Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 14 (4.4.1930)
- Date
- 1930-04-04
- Page
- Seite 199 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Das Jüdische Echo 199 Jüdische Veranstaltungen Purimfeier des Esra Am 9. März fand im Theatersaal an der Reitmorstraße die Purimfeier der Münchener Esragruppe statt. Dieselbe bestand aus mehreren Aufführungen der Kinder im Alter von 8' bis 15 Jahren, aus den musikalisehen Darbietungen des Jüdischen Kammerorchesters unter Leitung von Heinrich Lamm und einer von den älteren Esräern, insbesondere auch Studenten, dargestellten Groteske. Das Kammerorchester brachte die Mozart-Serenade für zwei Orchester mit Schwung und Anmut zu Gehör. Für die im Laufe des Abends weiter gespielten Schönbrunner Walzer von Lanner fehlt es der jungen Vereinigung noch an dem nötigen Zusammenspiel und der erforderlichen straffen Rhythmik. Die Aufführungen der Jugendlichen litten vor allem darunter, daß man bei einer Purimfeier, besonders im Esra, eigentlich jüdische Stoffe und Themen erwartete. Die einzige Nummer dieser Art war ,,Daniel in der Löwengrube“ von dem bekannten Dichter Bernhard Kolm; aber gerade hier hat die Leitung des Esra insofern gefehlt, als bei einer gesprochenen Pantomime die Rolle des Vorlesers unbedingt einem bewanderten erwachsenen Rezitator hätte anvertraut werden müssen. Man hatte überdies bei der Aufführung der Kinder (vielleicht mit Ausnahme des gutgespielten Schwankes „Iobann als Rentier“) den Eindruck, daß die Esraleitung nur dem Wunsche der Eltern, ihre Kinder beschäftigt zu sehen, nachgegeben hatte, ohne an die berechtigten Anforderungen eines erwachsenen, und einigermaßen anspruchsvollen Publikums zu denken. Die Jüdische Volksschule hatte bei ihrer Chanukah-Feier durch Einstellung der Aufführung auf die Psyche der Kinder eine weit glücklichere Hand. Immerhin sei hervorgehoben, daß die zum Teil sehr hübschen Kostüme mit allergeringsten Mitteln sehr geschickt von der Führerschaft selbst zusammengestellt waren. Der Clou des Abends und eine wirkliche Prachtleistung war die von den Esraführern und älteren Mitgliedern gespielte Groteske „Der Dreigroschendybuk“ (Verfasser Adolf Rotier, Vertonung: Heinrich Lamm). Es war dies eine ungemein geschickte, oberbayerisch-hebräische Parodie der Habimahsliicke im Stil der Dreigroschenoper, deren Melodien zum Teil auch verwendet waren. Bunt durcheinander wirbelten die Motive aus dem Dybuk, Golem und Schatz mit den dazu gehörigen Bühnenbildern. Die bekannten Rollen aus den genannten Stücken fanden eine glänzende burlesk-parodistische Wiedergabe, wobei sich ganz besonders der Verfasser, Adolf Rotter als Chanan und in ganz hervorragender Weise auch stud. ined. Pfeifer als Golem auszeichneten. Aber auch die anderen Spieler laten das Möglichste, um das Werk zum Gelingen zu bringen. Die Kostümierung war durchaus stilecht und auch hier mit den geringsten Mitteln beschafft. Die charakteristische Musik von H. Lamm tat das übrige, um den satyrisch-mystischen Eindruck zu erhöhen. Erwähnt sei ausdrücklich die besondere Leistung des Haarkünstlers (Firma König & Schatz). Alles in allem ein wirklich großer Erfolg. Es wäre dringend erwünscht, wenn durch eine Wiederholung auch anderen jüdischen Kreisen Gelegenheit gegeben wäre, sich an Stück, Musik und den schauspielerischen Leistungen dieses Ensembles zu ergötzen. Schließlich sei mit Genugtuung erwähnt, daß die Aufführung auch den gewünschten finanziellen Erfolg erzielte, indem ein beträchtlicher Betrag der Ferienkasse für einen Sommeraufenthalt des Esra im Gebirge zugeführt werden konnte. Hervorgehoben sei noch, daß der Esra unter der Führerschaft von A. Rotter, S. Stolberg und den Studenten Pfeifer und Rosenzweig, wie wir zu unserer Freude hören, wertvolle Jugendarbeit leistet. E. F. Die bildende Kunst am Sederabend Im Rahmen der von den Lehrkursen der Israelitischen Kultusgemeinde veranstalteten Vortragsreihe über Sederabend und Pessachhaggadab sprach am Donnerstag, dem 20. März, im Saale des Kunstgewerbehauses Herr Theo Har bürg er über die bildende Kunst am Sederabend. Was der S edierabend im jüdischen Jahr bedeutet, ist bekannt; etwas von dem unsagbaren Reiz dieser häuslichen Feier vermittelte auch dieser Lichtbildervortrag, der zwar nicht vom Auszug aus Mizraim und dem Inhalt der Haggadah, dagegen um so mehr von dem erzählte, wie die Haggadah auf Herz und Phantasie jüdischer Künstler des Mittelalters und der Neuzeit gewirkt hat und welche Leistungen jüdischer Kunst mit dem Sederabend verknüpft sind. Von Haggadah jeder Art. jeden Alters und mancherlei Herkunft wurden instruktive Bilder vorgeführt: Die „Haggadah von Se- I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten, KostUmstickereien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75 CAFE WINTERGARTEN Inhaber: Franz Schnabel Nachmittags Konzert Abends ununterbrochen Tanz 2 Kapellen Mäßige Preise Kein Weinzwang Kein Eintritt Zum PessudisFest Kaffee Hag :;■ i ___; - coffeinfreier Bohnenkaffee oon bestem lg , Geschmack und Aroma DOS J unter streng ritueller Oberaufsicht Sr. 6hne. - 1 ' ÜÜÜ des Herrn Oberrabbiner Or. Spifter, Hamburg f ■ UH Kaffee Bag Bremen ) F'- ' Deutsche Neuwäschorei G.m.b.H. FELIX BRANDNEU * MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt nur Herren-Stärkwäsche Annahmestelle auch Jägerstr. 16 / Augsburg A. 432 vord. Lech