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Das jüdische Echo · 1930-04-04 · 14 (4.4.1930) · p. Seite 200

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
14 (4.4.1930)
Date
1930-04-04
Page
Seite 200 (sequence 13)
Language
German
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200 Das Jüdische Echo Nr. 14 rajewo“ spanischer Herkunft aus der Mitte dtes 14. Jahrhunderts, eine Darmstädter Haggadah aus der gleichen Zeit (wahrscheinlich von einem nicht jüdischen Künstler), die ganz besonders phantastisch ausgeschmückte Haggadah im Siddurmanuskript der Berliner Staatsbibliothek, Haggadoth aus dem Germanischen Museum in Nürnberg und der Münchener Staatsbibliothek, die gedruckten Haggadoth (unter ihnen die Prager Holzschnitthaggadah, die Amsterdamer Haggadah) sie alle wurden in ihren wesentlichen Eigenheiten charakterisiert, was im Zusammenhang einen interessanten Einblick in die Vorstellungswelt und das Leben des mittelalterlichen Judentums eröffnete. Moderne Haggadoth sind weniger als Abbild jüdischen Lebens der Gegenwart als für das Schaffen der betreffenden jüdischen Künstler bedeutsam; von ihnen machten wohl den stärksten Eindruck Bilder aus der Budkoschen, jedoch auch Kredel, Steinhardt, Fechenbach haben in ihren Schöpfungen manchen Zug und manche Schönheit des Sederabends eingefangen. Wenn auch zweifellos die Illustrationen zur Haggadah die wichtigsten künstlerischen Gestaltungen sind, mit denen der Sederabend in Berührung bringt, so sind sie doch nicht die einzigen. Und so zeigte und charakterisierte der Vortrag denn auch noch eine Beihe schöner Sederplatten, Gefäße, Becher, Trinkgläser; als größte Merkwürdigkeit darf wohl das Mittelstück eines gotischen Meßgewands gelten, das als Sederhandtuch benutzt wurde. Der Referent konnte für seine Ausführungen reichen Beifall des allerdings nicht sehr zahlreich erschienenen Publikums hinnehmen. Ein jüdischer Revolutionär In zwei außerordentlich interessanten, vom Jüdischen Kulturverein J. L. Perez veranstalteten Vorträgen setzte sich Herr D. J. S t e i n b e r g, über dessen nicht alltäglichen Werdegang die Leser des „Jüdischen Echos“ ja bereits unterrichtet sind, mit einer Fülle von jüdischen und allgemein menschlichen, besonders sozialethischen Problemen auseinander. Der Grundgedanke seines ersten Vortrages über „Das Pintele Jid und das Pintele Mensch“ war wohl der, daß Ideen ewig seien, Völker aber kommen und gehen und daß daher eine rein jüdisch orientierte Fragestellung in keinem der heute aktuellen Probleme, seien es nun solche territorialer, organisatorischer, sprachlichkultureller oder religiöser Natur, genügen könne; notwendig sei das Bewußtsein, daß das Judentum innerhalb der Völker eine ideelle historische Aufgabe habe und aus diesem Bewußtsein müsse die erlösende moralische Tat kommen. Der zweite Vortrag behandelte das Thema „Politik und Moral“. Steinberg wandte sich gegen die heute allgemein übliche Auffassung, daß man beide nicht in Übereinstimmung zu bringen brauche, deren Entstehung einerseits auf die Positivsten und die Marxisten, anderseits auf die philosophischen Idealisten zurückzuführen sei; er beschäftigte sich besonders eingehend mit der Sozialdemokratie, die er wegen des mangelnden Willens zur Durchsetzung ihrer Ziele und ihrer bürgerlichen Gesinnung und mit dem Bolschewismus, den er wegen seines Terrorismus und seiner falschen Einstellung zur menschlichen Freiheit kritisierte; er verlangt einen ethischen Maximalismus; der jüdische