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Das jüdische Echo · 1930-04-18 · 16 (18.4.1930) · p. Seite 229

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
16 (18.4.1930)
Date
1930-04-18
Page
Seite 229 (sequence 16)
Language
German
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 229 mit der Unbefangenheit und unbedingten Wahrheitsliebe eines wahrhaft stolzen Juden, mit der Unbefangenheit, die, wie Arnold Zweig es einmal ausgedrückt hat, nur die Juden haben, die zunächst in dem engeren Bezirk ihres Judeseins Ordnung geschafft haben, bevor sie die Welt reformieren wollen. Und weil dem so ist, darf man dieses Buch des Wissenschaftlers, der glaubt und vielleicht mit Recht sagen zu dürfen, daß er die Synthese zwischen Ricardo und Marx, zwischen dem Liberalismus und dem Sozialismus zeigen könne, auch dem nichtwissenschaftlich Interessierten angelegentlichst empfehlen. I. E. Ludwig Hatvany: Bondy jr. Der Roman einer Kaufmannsfamilie. Drei-Masken-Verlag, München. Familienromane sind modern. Und es ist gut, daß dem so ist: der Blick, der das Werden und Vergehen von Generationen umfaßt, begreift jedenfalls tiefer das menschliche Dasein als die Jagd nach dem Augenblick und letzter Aktualität. Einen jüdischen Familienroman von ungewöhnlichem Wert besitzen wir schon in dem Lewisohnschen Buch „Das Erbe im Blut“; auch der Roman einer jüdischen Kaufmannsfamilie, den der bekannte ungarische Schriftsteller Ludwig Hatvany jetzt unter dem Titel „Bondy jr.“ veröffentlicht, ist ungewöhnlich wertvoll, aber in einem ganz anderen Sinne als der Lewinsohns. Während dieser das Schicksal jüdischer Menschen gestaltet aus einer tiefen und ergreifenden Liebe zu ihnen, auch zu den Typen, die nach außen unangenehm auffallen, scheint jener zwar einen gewissen Respekt zu besitzen vor der Kraft und der Fähigkeit, mit der sich die alten Juden ihren Aufstieg aus dem Ghetto erkämpften, aber er hat kein bißchen Sympathie für sie übrig; er kritisiert sie und stellt ihre Eigenschaften mit einer Kaltschnäuzigkeit und manchmal sogar mit einer Verständnislosigkeit dar, die das Kennzeichen einer Generation von assimilierten Juden geworden ist, deren Weltbild von einer unerwiderten und unglücklichen Liebe zur Kultur der „Anderen“ und von einer heimlichen Anerkennung antisemitischer Ideen geprägt ist. Es versöhnt kaum mit dieser Lieblosigkeit, daß der Roman offenbar in großen Partien autobiographische Züge enthält und auch als Leistung eines Erzählers gewertet werden darf, der zu sehen und zu schildern versteht; sein eigentlicher Wert ist stofflicher und dokumentarischer Natur: er gibt ein anschauliches Bild vom Leben der ungarischen Juden im letzten Jahrhundert und er ist ein neues Dokument für die seelische Zerstörungsarbeit assimilatorischer Ideen. M. B. Die Pardways. Lester Cohen. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart. Ein Roman aus dem amerikanischen Geschäftsleben, Aufstieg und Verfall einer Familie schildernd, aus der ein mächtiger Spekulant und der Gründer eines Warenhauses hervorgehen. Kein Judenroman, wie man glauben könnte: die Pardways sind puritanischen Blutes. Und doch ein Judenroman: das Warenhaus, das die Kinder des Gründers nicht die Kraft haben zu halten, geht langsam aber sicher in die Hand Ullmanns, des kaufmännischen Direktors, über, der ihnen allen zwar an geschäftlicher Intelligenz überlegen ist und doch nicht glücklicher ist als sie. Denn er ist der Sklave der Maschine und lebt nicht sein eigenes Leben und von seiner Gemeinschaft hat er sich völlig getrennt. Ein jüdischer Typ nicht nur Amerikas, sondern unserer Zeit. Das Buch lohnt die Lektüre. H. Z. Jüdisches Jahrbuch 1930. Verlag Jüdisches Jahrbuch, Berlin S. 42. Der vorliegende 4. Jahrgang ist wieder vorzüglich ausgestattet. Der 1. (literarische) Teil wird wie in den früheren Jahren durch einen ausführlichen Überblick über das verflossene Geschäftsjahr der Berliner Jüdischen Gemeinde eingeleitet. Es folgt eine eingehende interessante Schilderung der jüdischen Wohlfahrtspflege. Neben einer Reihe von anderen interessanten Beiträgen werden mit Rücksicht auf die Ende 1930 stattfindenden Neuwahlen für die Gemeindekörperschaften und zum Preußischen Landesverband programmatische Aufsätze von führenden Persönlichkeiten aller Parteien veröffentlicht. Der 2. Teil „Organisationen und Vereine“ ist unter Berücksichtigung der Änderungen und Neugründungen sorgfältig redigiert worden. Er enthält in 13 Abteilungen sehr wertvolles Adressenmaterial. Der 3. Teil „Gemeinde-Verwaltungen und Einrichtungen“ hat insbesondere durch die eingehende Behandlung der Leistungen der jüdischen Gemeinde eine wesentliche Bereicherung erfahren. Der 4. Teil „Die jüdischen Gemeinden in Deutschland“ enthält die neuesten und wichtigsten Adressenangaben von etwa 400 jüdischen Gemeinden. Gemeinden- und Vereins-Echo Arbeitsr.echt in Bibel und Talmud Im Rahmen der Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde hielt am Mittwoch, dem 26. März, Herr Geheimrat Prof. Dr. W. S i 1 b e r s c h m i d't ein äußerst aufschlußreiches Referat über diesen in unserer Zeit besonders aktuellen Gegenstand. Er zeigte zu Beginn seiner Ausführungen, wie sehr die Auffassungen des BGB., und auch des sonstigen modernen Rechts noch auf dem römischen Recht beruhen, das die Arbeit nur als Sklavenarbeit kennt, wie aber die Bibel im Gegensatz dazu die menschliche Arbeit geradezu vergöttlicht, was sich besonders in der Einführung upd Einschätzung des Ruhetages kundgibt, die für das jüdische Arbeitsrecht von entscheidender Bedeutung ist. Im Gegensatz zu den rechtlichen Verhältnissen in Indien, Babylonien und Ägypten, von denen freilich die jüdische Regelung nicht unbeeinflußt geblieben ist, äußert sich in den biblischen Vorschriften ein tiefes soziales Verständnis. Sie gestalten das Sklavenverhältnis geradezu zu einem Freundschaftsverhältnis, von Anfang an ist die persönliche Sicherheit des Sklaven garantiert. Durch die Vorschriften über das Sabbatjahr wird das Sklaventum für den jüdischen Sklaven geradezu zu einer Versorgung; der großartige Gedanke des Jubeljahres endlich hebt die Sklaverei auf, weil er sie unter allen Umständen zu einer temporären macht. Zum Arbeitsrecht der Freien enthält die Bibel mit Ausnahme der für den Schutz des wirtschaftlich Schwachen eintretenden Lohnbestimmungen des Deuteronomiums wenig; es wurde umfassender, und zwar mustergültig, erst vom Talmud geregelt. Der überraschend moderne Geist, in dem dies geschah, ergibt sich schon daraus, daß die Vorschriften des Talmuds zum Teil beinahe wörtlich mit dem analogen des BGB. übereinstimmen. Auch der Talmud unterscheidet zwischen Dienst- und Werkvertrag, ähnlich wie im BGB. entschei-

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