Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1930-04-18 · 16 (18.4.1930) · p. Seite 227

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
16 (18.4.1930)
Date
1930-04-18
Page
Seite 227 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9072829-9103085-9229990--10787-9222864
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 16 227 Das Jüdische Echo dem beigegebenen vorzüglichen Abbildungsmaterial doch betonen, daß insbesondere die Gebiete der Textilienausschmückung und der Schriftmalerei, die seit alters in jüdischen Händen lagen, auch in Hessen eine Besonderheit aufweisen, die mit den sonstigen Erzeugnissen jüdischer Hersteller in anderen Gegenden durchaus übereinstimmt. Neben dem Verfasser gebührt der Herausgeberin Dank für die anregende Schrift. Sie hat damit bewiesen, daß sie durch praktisches Beispiel ihrem bedeutsamen Wirken auf dem Gebiete der Kunstpflege im jüdischen Kulturkreis erneut Ausdruck zu geben bereit war und daß dazu ihr der Ehrentag vierzigjährigen Schaffens mit Recht geeignet erschien. München Theo Harburger. Ludwig Lewisohns JFall Herbert Crump“. Drei-Masken-Verlag, München. Lewisohn, der Verfasser des jüngst hier besprochenen Buches „Das Erbe im Blut“, ist einer der beachtenswertesten zeitkritischen Schriftsteller Amerikas. Alle Register seiner grausam realen Darstellungskunst setzt er ein, um das Verlogene des amerikanischen Gesellschaftslebens vor der Welt ans Licht zu zerren. Der vorliegende Roman Lewisohns schildert mit schonungsloser Offenheit das Eheleben eines berühmten amerikanischen Komponisten. In seinem Nachwort sagt der Verfasser: „Es ist vielleicht überflüssig, jetzt noch zu sagen, daß die vorstehenden Seiten aus einem weit ernsteren Beweggrund geschrieben wurden, als nur um einem Romanleser eine müßige Stunde zu vertreiben. Der aufsehenerregende Prozeß des hervorragendsten amerikanischen Komponisten, der so viele Monate des Jahres 1919 in Anspruch nahm, wird allen intelligenten Beobachtern unseres nationalen Lebens im Gedächtnis geblieben sein.“ Wahrhaftig, der „Fall Crump“ ist keine bequeme Lektüre. Das ist die schonungslose Chronik eines geknechteten Menschen, der in jungen Jahren in die Fänge eines abgründig schlechten Weibes gerät. Herbert Crump, seiner Natur nach schwach, seinen großen Gaben nach unfähig, dem jahrzehntelangen Kampf eines menschlichen Untiers mit gleichen Waffen zu begegnen, führt das Leben eines Märtyrers. Warum macht er sich nicht frei? Hierauf antwortet Lewisohns Buch: Die amerikanischen Ehegesetze sind für den Ehemann derart drakonisch, daß eine defekte Ehe in fast allen Fällen einem zerstörten Leben ad infinitum gleichzusetzen ist. An dem Paradigma Crump wird uns gezeigt, wie ein begnadeter Künstler und lauterer Mensch von der Enge des Gesetzes untergraben wird und schließlich zusammenbricht. Herbert -Crumps Leben wird an der Seite seiner um vieles älteren Frau immer hoffnungsloser, und für ihn gibt es nach amerikanischem Gesetz keine Handhabe, die Ehe zu lösen, will er nicht alles, Rang, Ansehen und Vermögen einbüßen. Die Frau ist verlogen, unehrlich, rachsüchtig, zu jedem Verbrechen fähig, körperlich abstoßend. Sie verschwendet das mühselig erkämpfte Vermögen des Gatten, stört seinen Aufstieg, wo sie nur kann, und verleumdet ihn bei seinen Freunden. Die Katastrophe ist unausbleiblich: Herbert Crump erschlägt diese Frau, es ist kein vorsätzlicher Mord, es ist höchstens Totschlag im