Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 15 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- Seite 211 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Das Jüdische Echo 211 S <. v übernahm, den einstigen Präsidenten der amerikanischen zionistischen Organisation, Louis D. Brandeis, Mitglied des Obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten, zu bewegen,, wieder eine aktive Tätigkeit in der zionistischen Bewegung aufzunehmen, teilt nun mit, daß ihre Bestrebungen von einem gewissen Erfolg gekrönt waren; Oberstrichter Brandeis hat das Versprechen gegeben, im Hinblick auf die jüngsten Ereignisse in Palästina das Ersuchen der Delegation in ernsteste Erwägung zu ziehen. An der Zusammenkunft mit Oberstrichter Brandeis nahmen außer den genannten Mitgliedern der Kommission noch Richter Julian W. Mack, Robert Szold und Jacob de Haas teil. Demnächst wird eine zweite Zusammenkunft bei Brandeis stattfinden. Jaffaer Gericht verurteilt Orphali zum zweitenmal zum Tode Jerusalem, 3. April. (JTA.) Das Kreisgericht in Jaffa hat heute zum zweiten Male trotz günstiger Zeugenaussagen ein Todesurteil gegen den jungen spaniolischen Juden Joseph Orphali ausgesprochen. Orphali wird auch gegen dieses Urteil Berufung einlegen. Schutzvorkehrungen in Palästina im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Shaw- Berichtes Jerusalem, 31. März. (JTA.) Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Berichtes der Palästina-Untersuchungskommission und im Hinblick auf das herannahende Nebi-Musa-Fest haben alle Bezirkskommissare in Palästina Kundgebungen anschlagen lassen, wonach die öffentliche Versammlungen verbietende Verordnung um einen Monat verlängert wird und die Polizei die Ermächtigung behält, Personen, die der Aufforderung zum Auseinandergehen nicht Folge leisten, zu verhaften. Personen, die in der Nähe der Musa- Prozession, ohne hierzu eine spezielle Erlaubnis zu haben, Schwerter, Messer, Stöcke oder andere Waffen tragen, sollen verhaftet und bestraft werden. Die jüdischen Mitglieder des Jerusalemer Stadtrates legen ihre Ämter nieder, weil Chancellor den nichtjüdischen Vizebürgermeister als Vertreter des abwesenden Nashashibi bestätigt hat Jerusalem, 30. März. (JTA.) Die jüdischen Mitglieder des Jerusalemer Stadtrates haben korporativ ihre Ämter im Stadtrate niedergelegt als Protest dagegen, daß der Bürgermeister Ragheb Bey Nashashibi vor seiner Abreise mit der arabischen Delegation nach London den christlichen zweiten Vizebürgermeister Jakub Farouji mit seiner Vertretung im Bürgermeisteramt für die Zeit seiner Abwesenheit betraut und der Oberkommissar, Sir John Chancellor,, diese Maßnahme bestätigt hat, obwohl der jüdische erste Viztbürgermeister, Chaim Solomon, als der an Rang und an Jahren ältere von Rechts wegen den Bürgermeister in seiner Abwesenheit hätte vertreten müssen. Dazu kommt, daß Chaim Solomon Repräsentant der weitaus zahlreichsten Gemeinschaft der Stadt Jerusalem ist. Vor der Einweihung der Jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem Jerusalem, 4. April. (JTA.) Dr. Hugo Bergmann, der Direktor der der Hebräischen Universität zu Jerusalem angegliederten Jüdischen Nationalbibliothek, empfing die Vertreter der Presse und gab ihnen in einem etwa zweistündiden Vortrag Informationen über die Nationalbibliothek, deren neues Gebäude am 15. April d. J. durch den Oberkommissar Sir John Chancellor eingeweiht werden wird. Die Baukosten und die innere Ausstattung des neuen Bibliothekshauses belaufen sich bis jetzt auf 48 000 Pfund. Zur Erhaltung der Bibliothek ist ein Jahresbudget von 8000 Pfund erforderlich. Der Bücherbestand ist bereits auf über 225 000 angewachsen. Die Zahl der ständig einlaufenden Zeitschriften geht in die Tausende, davon sind 400 englische und 400 deutsche Zeitschriften. Die Bibliothek wird im neuen Hause über 30 Räume verfügen, außerdem stehen mehrere Räume für Bücherlager zur Verfügung. 37 Beamte versehen den Dienst in der Bibliothek. Palästina-Einwanderung im Februar Jerusalem, 4. April. (JTA.) Im Februar kamd.n 772 Einwanderer, unter ihnen 593 Juden, nach Palästina; in dem gleichen Monat verließen 240 Personen, unter ihnen 190 Juden, das Land. Im Januar 1930 wanderten 555 Juden ein und 167 aus, im Dezember 1929 wanderten 517 Juden ein, 128 Juden wanderten aus. Erste jüdische Siedlungsgründung seit den Augustunruhen Jerusalem, 26. März. (JTA.) In der Nähe von Rischon le Zion wurde am 23. März die erste jüdische Kolonie seit den Unruhen im August 1929 eingeweiht. Es handelt sich um eine Arbeiter- Kleinpächtersiedlung, die einen Umfang von 600 Dunam hat und mit 40 Siedlern besetzt ist. Der Name der Siedlung ist „Beth Chanan“. Der Jüdische Nationalfonds hat den Boden gegeben, der Keren Hajessod und bulgarische Zionisten haben jedem Siedler ein Darlehen von 400 Pfund gewährt. Feuilleton Der Pessach des Rabbi Lev! Jizchak Aus der Welt der Chassidim Von C h a i j m Bloch Die Erlösung Man weiß, mit welcher Bedachtsamkeit der Rabbi von Berdytschow sich zum Empfang des Pessachfestes zu rüsten pflegte. Wohl empfing er alle Festtage in großer Feierlichkeit, Weihe und Freude. Aber an den beiden Nächten des Pessachfestes sah man buchstäblich, wie er sich von Stufe zu Stufe hob und von Aufstieg zu Aufstieg in Heiligkeit wuchs. Alljährlich, wenn der Monat Nissan, der jüdische Frühlingsmonat« kam, war er von Wonne erfüllt. „Am Nissan sind wir erlöst worden, am Nissan werden wir erlöst werden“ — lautet ein Ausspruch unserer Weisen; er hoffte und seine Seele atmete Sehnsucht und Fröhlichkeit. Einige Tage vor Pessach ging er in den Gassen der Stadt und sah sich das Treiben der Leute an. — Er jubelte beim Anblick, wie die Frauen und Kinder mit Mühe und Sorgfalt zum Empfang des Pessachs rüsteten und arbeiteten,