Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 15 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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208 Das Jüdische Echo Nr. 15 Wiedererrichtung unserer Heimstätte zu entlasten. Wird aber die Errichtung der Heimstätte ernst genommen, dann gibt es keine Möglichkeit, die Konklusionen des Berichtes in irgendwelcher Hinsicht zu berücksichtigen. Die englische Regierung nimmt Stellung zum Shaw-Bericht Festhalten an der Baliour-Deklaration und dem Mandat — Erklärung MacDonalds im Unterhaus London, 3. April. (JTA.) Premierminister MacDonald hat, wie er vor einigen Tagen angekündigt hatte, in der Sitzung des Unterhauses am Donnerstag, dem 3. April, zu dem Bericht der Palästina-Untersuchungskommission im Namen der englischen Regierung Stellung genommen. Er erklärte, die Regierung werde die Verwaltung von Palästina gemäß den Bestimmungen des Mandates fortführen. Der Premierminister fügte hinzu, die Verwirklichung des Mandates schließe die Verantwortung für die Errichtung des jüdischen Nationalheims in Palästina ein. Es sei dies eine internationale Verpflichtung, der man sich auf keinen Fall entziehen könne. Dabei aber dürfe nichts geschehen, was die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung in Palästina oder die Rechte der Juden in anderen Ländern beeinträchtigen könnte. Die Regierung sei entschlossen, sowohl die gegenüber dem jüdischen Volke wie die gegenüber der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas übernommenen Verpflichtungen im Geiste der Balfour-Deklaration in die Wirklichkeit umzusetzen und allenthalben der palästinensischen Bevölkerung Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Diese Pflicht, der die Regierung sich nicht entziehen könne, werde sie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln erfüllen. MacDonald wies daraufhin, daß die Kommission die Aufgabe hatte, die unmittelbaren Ursachen der bedauernswerten Zwischenfälle im August 1929 zu untersuchen und Maßnahmen vorzuschlagen, wie eine Wiederholung solcher Zwischenfälle in der Zukunft zu vermeiden sei. Die Kommission war bemüht sich ihrer Aufgabe in gerechter Weise zu entledigen, aber es liegt in der Natur der Sache, daß ihre Aufgabe eine sehr schwere war. Ihr Bericht erstrecke sich auf ein weites Gebiet. Die Regierung sei jetzt mit der Prüfung dieses Berichtes beschäftigt. Der Premierminister betonte zum Schluß, daß die Willensmeinung der Regierung, für die Zukunft Zwischenfälle auszuschalten, soviel bedeutet, daß genügend Polizeikräfte zur Erhaltung von Ruhe und Frieden sofort zur Verfügung gestellt werden würden. Der frühere Premierminister Baldwin, auf dessen Interpellation hin diese Erklärung abgegeben wurde, sprach sein Einverständnis mit der vom Premierminister geäußerten Willenskundgebung der Regierung aus. Auch Lloyd George billigte im Namen der liberalen Partei die Erklärung MacDonaJds. MacDonald und Lord Paßfield empfangen die arabische Delegation London, 2. April. (JTA.) Die vor einigen Taden in London eingetroffene palästinensisch-arabische Delegation, bestehend aus dem Großmufti von Jerusalem Haj Amin El Husseini, dem Präsidenten der Arabischen Exekutive Musa Kazim Pascha, dem Bürgermeister von Jerusalem Ragheb Bey Nashashibi, dem palästinensischen Deutschen Alfred Effendi Roch und dem Anwalt und Vizepräsidenten der Arabischen Exekutive Auni Bey Abdul Hadi, wurde gestern vom Premierminister Ramsay MacDonald und dem Kolonialminister Lord Paßfield empfangen. Auch Jamal Effendi el Husseini, der seit einigen Monaten in London weilt, war zugegen. Der Sekretär der arabischen Delegation gab im Namen des Großmufti eine Mitteilung an die Presse, in der es heißt: Beide Parteien waren sehr erfreut, miteinander zusammengekommen zu sein; man plauderte fast zwei Studen lang allgemein über die Lage. Wir sind nicht in der Lage, irgendein Statement über die Verhandlungen herauszugeben, ■ weil es sich um eine allgemeine Zusammenkunft handelte. Es ist wahrscheinlich, daß weitere Zusammenkünfte folgen werden. Die arabische Delegation, heißt es in der Mitteilung weiter, sei jetzt damit beschäftigt, den soeben herausgegebenen Bericht der Palästinakommission gründlich durchzunehmen; sie wird in diesen Tagen einige Erklärungen zu dem Bericht herausgeben. Ein Brief W.eizmanns an die „Times“ London, 3. April. (JTA.) „Times“ vom 3. April veröffentlicht ein Schreiben des Präsidenten der Jewish Agency, Dr. Chaim Weizmann, in dem er zu dem Bericht der Shaw-Kommission Stellung nimmt. Das Schreiben lautet: „Die nach Palästina zur Untersuchung der letzten Unruhen entsandte Kommission ist jetzt zurückgekehrt und hat Bericht erstattet. Die Zusammenfassung der Ergebnisse der Untersuchung beginnt mit dem Satz: ,Der Ausbruch der Unruhen in Jerusalem am 23. August war von Anfang an ein Angriff von Arabern auf Juden, für den keine Entschuldigung in etwa früher von Juden begangenen Morden festgestellt wurde/ Das ist, was wir immer behauptet haben, und es ist jetzt über jeden Zweifel festgestellt worden. Aber das ist nicht die Frage, die mein Volk hauptsächlich interessiert. Ihre Forderung und ihre Frage besteht weiter. Es ist einfach die Frage: Wird die Politik des Jüdischen Nationalheims in Palästina, die Politik des Mandates, erneut bestätigt, ermutigt oder gehemmt werden? Der Premierminister selbst hat gesagt, daß Fragen dieser Art der Verantwortung der Regierung unterliegen. Viele Tage von Darlegungen und Auseinandersetzungen liegen vor uns und es wird unsere Pflicht sein, uns mit vielen der Tatsachen, welche die Kommission zu ihren weitergehenden Schlußfolgerungen geführt haben, auseinanderzusetzen. Aber das erste Wort ist ein Wort der Politik, und dieses Wort liegt jetzt bei England. Auf Englands Führer blicken die Juden der Welt, nicht bloß die Juden Palästinas. Sie blicken auf Großbritannien mit Unruhe,, das ist wahr, aber mit einer bleibenden Hoffnung. Chaim Weizmann, Präsident der Jewish Agency.“ „Geistige Elemente“ Herr Dr. Ludwig Feuchtwanger, der Schriftleiter der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung“, bittet um Abdruck der folgenden Zuschrift zum Artikel „Oberflächliche Unterrichtung“ aus Nr. 13 des „Jüdischen Echos“. Verehrter Herr Doktor! In der letzten Nummer des „Jüdischen Echos“ nehmen Sie zu dem Bericht über die Veranstal-