, die solche Beschuldigungen bis zur Erhebung einer Anklage kommen lassen. Der jüdische Friedhof von Saloniki bedroht Saloniki, 14. April. (JTA.) Der neue Generalgouverneur von Saloniki, Herr Gonatas, hat soeben die Verlegung aller Friedhöfe in ein von der Stadt entfernt liegendes Gebiet beschlossen. Er will die von der Israelitischen Gemeinde gegen die Zerstörung ihres mehr als vier Jahrhunderte alten historischen Friedhofs vorgebrachten Einwände nicht berücksichtigen. Auf dem Friedhofsgelände sollen ein Park angelegt sowie verschiedene Bauten für die Universität und mehrere Häuser für die griechischen Flüchtlinge errichtet werden. Da alle hier und in Athen gemachten Bemühungen von jüdischer Seite, die Erhaltung des Friedhofs durchzusetzen, bisher ohne Wirkung geblieben sind, so ist zu befürchten, daß der große jüdische Friedhof von Saloniki bald verschwinden wird. Siebente Jahreskonferenz der Zionisten Griechenlands Saloniki, 12. April. (JTA.) Die Siebente Jahreskonferenz der Zionisten von Griechenland wurde in den letzten Tagen in Anwesenheit von zweiundvierzig Delegierten und einer großen Zahl Besucher in Saloniki abgehalten. Nach Aussprachen über aktuelle zionistische Fragen wurden verschiedene Resolutionen angenommen. Der Zionistischen Exekutive wurde das vollste Vertrauen ausgesprochen und besonders die Hingabe von Dr. Weizmann, Lord Melchett und Felix Warburg hervorgehoben. Es wurde gegen die Haltung, der Mehrheit der Untersuchungskommission protestiert. Dem Arbeitervertreter Snell wurde für sein Verständnis für die jüdische Seele und seine Würdigung der zionistischen Arbeit der Dank ausgesprochen und mit lebhafter Befriedigung von der Erklärung des Premierministers MacDonald im Unterhaus Kenntnis genommen. Anläßlich der Hundertjahrfeier der griechischen Unabhängigkeit wurde die Pflanzung eines Waldes mit dem Namen „Griechenland“ in Palästina beschlossen. Das Verwaltungskomitee der Zionistischen Föderation von Griechenland, das aus dieser Konfe-