Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 14 (4.4.1930)
- Date
- 1930-04-04
- Page
- Seite 195 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Das Jüdische Echo 195 hat, daß Nichtzionisten nicht weniger als Zionisten bestrebt sind, das Werk des Wiederaufbaus in Palästina zu fördern. Es herrschte wesentliche Übereinstimmung in der Beurteilung der politischen Lage, die vom Politischen Komitee nach allen Richtungen hin durchgesprochen wurde. Die Politik der Jewish Agency wurde — soweit die Ungewißheit hinsichtlich des Berichtes der Shaw-Kommission dies zuließ — festgelegt und von der Tagung einmütig akzeptiert. Die Finanzkommission billigte einmütig das in Zürich beschlossene Budget von 750 000 Pfund und erkannte nicht weniger einmütig die Notwendigkeit an, energische Schritte zur Aufbringung der erforderlichen Gelder zu unternehmen. Bevor die Tagung schloß, war es möglich geworden, Anordnungen zu treffen, um die jetzigen finanziellen Schwierigkeiten der Palästina-Exekutive zu beheben. Von den Ergebnissen der in verschiedenen Ländern zugunsten des Keren Hajessod geführten Kampagne wird es jedoch abhängen, ob es möglich sein wird, eine reguläre und systematische Arbeit zu führen. Ein von der Tagung gefaßter wichtiger Beschluß war der, das in Zürich angenommene Programm in der Weise zu erweitern, daß sofort darangegangen wird, eine große Zahl Familien auf dem Lande anzusiedeln. Dieser Beschluß ist Ausdruck der Meinung, daß die einzig entsprechende Antwort auf die Unruhen im August 1929 beschleunigter Wiederaufbau ist; eine Meinung, die bei der Tagung des Administrative Committee schließlich den Sieg davon getragen hat. Es besteht gute Aussicht, die notwendigen Mittel zur Finanzierung dieses Programms (noch sind die Mittel nicht völlig gesichert) zu bekommen, und es besteht aller Grund zur Hoffnung, daß das neue Werk sofort nach Durchführung der zufriedenstellenden Arrangements beginnen wird. Die Delegierten aus Palästina waren sehr erfreut darüber, daß ihre Forderung nach erweiterer Kolonisation ein solches Echo gefunden hat und daß Einzelpersonen wie Gruppen in nichts weniger als lauwarmer Weise ihre Unterstützung versprachen. Alle irgendwie größeren Differenzen auf dem Gebiete der Organisation wurden ohne besondere Schwierigkeiten im Geiste gegenseitigen Verständnisses beigelegt. Der Status der Exekutive als der für die Leitung der laufenden Angelegenheiten der Agency (innerhalb der Grenzen der vom Administrative Committee angenommenen Resolutionen) verantwortlichen Körperschaft wurde nicht in Frage gestellt. Es wurden Arrangements getroffen, um eine enge Verbindung des Vorsitzenden des Administrative Committee mit der laufenden Arbeit der Agency sicherzustellen und ihm, gemeinsam mit dem Präsidenten der Agency, ein angemessenes Maß von Einfluß auf Beschlüsse der Exekutive in Angelegenheiten von besonderer Bedeutung einzuräumen. Hinsichtlich der Verwaltung in Palästina erklärte sich das Administrative Committee-mit einer Teilung der Arbeit zwischen der Exekutive als der die oberste Kontrolle ausübenden verantwortlichen Körperschaft und den Leitern der Departements, die ein beträchtliches Maß von Unabhängigkeit in ihrer eigenen Arbeitssphäre genießen sollen, einverstanden. Gemäß dem in Zürich getroffenen Abkommen sind nun vier Mitglieder der Zionistischen Exekutive aus der Exekutive der Jewish Agency ausgeschieden, vier weitere zionistische Exekutivmitglieder werden bis zum 1. Oktober d. J. ausscheiden. Die neuen nichtzionistischen Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency sind Dr. Hexter, Dr. Werner Senator und Herr Julius Simon, die alle sich an den Beratungen des Administrative Committee aktiv beteiligt haben und deren Eintritt in die Exekutive sich zweifellos als von größtem Nutzen für die Arbeit erweisen wird. Außer ihnen gehören der Exekutive bis zum 1. Oktober noch die Herren Nahum Sokolow, Rabbi Meir Berlin, Professor S. Brodetsky, S. Kaplansky, Colonel F. H. Kisch, Felix Rosenblüth, Dr. Arthur Ruppin und J. Sprinzak an. Herr Pinchas Ruthenberg, Vorsitzender des Waad Leumi, versprach, mit der Exekutive zusammenzuarbeiten. 6. Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden Berlin, 31. März. (JTA.) Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hielt am 30. und 31. März in Berlin den 6. Verbandstag, den letzten dieser ersten Legislaturperiode, ab. Im Herbst finden, zugleich mit den Repräsentantenwahlen in Berlin und in anderen Gemeinden, Neuwahlen statt. Der Verbandstag fand Sonntag mittag seinen Auftakt in einer religiösen Weiherede des konservativen Verbandstagsmitgliedes Rabbiner Dr. Rosenthal (Köln). Sodann eröffnet der Präsident Rechtsanwalt Stern den Verbandstag und bezeichnet als Hauptziele der Arbeit für die nächste Zeit: Schaffung eines neuen Judengesetzes und des Reichsverbandes der deutschen Juden. Den Tätigkeitsbericht des Rates erstattet sein Präsident Kammergerichtsrat Leo Wolf! (Berlin) unter Bezugnahme auf die gedruckte Vorlage. Es ist mit geringem Aufwande Gutes geleistet. Das Wichtigste aber ist, daß sich die preußische Judenheit hier eine legitime Vertretung ihrer Gesamtinteressen und eine Tribüne für ihre Forderungen und inneren Auseinandersetzungen und damit zugleich eine Möglichkeit inneren Ausgleichs durch großzügige gemeinsame Arbeit geschaffen hat. Als Manko ist das Stocken der Reichsverbandsgründung zu werten nach der Ablehnung des gemeinsamen Entwurfs der Landesverbandsleitungen durch den letzten Verbandstag. Den Etat für 1930/31 bringt der Finanzdezernent im Rat, Direktor Kareski, Vorsitzender der Berliner Gemeinde, ein, zugleich mit dem Rechnungsabschluß für 1928/29. Der Voranschlag schließt in Einnahmen u. Ausgaben mit 1201 000 RM. (1929/30: 1243000 RM.) ab. Bemerkenswert ist der neue Titel ,.Bezirksrabbinate“ (50000 RM.) und die Herabsetzung des Wöhlfahrtsetats von 180000 auf 120000RM. Der Referent schildert die wachsenden Anforderungen und schrumpfenden Einnahmen, rügt die Säumigkeit zahlreicher Mitgliedsgemeinden bei Erfüllung ihrer Verpflichtungen, die allerdings jetzt schon vielfach unverschuldet sei, aber nicht zu einem Druckmittel für die Durchsetzung von Sonderwünschen werden dürfe. Bei der Gewährung der Staatsbeihilfen werden die Juden anderen Religionsgemeinschaften gegenüber stets benachteiligt. Noch größere Gefahr aber droht von innerjüdischen Gegnerschaften. Wenn jene intrigierende Gruppe (gemeint ist der Halberstädter „Preußische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden“) nicht endlich zu gemeinsamer Arbeit zurück-