Affekt — mich dünkt es, daß es Notwehr ist. Nun aber fällt die Öffentlichkeit über diesen großen, bis dato bejubelten Künstler her. Die Mucker und Moralprediger laufen herbei, durch die Presse rauscht ein sentimentaler Protest gegen den „Mörder“. Es kommt zum Prozeß. Und jetzt staune man: niemand läßt einen mildernden Umstand gelten, keiner trägt der Voraussetzung, unter welcher der Totschlag geschah, Rechnung. Umsonst setzen sich freiere Geister für Crump ein. Die einen fordern sofortige Freisprechung, die andern .ebenfalls sofortige Hinrichtung, wenn möglich Lynchung“. Und was ist das Ende dieser Tragödie? Crump wird „von einem aus älteren Männern der Mittelklasse bestehenden Geschworenengericht des Totschlags schuldig erklärt, und vom Richter Gay zu zwanzig Jahren Kerker verurteilt.“ Leichtfertig wird der Stab über den großen amerikanischen Komponisten gebrochen. Lewisohns Wirklichkeitsroman, der mit diesem Richterspruch abrechnet, wird verboten und muß im Ausland erscheinen. Es gibt zu denken, daß kein Geringerer als Thomas Mann die vorliegende Ausgabe mit warmen Worten einleitete. —nn. Edmond Fleg „Moses“. R. Piper Verlag, München. Ins Deutsche übertragen von Alexander Benzion. Um das Leben eines der ewigen Führer der Menschheit zu schildern, bedarf es neben einer ungemeinen dichterischen Einfühlung auch der restlosen Beherrschung der Quellen. Beide Voraussetzungen scheinen mir bei Edmond Flegs „Moses“ gegeben. Er läßt es nicht dabei bewenden, die Fabel um Moses so zu erzählen, wie die Bibel sie uns gibt, sondern er bringt die an den Bibeltext anknüpfenden Kommentare, Lehren und Deutungen in einen einheitlichen und lebendigen Zusammenhang. SO' vermag er es dank seiner wundervoll quellenden Phantasie, die sich jedoch nie ins Raumlose und Unwahrscheinliche verliert, die übermenschliche Gestalt Moses’ uns menschlich nahe zu bringen. Bis in die kleinsten Details verfolgt Fleg den großen Konflikt in dieser Führerseele: das lähmende Bewußtsein menschlicher Unzulänglichkeit bei dieser vierzigjährigen Wüstenwanderung — und das jedes Zaudern schließlich erstickende Pflichtgefühl, der Stimme des göttlichen Erretters zu gehorchen. Das ist aufs beste in dieser Studie eines biblischen Menschen gezeigt. Aber Fleg schafft nicht nur mit dichterischer Gabe und psychologischem Verständnis, er bringt .auch Wissen mit, Kenntnisse um den Talmud, aus dem er wahre Schätze ans Licht fördert. „Können wir also nichts weiter tun“, fragt Fleg in seiner Einführung, „als einfach die biblische Geschichte nacherzählen und sie so ihrer Schönheit berauben? — Keineswegs. In der schöpferischen Erinnerung Israels lebt der biblische Moses weiter, erklärt durch eine Überlieferung, die reich ist an wunderbaren Legenden.“ Diesen Legendenschatz schüttet der Dichter über uns aus. In seiner Fülle, und getragen von einer Sprache, die schlechthin meisterhaft ist, leuchtet das biblische Heldenleben des großen Führers Moses in neuen Farben auf. Die Übertragung von Alexander Benzion läßt uns vergessen, daß dieses Buch in einer anderen als in der deutschen Sprache geschrieben wurde. -nn. A. D. Gordon, „Erlösung durch Arbeit“. Gesammelte Aufsätze. Aus dem Hebräischen übersetzt und eingeleitet von Viktor Kellner, mit einer Biographie von Josef Aronowicz und dem Bild des Verfassers. Jüdischer Verlag, Berlin W 50. In Leinen RM. 7.50. (Gleichzeitig als 1. Band

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.