Sozialismus müsse seiner Art und seinem Inhalt nach revolutionär und messianisch sein; die doppelte Teilung reformistisch-revolutionär, zionistisch-antizionistisch müsse er in diesem Sinne überwinden, und dann könne er uns aus dem heutigen Zustand einer unmoralischen Politik und einer unpolitischen Moral hinausführen. Steinberg ist zweifellos ein anregender Denker, ein ausgezeichneter Redner, sowohl jiddisch wie deutsch, und ein sympathischer Mensch — seine Gedanken jedoch, wie sie hier kurz nachzuzeichnen versucht wurden — scheinen in vielem konstruiert. Mit der Kritik des historischen Materialismus dürfte er es sich viel zu leicht gemacht haben; einer entscheidenderen Auseinandersetzung ist er aus dem Wege gegangen — er hat sie auf das lediglich geschichtsphilosophische Gebiet verschoben, wo bekanntlich alles geglaubt, aber wenig bewiesen werden kann. Rin Jubiläum Die Zionistische Ortsgruppe Nürnberg-Fürth konnte am 23. März die Feier ihres 25jährigen Bestehens begehen. Ein ganz kleiner Kreis von Menschen hatte sich vor 25 Jahren auf die Initiative und unter der Führung unseres Gesinnungsgenossen Dr. Bloede (Hamburg) zusammengefunden und im Cafe Kurländer in Fürth eine zionistische Ortsgruppe gegründet. Wir hatten die Freude, eine ganze Reihe dieser Gründungsmitglieder an unserem Abend begrüßen zu dürfen. Neben Herrn Dr. Bloede waren die Gesinnungsgenossen Leon Friedmann, Josef Fischer, Salomon Heinemann, Emil Oberndorfer und David Schönberg unserer Einladung gefolgt. Die Ortsgruppe hatte es sich nicht nehmen lassen, sie aus Anlaß des Jubiläums noch besonders durch Eintragung in das. Goldene Buch des Keren Kajemeth zu ehren. Zu dem Festakt waren neben einer überaus großen Zahl von Mitgliedern eine Reihe von Festgästen erschienen, die nach der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Dr. Liebstädter, ihre Glückwünsche darbrachten. Herr Dr. Bamberger, der im Namen der Israelitischen Kultusgemeinde sprach, betonte die guten persönlichen Beziehungen, die seit langem zwischen Kultusgemeinde und Ortsgruppe bestanden haben und wies mit Recht darauf hin, daß auch in sachlicher Beziehung sich so manches geändert habe, wie sich in der Frage des Keren-Hajessod und bei Unterstützung der Hebräischen Sprachschule gezeigt habe. Nach ihm ergriff Herr Rabbiner Dr. H e i 1 b r o n n das Wort, um im Namen des Rabbinats seine Glückwünsche auszusprechen. Ihm folgten Vertreter der Logen, des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten, des Gesamtausschusses der Ostjuden und der Ortsgruppen. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hatte es sich nicht nehmen lassen, zu dem Fest einen besonderen Delegierten in der Person des Herrn Karl Glaser zu entsenden. In seiner Festrede über: „Die jüdische Jugend in den letzten 50 Jahren“ führte Herr Dr. Bloede aus, daß gerade in diesen letzten 50 Jahren die jüdische Jugend die Möglichkeit gehabt habe, sich zu entfalten, eine Jugend, die man vorher ängstlich versteckt und ignoriert hat. Großartig und vielfältig sind die Leistungen dieser Jugend und nicht zuletzt ist es die zionistische Idee gewesen, die von ihren Anfängen an die jüdische Jugend angezogen und in ihren Reihen gesehen hat. Wir danken Herrn Dr. Bloede auch an dieser Stelle nicht nur für sein Kommen, sondern ganz besonders für diese, auch rethorisch glänzende Festrede. An sie schloß sich die Ehrung der seit Gründung der Ortsgruppe verstorbenen Ge-

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