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Das jüdische Echo · 1930-04-18 · 16 (18.4.1930) · p. Seite 228

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
16 (18.4.1930)
Date
1930-04-18
Page
Seite 228 (sequence 13)
Language
German
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228 Das Jüdische Echo Nr. 16 der Jahresreihe des „Zionistischen Bücherbundes'4 erschienen.) Die Einzigartigkeit der jüdischen Arbeiterbewegung Palästinas besteht darin, daß sie nicht als Proletarierbewegung begonnen hat, sondern als das Streben einer idealistischen Jugend bürgerlicher Herkunft aus nationalen und menschlichen Gründen zu einem Leben als Arbeiter in Palästina überzugehen. Diese Bewegung entstand aus der Erkenntnis der Judenfrage als einer nationalen und sozialen zugleich, die nur dadurch gelöst werden kann, daß jüdische Menschen ein neues Volkstum auf dem nationalen Boden Palästinas aus eigener Kraft aufbauen, sich durch eigene Arbeit dem Boden und der Natur verbinden. Nicht durch politische Formeln kann nach dieser Anschauung die Erlösung eines Volkes kommen, sondern nur durch die Erlösung des einzelnen zu einem neuen natürlichen Leben. Diese „Religion der Arbeit“ wurde gelebt und propagiert am stärksten und charakteristischsten von A. D. G o r d o n , der selbst in seinem 50. Lebensjahr zum Landarbeiter wurde. Der Zionismus, so lehrt er, ist keine Sache politischer Bekenntnisse, sondern der Verwirklichung im eigenen Leben. Der vorliegende Band gibt eine Auswahl aus den Schriften dieses Mannes, deren aufwühlendem Eindruck sich kein Leser entziehen kann. Ob Gordon mit rücksichtsloser Wahrheitsliebe die Übel des jüdischen Galuthlebens aufzeigt, ob er gegen die falschen Methoden jener Kolonisten wettert, die durch fremde Arbeit ein nationales Heim aufbauen wollen, ob er von der Notwendigkeit der Vermenschlichung der Völkerbeziehungen spricht und den Krieg verdammt, immer tritt uns eine große und geschlossene Menschlichkeit entgegen, die alttestamentarisch-prophetische Züge trägt. Das Problem des Nationalismus und Sozialismus erhält bei ihm eine Vertiefung ins Wesentliche. Die Bekanntschaft mit Gordon ist für jeden Leser, sei er Zionist oder nicht, eine außerordentliche Bereicherung. Wladimir Jabotinsky, „Die jüdische Legion im Weltkriege“. (Zweiter Band des Zionistischen Bücherbundes.) Als zweiter Band der Jahresreihe des Zionistischen Bücherbundes erscheint in diesen Tagen „Die jüdische Legion im Weltkriege“ von Wladimir Jabotinsky. In diesem Buch schildert der Schöpfer der jüdischen Legion seine politischen Bemühungen zu Anfang des Weltkrieges, die nach Überwindung vieler Widerstände schließlich zur Bildung der jüdischen Legion geführt haben. Eine Reihe von wichtigen politischen Persönlichkeiten, Juden und Nichtjuden, werden in ihrem Verhältnis zur zionistischen Sache dargestellt. Jabotinsky selbst war bei der Aufstellung der ersten Bataillone in London beteiligt und hat dann die Reise an die Palästinafront mitgemacht. In tagebuchartigen Aufzeichnungen gibt er seine Erinnerungen an diese Zeit wieder. Das Buch, das im russischen Original und in anderen Sprachen bereits großes Aufsehen erregt hat, enthält auch eine Anzahl Bildbeigaben; ganzseitige Porträts Josef Trumpeldors, Colonel Pattersons, Colonel El. M a r g o 1 i n s , Pinchas Rutenbergs, Major James de Rothschilds, W. H. Steeds, des späteren Kolonienministers Leopold Amery, sowie des Verfassers. Die Ausstattung ist die gleiche wie die des ersten Bandes des Zionistischen Bücherbundes: A. D. Gordon, „Erlösung durch Arbeit“. Der Zionistische Bücherbund liefert jährlich 4 Bände gegen einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von RM. 18.