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Das jüdische Echo · 1930-04-11 · 15 (11.4.1930) · p. Seite 207

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
15 (11.4.1930)
Date
1930-04-11
Page
Seite 207 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Hummer 15_II. Äpril 17. Jahrgang Zum Bericht der Shaw-Kommission Die von der englischen Regierung eingesetzte Untersuchungskommission hat ihren Bericht der Regierung bereits übergeben. Der Bericht, der auch der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht wurde, kann keineswegs als ein objektives Dokument bezeichnet werden. Wohl bemüht sich der Bericht festzustellen, daß die Unruhen an jenem denkwürdigen 23. August 1929 durch einen Angriff der Araber auf Juden eingeleitet wurdem im gleichen Atemzuge aber wird klargestellt, daß die Unruhen nicht von langer Hand vorbereitet worden sind. Die Angriffe der Araber werden zwar als niederträchtig, die Zerstörung des jüdischen Eigentums als nutzlos bezeichnet, dessenungeachtet wird der Mufti von Jerusalem ganz reingewaschen und der ominöse Satz verkündet, daß „ihn kein größerer Teil der Schuld als einige jüdische Autoritäten“ treffe. Mit einem Worte: der Mufti und die Arabische Exekutive sind an all dem unschuldig und sie begingen nur den einen Fehler, daß sie in der Woche vor de^ Unruhen nichts getan haben, um in einer öffentlichen Erklärung zugunsten der Ruhe und Ordnung Stellung zu nehmen. Nicht minder unerhört ist die Feststellung im Bericht, daß jener stellvertretende Gouverneur Luke, dessen Verhalten nicht nur die Empörung des Jischuw, aber vieler damals in Erez Israel zufällig weilenden Nichtjuden hervorgerufen hat, eigentlich ein Wohlverhaltungszeugnis verdient, da er überhaupt nicht fahrlässig gehandelt habe. Der Regierung von Palästina konnte wahrlich kein besseres Zeugnis ausgestellt werden, als es der Bericht getan hat. Soweit die Kommission sich mit der Feststellung der Motive, die zu den Unruhen führten, beschäftigt, kann wirklich der Eindruck hervorgerufen werden, daß die Kommission eigentlich als ihre Hauptaufgabe betrachtet habe, die Juden nicht nur in die Rolle der Angeklagten zu drängen, sondern auch Beweise, wohl unscheinbare, zu erbringen, daß eigentlich sie' der schuldtragende Teil an den Unruhen sind. Weitaus empörender als diese ungerechten und parteiischen Feststellungen der Kommission, die, wie aus diesem Bericht zu ersehen ist, nicht das Bestreben hatte, den wahren Sachverhalt zu untersuchen, sondern den Arabern Freundschaftsdienste zu leisten, sind jene Konklusionen, zu denen die Kommission gelangt. Es ist noch eine Frage, ob die Kommission im Rahmen ihrer seinerzeitigen Instruktionen berechtigt war, ihrer Ansicht Ausdruck zu geben, wie in der Zukunft die Juden in Palästina zu behandeln wären. Man kann diese Empfehlung der Kommission an die Regierung kaum mit ruhigem Blute lesen. Es ist schwer anzunehmen, daß die Kommission sich dessen bewußt war, inwiefern die englische Regierung an die Balfour-Deklaration und an das Palästinamandat gebunden ist. Ist dies der Fall, dann kann von diesen Empfehlungen kaum die Rede sein. Die Forderung der Kommission, die Regierung möge in einer unzweideutigen Erklärung ihre Politik für Palästina darlegen und insbesondere in der Einwanderungsfrage und in der Frage des Landerwerbes neue Richtlinien bekanntgeben, ist eine unumwundene Anerkennung der arabischen Aspirationen auf Verdrängung des jüdischen Elementes in Palästina und glatte Anullierung des Mandates. Die Kommission glaubt, daß in den Jahren 1925/26 eine übermäßige Einwanderung vor sich gegangen ist, die von nun an zu verhindern wäre. Ferner wird die Einsetzung eines Ausschusses von landwirtschaftlichen Sachverständigen vorgeschlagen, die, zu überprüfen hätten, ob der weitere Erwerb von Boden durch Juden zulässig sei. Bis zur Berichterstattung dieses Ausschusses ist den Juden der Aufkauf von Grundbeitz zu verbieten. Es erübrigt sich wohl zu betonen, daß die zwei letzten Forderungen: Einstellung der Einwanderung und des Bodenkaufes für uns Juden inakzeptabel sind. Die Zionistische Organisation hat Zeit ihres Bestandes nie eine aggressive Politik betrieben, sie war stets bemüht, in vollstem freundschaftlichen Einvernehmen mit der arabischen Bevölkerung zu leben. Diese feststehende Tatsache wird im Bericht, scheinbar absichtlich, totgeschwiegen. Als England und dessen größter Staatsmann, Loid Balfour, uns die Deklaration gegeben haben und die in derselben festgelegten Prinzipien zur Wiedererrichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina im Friedensvertrag und im Palästinamandat verankerten, war das jüdische Volk überzeugt, daß England dieses Versprechen,, das sich auf die mehr als 200jährige Tradition einer „Restorationof the Jewish-Bew-egung“ in England stützte, ernst erfüllen wird. Noch fehlt uns dieser Glaube nicht! Wenn auch der Bericht der Untersuchungskommission in krassester Weise unsere Rechtsansprüche, unsere Leistungen in und für Palästina in jedweder Hinsicht verschweigt, so sind wir überzeugt, daß das englische Parlament, das jetzt das entscheidende Wort hat, im Sinne jener großen Engländer handeln wird, die noch lange vor dem Zionismus den Gedanken der Rückkehr der Juden nach Palästina propagierten und es als eine hohe ethische Aufgabe Großbritanniens hinstellten, den Juden die Möglichkeit zu geben, in Palästina ihre nationale Heimstätte zu errichten. Wir sind überzeugt, daß Englands Parlament über diesen Bericht ein verneinendes Urteil fällen wird. Das englische Parlament zählt viele Mitglieder, die Gelegenheit hatten, persönlich Palästina zu besuchen und an Ort und Stelle festzustellen, daß eine wirtschaftliche Entwicklung Palästinas ohne jüdische Einwanderung, jüdisch^ Landwirtschaft und jüdische Arbeit undenkbar sei. Eine Tatsache, die selbst das Kommissionsmitglied Mr. Snell zugibt. Auf diese Männer, auf diese Freunde unserer großen Sache baut das jüdische Volk und gibt seiner Zuversicht Ausdruck, daß sie es nicht zulassen werden, England von den in der Balfour-Deklaration und im Palästinamandat auferlegten Verpflichtungen zur

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