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Das jüdische Echo · 1930-04-11 · 15 (11.4.1930) · p. Seite 212

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
15 (11.4.1930)
Date
1930-04-11
Page
Seite 212 (sequence 8)
Language
German
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212 Das Jüdische Echo Nr. 15 die Holzgeräte scheuerten, die Küchen säuberten und die Leuchter putzten. Im Entzücken sprach er: „Es sei der Wille des Allmächtigen, daß die Engel, welche durch das Kalken, Scheuern, Waschen und Putzen beschaffen werden, vor Gott treten und Fürsprecher werden, daß Israel ehebaldigst erlöst werde!“ Der Trunkenbold Rabbi Levi Jizchak hatte einst .den Seder der ersten Pessachnacht nach allen geheimen Weisungen verrichtet. Nach der Feier erfüllte ihn ein Gedanke, er habe, wie nie zuvor, alle Kawanot, auf die er seinen Sinn richtete, vollkommen erfaßt. Da hörte er eine Stimme: „Levi Jizchak! Du rühmst dich deines Seder? Schau, der Seder Chaijms, des Wasserträgers, ist viel schöner, glanzvoller als der deinige.“ Der Rabbi erbebte und fragte Hausleute und Schüler: „Kennt jemand von euch Chaijm, den Wasserträger?“ Da sagte einer: „Ich kenne ihn wohl! Er ist ein großer Trunkenbold.“ Darauf sprach der Rabbi: „Rufet ihn herbei!“ Lange mußten sie umherlaufen, um sein Wohnhaus zu finden. Sie klopften an die Tür. Chaijms Weib kam heraus und fragte: „Ihr braucht meinen Mann? Er schlummert in tiefer Trunkenheit.“ Die Chassidim gingen in die Stube, rüttelten ihn auf und trugen ihn auf ihren Schultern zum Rabbi. Der ließ ihn in seine Nähe sich setzen und sprach zu ihm: „Rabbi Chaijm, mein Herz, habt ihr am Sabbat ,Knechte waren wir in Ägypten4 gesagt?“ Er antwortete: „Jawohl!“ „Habt ihr den Chomez verbrannt? Chaijm dachte eine Weile nach, als wollte er sich entsinnen, und sprach: „Ich habe vergessen, ihn zu verbrennen und entsinne mich, er liegt noch auf dem Balken.“ Weiter fragte der Rabbi: „Habt ihr den Seder abgehalten?“ Chaijm erwiderte: „Rabbi, ich will euch die Wahrheit sagen? Ich weiß von je, daß es verboten ist, Branntwein zu trinken an den acht Tagen des Pessachfestes, und da trank ich heute am Morgen des Branntweins so viel, daß ich genug habe für alle acht Tage. Dann wurde ich sehr müde und schlief ein. Da weckte mich meine Frau und sagte: ,Warum hältst du nicht den Seder, wie alle Juden, und wie es unsere Väter und Väter-Väter getan haben?4 Ich erwiderte ihr: ,Was willst du von mir? Bin ich doch ein Unwissender und der Sohn eines Unwissenden und ich verstehe nichts. Nur das weiß ich: die alten Juden, unsere Ahnen, waren bei den Zigeunern gefangen und wir haben einen Allmächtigen, der hat sie in die Freiheit hinausgeführt. Und nun sind wir wieder gefangen, aber" ich weiß es, Gott wird uns wieder in die Freiheit führen!4 Ich sah den Tisch mit den Mazzot, Wein und Eiemi und allerlei Speisen und da aß ich die Mazzot mit den Eiern und trank den Wein. Dann überfiel mich die Müdigkeit, legte mich hin und schlummerte ein.“ Nun befahl der Rabbi: „Führt ihn nach Hause!“ Zu seinen Chassidim aber sprach er: „Schaut, wie teuer seine Rede im Himmel war, so er sie aufrichtig und in Reinheit gesprochen hatte.