Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 16 (18.4.1930)
- Date
- 1930-04-18
- Page
- Seite 224 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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224 Das Jüdische Echo Nr. 16 ist vorerst nur insoweit in Aussicht genommen, als sie sich in den Rahmen der bereits bestehenden oder zu gründenden Institutionen für die dauernd ansässige jüdische Bevölkerung einfügen läßt. Die Organisation wird sich mit den durch die besonderen Verhältnisse gebotenen Änderungen der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge einfügen. Aus der jüdischen Welt Kundgebung des Hilfsvereins der deutschen Juden Berlin, 8. April. Am Montag, 8. April, veranstaltete der Hilfsverein im großen Festsaal bei Kroll einen Vortragsabend, zu dem Frau von Kardorff und Dr. James Simon eingeladen hatten. Der Einladung waren Hunderte führende Persönlichkeiten der Berliner Gesellschaft, Vertreter der Politik, der Wirtschaft und der Wissenschaft gefolgt. Herr Generalkonsul Eugen London begrüßte die Erschienenen, Ansprachen hielten ferner Frau von Kardorff, Dr. Rudolf Breitscheid, der an seine Freundschaft mit Paul Nathan erinnerte, Reichsminister a. D. Peter Reinhold, Staatssekretär Dr. Hans Schäffer und Herr Willy Dreifus. Die Berliner Presse bezeichnete den Hilfsvereinsabend als einen großen Erfolg. Kareski scheidet aus dem engeren Rat des Preußischen Landesverbandes aus Berlin, 11. April. (JTA.) Herr Direktor Georg Kareski, Vorsitzender des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin, hat, wie die JTA. erfährt, infolge Arbeitsüberbürdnung sein Amt im engeren Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden niedergelegt. Große Palästina-Kundgebung in Frankfurt a. M. Frankfurt a. M., 7. April. (JTA.) Auf Einladung der Frankfurter Mitglieder des Council und des Initiativ-Komitees der Jewish Agency fand am 3. April im großen Logensaal eine außerordentlich stark besuchte Kundgebung statt mit dem Thema „Was ist uns deutschen Juden Palästina?“. Die Versammlung wurde von dem Vorsitzenden des Gemeindevorstands, Jusitzrat Dr. Blau, geleitet, der in seiner Eröffnungsansprache die unlösliche Verbundenheit der deutschen Juden mit seinem Vaterland, zugleich aber auch die Verpflichtung zur Mitwirkung an der Schaffung einer Heimstätte in Palästina hervorhob. In ähnlichen Gedankengängen bewegte sich das dann folgende Referat des Präsidenten des Bayerischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer (München). In einer längeren Rede setzte sich sodann der Präsident des württembergischen Oberrats, Ministerialrat Dr. Hirsch (Stuttgart), mit den verschiedenen Einwendungen außenpolitischer, innenpolitischer und wirtschaftlicher Art eingehend auseinander, die von deutschjüdischer Seite gegen das Palästinawerk erhoben werden. Hierauf erfolgte eine von tiefer Begeisterung erfüllte Ansprache Dr. Martin Bubers. In geistvoller Ausdeutung der vier Menschengruppen, der Pessach-Hagadah, ließ er vor der Versammlung das in Palästina bereits Geschaffene und seine Vision des dort sich Formenden erstehen und verwies auf die dtei in unserer Zeit hierzu gegebenen Einstellungen: den Arbeiter in Erez Israel, den Zionisten in der Dispora und den neuen Kreis der Jewish Agency. In einer tiefen chassidischen Erzählung fand Buber den stärksten Appell an die Gebefreudigkeit der Versammenlten, Mit Ansprachen des konservativen Rabbiners Dr. Hoffmann, des liberalen Rabbiners Dr. Salzberger und des Vorsitzenden schloß die überaus eindrucksvoll verlaufene Kundgebung, die dem Palästina-Gedanken unter den Frankfurter Juden zahlreiche Anhänger warb. Der Etat der Breslauer Jüdischen Gemeinde 1 117 333 RM. Breslau, 28. März. (JTA.) Der Vorstand der Breslauer Jüdischen Gemeinde veröffentlicht den Haushaltsplan für das Jahr 1930/31, der folgende Ausgaben enthält: Soziale Ausgaben (Wohlfahrtsamt) 362 114 RM., Jugendheim 15 360 RM., unterrichtswesen 122 020 RM. (davon für Lehranstalt I 45 574 RM., Lehranstalt II 43 312 RM., höhere Lehranstalten 32 632 RM.), Bibliothek und Archiv 13 366 RM., Gottesdienst 186 677 RM. (davon alte Synagoge 70 572 RM., neue Synagoge 73 455 RM., Zweiggottesdienst 42 650 RM.), Schlachtwesen 29 460 RM., Badeanstalt 9 999 RM., allgemeine Verwaltung 96 546 RM. (davon Subventionen 32 546 RM., Beitrag an den Preußischen Landesverband 64 000 RM.), andere Verwaltungsunkosten 211791 RM., Kosten der Steuererhebung 70 000 RM., der Gesamtausgabenetat betrifft also die Summe von 1 117 333 RM. Dr. J. Heinemann Honorarprofessor an der Breslauer Universität Breslau, 28. März. (JTA.) Der Dozent des Jiidisch-Theologischen Seminars in Breslau, Dr. Heinemann ist, zum Honorarprofessor an der Breslauer Universität ernannt worden. Seine Vorlesungen werden die Kultur des Hellenismus behandeln. Dr. Heinemann doziert an dem Jüdisch- Theologischen Seminar uneingeschränkt weiter. Antisemitisch oder nicht? Berlin, 9. April. (JTA.) Am 5. April fand in Berlin unter Teilnahme von mehr als 700 Kreisvertretern aus dem Reich die Gründungsversammlung der „Volksnationalen Reichsvereinigung“ statt. Artur Mahraun, der Schöpfer des „Jungdeutschen Ordens“, wurde einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Er führte, wie die „Centralvereins-Zeitung“ mitteilt, in seiner Rede über die Geschichte und das Wesen der „Volksnationalen Bewegung“ u. a. aus: „Hier soll auch offen ein Wort zur Judenfrage gesagt werden. Wir wissen nicht, ob sich zur Volksnationalen Reichsvereinigung Juden angemeldet haben. Der Jungdeutsche Orden bleibt eine völkische Organisation. Sein Arierparagraph, der seine Tradition ist, bleibt auch weiterhin sein Recht. Die Volksnationale Reichsvereinigung aber ist eine staatsbürgerliche Bewegung, die kein Recht hat, jemand von sich zu weisen, der sich zu ihren Ideen bekennt, die deutsche Volksgemeinschaft zu stärken und den Volksstaat der deutschen Nation aufzurichten. Wir müssen auch in dieser Frage jeden Minderheitskomplex von uns weisen. Wenn Parteien jüdisch werden, weil ein paar Juden darin sind, so liegt es nur daran, daß diejenigen, die keine Juden sind, sich minderwertig fühlen und zurückdrängen lassen.“ Hakenkreuzdämmerung an der Ostsee Berlin, 10. April. (JTA.) Wie dem Central- Verein berichtet wird, wurde auf einer in Swinemünde stattgefundenen Bädertagung des Nord-