— ausschließlich Porto; außerdem werden den Mitgliedern eine Reihe von anderen Vorteilen geboten. Prospekte auf Wunsch beim Jüdischen Verlag, Berlin W 50, Budapester Straße 11. Ludwig Marcuse: Revolutionär und Patriot. Das Leben Ludwig Börne. Paul List Verlag, Leipzig. Börne war nach dem Urteil dieses seines Biographen ein einfacher Mann, was man gar nicht glauben sollte nach der Lektüre dieser Biogragraphie. Aber er war es auch gar nicht in Wirklichkeit, sondern nur um der Antithese willen: damit sein Biograph feststellen kann, er sei ein einfacher Mann gewesen, hineingeboren in eine komplizierte Zeit. Der Aktuar Löb Baruch, der sich zu dem Revolutionär Ludwig Börne entwickelte, der Schriftsteller Ludwig Börne, dessen Stil sich auszeichnete durch eine göttlich klare Grobheit, durch sehr unverhüllte und einfache, gar nicht komplizierte Gedanken — er hat gewiß eine Biographie verdient, aber man hätte ihm eine einfache und klare gewünscht. Marcuse gibt viel geistreiche, vielleicht kluge, manchmal wohl auch richtige, immer aber gesuchte Formulierungen und Ürteile; er gibt zu wenig Stoff. Und so weiß man denn nach der Lektüre dieses Buches manches von Börne, von seinen Freunden und seinen Feinden, von seinen Kämpfen und seiner Zeit und doch fehlt ein geschlossenes, auf Tatsachen gestütztes Bild seiner Persönlichkeit, seiner Bedeutung und seiner Leistung — wer Börne kennt, wird das Buch mit großem Genuß lesen, auch wenn er nicht mit seinen Feststellungen und Folgerungen übereinstimmt: wer Börne nicht kennt, mag erst recht seine Freude daran haben, aber er wird sich nicht einbilden dürfen, nun gerade mit Börne vertraut zu sein. Das erste Kapitel, das sich mit der Frankfurter Judengasse beschäftigt, aus der Börne stammt, entwirft ein einprägsames Bild von den Bedrückungen, unter denen die Juden zu leiden hatten, im übrigen bleibt leider festzustellen, daß die jüdischen Momente in Börnes Schaffen und nach seinem Übertritt zum Protestantismus kaum erwähnt, geschweige denn gewürdigt werden, und so wäre doch diie Frage aufzuwerfen, ob nicht das recht interessante Buch gerade im entscheidenden Punkte versagt hat. Wie immer man nämlich zum Problem der Assimilation steht: daß dieses Problem existiert und auch im Leben und Schaffen Börnes tiefere Spuren hinterließ, als Marcuse es wahr haben möchte, läßt sich nicht leugnen. Der Verlag hat dem vorbildlich ausgestatteten Buch eine Reihe von interessanten Bildern beigegeben. \m e. Franz Oppenheimer: Mein wissenschaftlicher Weg. Sonderdruck aus „Die Volkswirtschaftslehre der Gegenwart in Selbstdarstellungen“. II. Band bei Felix Meiner in Leipzig. Es ist kein geradliniger Weg, den Oppenheimer beschreibt. Heute einer der bekanntesten Nationalökonomen Deutschlands, angesehener fast noch als Soziologe, mußte er, der frühere Arzt, mühsam um die kleinste Anerkennung ringen und wie er es am Schluß dieser Selbstbiographie selbst ausspricht, muß er noch immer darauf warten, daß sich die Wissenschaft in allem Ernst mit seinen Theorien und seinem System auseinandersetzt. Oppenheimer schildert mit dem Glanz und dem Temperament, das all seine Schriften auszeichnet, seinen wissenschaftlichen Werdegang und behandelt die Tatsachen seiner jüdischen Herkunft, seines Judeseins,

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