Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 15 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- Seite 210 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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210 Das Jüdische Echo Nr. 15 dern vielfach glätten und belegen. Aber der Kern bleibt. Daß nach 1918, unter den neuen Verhältnissen, eine wesentliche geistige Bewegung in Palästina dem Herrschaftsnationalismus entgegengetreten ist, nichts anderes wollte ich in meiner Schlußbemerkung sagen, in der Absicht, auf diese Weise das friedliche Zusammenwirken in der Agency, das sich so glückverheißend angebahnt hat, aufzumuntern und zu begrüßen. Dafür habe ich bei Ihnen auch nicht den Schatten eines Verständnisses gefunden. Mit besten Grüßen Dr. Ludwig Feuchtwanger. Nachwort Ich bin Herrn Dr. Feuchtwanger sehr dankbar dafür, daß er zu meinen Ausführungen Stellung nimmt und dabei seine eigenen Anschauungen präzisiert. Wie er allerdings richtig bemerkt, wäre ein Streit um den Grad der Problemhaftigkeit des Zionismus im Vergleich zu der des Verhältnisses von Deutschtum und Judentum sinnlos; in dieser Frage werden und müssen Differenzen zwischen Zionisten und Nichtzionisten bestehen bleiben und es sei daher nicht auf sie eingegangen. Nicht ebenso steht es mit der Frage der Bewertung des Brith Schalom und des Gesamtzionismus. Mag sein, daß mir das Verständnis für die Terminologie Herrn Dr. Feuchtwangers wirklich fehlt; denn ich bin auch heute noch und gerade nach seinen eingehenden Ausführungen der Meinung, daß die Kategorien, die er anwandte und anwendet, nicht zutreffen — ich behaupte, ohne es hier im einzelnen nachweisen zu können, daß die Politik der zionistischen Majorität, so wie sie heute Weizmann führt, von geistigen Elementen getragen wird und daher auch als geistig zu bewerten ist. Und wenn dies der Definition von Herrn Dr. Feuchtwanger nicht entspricht, dann muß es nicht unbedingt an der Sache und an den Menschen, es kann auch an der Definition liegen. Im besonderen aber bin ich nach wie vor der Meinung, daß die Anwendung dieser Kategorien, die sicherlich im besten Sinne geschah und wie Herr Dr. Feuchtwanger sagt, bezweckte, auf eine Brücke zwischen den sich noch fremden zionistischen und nichtzionistischen Mitarbeitern in der Agency hinzuweisen, für die Zusammenarbeit in der Agency in Wirklichkeit geradezu gefährlich ist. Zweifellos beinhaltet die Hervorhebung eines gewissen und sehr kleinen Teiles der zionistischen Bewegung als die Vereinigung der geistigen Elemente dieser Bewegung gewollt oder ungewollt auch eine herabsetzende Qualifikation der übrigen Gruppen. Wenn dann noch ausdrücklich gesagt wird, daß gerade mit diesem kleinen Teil eine Zusammenarbeit leicht und erwünscht sei, so liegt doch der Schluß nahe, daß sie mit der Mehrheit weniger leicht, weniger erwünscht ist, so kommt es — leider — nicht unerwartet, daß, wie sich z. B. bei einer ähnlichen Polemik zwischen Herrn Oskar Wassermann und Herrn Kurt Blumenfeld zeigte, Nichtzionisten geradezu eine Änderung der zionistischen Anschauungen der Zionisten um der Zusammenarbeit willen zu verlangen scheinen. Herr Dr. Goldmann hatte ja gerade auf die Unmöglichkeit einer solchen Haltung an dem Abend hingewiesen und keinen Zweifel darüber gelassen, daß eine Interpretation des Zionismus durch Nichtzionisten nicht zugelassen werden könne. Herr Dr. Feuchtwanger hat nun nicht nur eine Qualifikation des Zionismus gegeben, in der doch wohl auch eine solche Interpretation liegt, er hat gleichzeitig damit unausgesprochen auch das friedliche Zusammenwirken in der Agency von Faktoren abhängig gemacht, denen es keineswegs unterworfen sein sollte und könnte. So hat er zwar das Zusammenarbeiten begrüßt, es aber wohl kaum aufgemuntert. Dafür nun scheint wiederum Herr Dr. Feuchtwanger wenig Verständnis zu haben und ich kann deshalb nur hoffen, daß sein Artikel den von ihm beabsichtigten Erfolg in Wirklichkeit haben möge, den einer Förderung der Zusammenarbeit in der Agency. Ignaz Emrich. Aus der jüdischen Welt Die 82. Friedhofschändung Berlin, 26. März (JTA.) Auf dem jüdischen Friedhof in Rödingen, Kreis Jülich (Rheinland), wurden — wie von dort telegraphiert wird — 14 Grabsteine umgeworfen, die zum Teil erheblich beschädigt worden sind. Am Abend vor der Tat hatte eine nationalsozialistische Versammlung stattgefunden. Auf die Ergreifung des Täters dieser 82. Friedhofschändung sind 200 RM. Belohnung ausgesetzt worden. Die Schänder der Synagoge Kottbuser Tor gefaßt Fünf Angehörige einer Hitlerschen Sturmabteilung Berlin, 25. März. (JTA.) In der Nacht vom Samstag, dem 15. zum Sonntag, dem 16. Februar d. J. wurde von Mitgliedern der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei die am Kottbuser Ufer 48/50 gelegene Synagoge durch Verwendung von zinnoberroter Anilinfarbe mit dem Parteiabzeichen, dem Hitlerkreuz und den Worten: „Juda verrecke — Juda den Tod —* Die Rache naht!“ beschmiert. Diese Tat ist nunmehr aufgeklärt. Die Poiizei hat als Täter ermittelt: 1. den Bäckergesellen Walter Wüstenberg, Berlin, Thurneysserstraße, 2. den Stellmachergesellen Otto Ruba, Wendenstraße 6, 3. den Bäckergesellen Karl Meckelburg, Reichenberger Straße 115a, 4. den Konditor Erich Döring, ebenfalls Wendenstraße 6, und 5. den zurzeit sich verborgen haltenden arbeitslosen Kaufmann Rudi Steinle, zuletzt Wrangelstraße 121 bei Kurz wohnhaft. Alle fünf gehören der Sturmabteilung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, und zwar dem Sturm 27, an. 40 000 Schillinge für Palästina-Aufbau im Budget der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde Wien, 28. März. (JTA.) Die Verwaltung der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde hat in das Budget für 1930 einen Betrag von 40 000 Schillingen für Palästina-Aufbauzwecke, davon 20 000 Schillinge für den Keren Hajessod, 12 000 Schillinge für Unterstützung von Chaluzim, die sich nach Palästina begeben, und 8000 Schillinge für den Keren Hajischuw der Agudas Jisroel und für den Palästina-Arbeiterfonds. Qberstrichter Louis D. Brandeis kehrt zu aktiver zionistischer Tätigkeit zurück Neuyork, 6. April. (JTA.) Die von der Administration der zionistischen Organisation Amerikas eingesetzte Kommission, bestehend aus Dr. James Heller, Rabbi Israel Goldstein, Dr. Nathan Ratnoff und David Freiberger, die die Aufgabe