“ Gemeinden- und Vereins-Echo Festabend der jüdische« Jugend Münchens Der „Fest“abend der jüdischen Jugend Münchens machte vielleicht einen recht wenig feierlichen Eindruck und die „jüdische Jugend Münchens“ — sie ist noch Begriff und keine Wirklichkeit, vorläufig gibt es offenbar nur verschiedene Bünde und Einzelne, aber, wenn man von der rein statistischen Bedeutung des Wortes absieht, keine „jüdische Jugend“ als Gemeinschatt. So sind denn auch die Leistungen der jüdischen Jugend selbst zu diesem ihrem Festabend nicht sehr bedeutend gewesen, mit Ausnahme der durchaus erfreulichen kollektiven Arbeit, die in den Darbietungen des Jüdischen Kammerorchesters ihren Ausdruck findet und die erfreulich sogar dann bleibt, wenn rein musikalisch, was aber hier gar nicht beurteilt werden kann, noch manches zu wünschen sein sollte. Denn daß der etwas dunkle Film vom Turn- und Sportfest des Makkabi in Mährisch-Ostrau oder der ausgezeichnete Film vom letzten Bundestag der Kameraden als Leistungen der Münchener jüdischen Jugend angesprochen werden könnten, wird ja wohl niemand behaupten wollen. Immerhin gab gerade dieser Kameradenfilm ein schönes Bild vom Gemeinschaftsleben jüdischer Jugend, mit der man sich verbunden fühlte und seine Vorführung im Rahmen des Abends war daher recht glücklich — was man von der gutgemeinten, gut gereimten, netten und lustigen, aber entschieden zu langen Revue „Blau-Weiß-Grün“ der Mädchen der Wirtschaftlichen Frauenschule Wolfratshausen doch weniger behaupten kann. Durch die Einschiebung dieser Revue wurde leider Manfred S t u r m a n n gezwungen, sein Programm wesentlich zu kürzen: Es ist ihm jedoch hoch anzurechnen, daß er sich in die Reihen der jüdischen Jugend einstellte, fast noch höher, daß er zu so vorgerückter Stunde und in bereits aufgelöster Stimmung las und mit der Vorlesung seines bisher unveröffentlichten Sonettenzyklus „Schöpfung“ jene Einheitlichkeit des Erlebnisses und der Gesinnung schuf, die herbeizuführen und darzustellen nicht die letzte Aufgabe des Festabends war. Das Vorspiel zu „Jaakobs Traum“, mit dessen Uraufführung unter Leitung des Komponisten Moritz Goldberg das „Jüdische Kammerorchester“ den Abend beendete, kann musikalisch hier nicht beurteilt werden, es machte jedenfalls großen Eindruck und errang sich vielen Beifall. Herr Franz Prager hatte namens der Veranstalter zu Beginn in einer kurzen Begrüßungsrede darauf hingewiesen, daß der Abend dem Aufbau eines jüdischen Jugendheimes diene, er hatte diesen Gedanken gegen alle möglichen Einwände verteidigt undj die Unterstützung der Erschienenen für ihn erbeten. Es ist zu hoffen, daß auch in dieser Hinsicht die Veranstaltung nützliche Ergebnisse gezeitigt hat. Eines hat sie jedenfalls mit aller Klarheit gezeigt, daß das jüdische Jugendheim notwendig schon deshalb ist, um einen wahrhaften Zusammenschluß der jüdischen Jugend Münchens zu gemeinsamen jugendlichen Leistungen zu ermöglichen. I. E. Galuth und Erez Israel Galuthverneinung — Galuthbejahung, zwischen diesen Polen zionistischer Ideologie hat die zionistische Praxis seit je gezwungenermaßen die vermittelnde Linie eingehalten; erkenntnismäßig aber stehen sich beide Richtungen heute noch in alter Schroffheit gegenüber. Mit einer vor keiner Folgerung und keiner Revision althergebrachter Gedankengänge zurückschreckenden Entschiedenheit und erstaunlichem Mut bejahte Frau Dr. Jettka Levy Stein in ihren temperamentvollen

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