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Das jüdische Echo · 1930-04-04 · 14 (4.4.1930) · p. Seite 194

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
14 (4.4.1930)
Date
1930-04-04
Page
Seite 194 (sequence 4)
Language
German
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194 Das Jüdische Echo Nr. 14 für die Unruhen tragen, als ihnen im Gesamtbericht zugeschrieben wird. Da die Palästinaregierung nicht in der Lage war, mit eigenen Kräften die angegriffene jüdische Minderheit zu-schützen, wäre es ihre Pflicht gewesen, aus der Mitte der Juden geeignete Personen auszuwählen und sie mit den Mitteln zur Selbstverteidigung auszurüsten. Die Regierung könne auch nicht von dem Tadel freigesprochen werden, daß sie nicht rechtzeitig ein Kommunique erlassen hat, in welchem den Gerüchten über angebliche jüdische Absichten auf die moslemitischen heiligen Stätten entgegengetreten wird. Ein gut Teil Schuld trifft die Regierung auch darin, daß sie den noch vor Ausbruch der Unruhen in Umlauf gewesenen Gerüchten von bevorstehenden Unruhen nicht die entsprechende Bedeutung beigemessen hat. Harry Snell führt aus, er stimme auch nicht mit der Ansicht der übrigen Mitglieder der Kommission hinsichtlich der Kontrolle über die jüdische Einwanderung überein, er wisse, daß die Juden zum Wohle des gesamten Landes beigetragen und daß die Araber an diesem allgemeinen Wohle teilgehabt haben. Ein freundschaftliches Zusammenarbeiten beider Bevölkerungsteile in Palästina würde die wirtschaftliche und politische Entwicklung des Landes fördern und zu einer Reserve des Friedens und Verständigungswillens für die Zukunft werden. Araber und Juden würden sich zu dem Aufbau eines glücklichen und gedeihenden Landes vereinigen. Snell schlägt vor, daß einige jüdische und arabische Führer sich zu einer gemeinsamen Aussprache vereinigen und versuchen mögen, Richtlinien für eine friedliche Zusammenarbeit zur Entwicklung des Landes auszuarbeiten. Ohne jüdische Einwanderung und jüdische Landwirtschaft sei aber eine wirtschaftliche Entwicklung Palästinas nicht denkbar. Die Tagung des Administrative , Committees der Jewish Agency Vom Montag, dem 23. März bis zum Donnerstag, dem 27. März tagte in London unter dem Vorsitz von Felix Warburg das Administrative Committee der Jewish Agency. Warburg selbst hielt in der Eröffnungssitzung eine großangelegte Programmrede; darauf fand eine allgemeine Aussprache über die Verfassung der Agency statt. Dr. Weizmann, der Präsident der Jewish Agency, erstattete den Bericht über die politische Lage, Herr Direktor Oskar Wassermann referierte über das Budget. In der Generaldebatte sprachen Dr. Chaim Arloscroff (Vereinigte Arbeiterpartei in Palästina), Dr. Soloweitschik (radikal), Kurt Blumenfeld (Allgemeiner Zionist), Dr. Cyrus Adler (Amerika Nz.), Major Nathan (England Nz.), D’Avigdor Goldsmid (England Nz.), Leonard Stein (Allgemeiner Zionist); Herr Warburg und Herr Nahum Sokolow erwiderten. In einer späteren Sitzung hielt Lord Melchett eine bedeutsame Ansprache; eine spezielle Sitzung wurde dem Werk des Keren Kajemeth I.ejisrael und der Kolonisation gewidmet. London, 27. März. (JTA.) Am Donnerstag, dem 27. März, ist die Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency zu Ende gegangen. Es wurde eine Exekutive der Jewish Agency gewählt, der die Mitglieder der Zionistischen Exekutive Nahum Sokolow, S. Kaplansky, Professor S. Brodetsky, Dr. Felix Rosenblüth, Colonel F. H. Kisch, Dr. Arthur Ruppin, Joseph Sprinzak und Rabbi Meir (Berlin), außerdem Professor Maurice B. Hexter, Dr. Werner Senator und Julius Simon an ge hören. Ingenieur Pinchas Rutenberg, Präsident des Waad Leumi in Palästina, erklärte, der an ihn ergehenden Einladung, der Exekutive der Jewish Agency beizutreten, nicht Folge leisten zu können, er versprach aber, an dem neuen Werke der Jewish Agency in Palästina mitzuarbeiten. (Von den Mitgliedern der Zionistischen Exekutive gehören Harry Sacher, Lazarus Barth, Miß Henrietta Szold und Louis Lipsky der Agency-Exekutive nicht an.) Das Administrative Committee hat einen Kolonisationsplan angenommen, demgemäß in nächster Zeit 1000 jüdische Familien in Palästina mit einem Kostenaufwand von 350 000 Pfund landwirtschaftlich angesiedelt werden sollen. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, ist eine Summe von 320 000 Pfund für dieses Werk bereits gesichert. Das Administrative Committee hat in seiner letzten Sitzung u. a. die folgenden vom Politischen Komitee vorgeschlagenen Resolutionen angenommen; 1. Der jüdischen Bevölkerung in Palästina wird die Bewunderung für die Standhaftigkeit, die sie während der Palästina-Unruhen im August 1929 bewiesen hat, zum Ausdruck gebracht. Das Administrative Committee der Jewish Agency stellt mit tiefer Befriedigung fest, daß die Judenheit der Welt ihren unbeugsamen Willen manifestiert hat, alles zu tun, um die Idee des jüdischen Nationalheims zu verwirklichen. 2. Die britische Regierung wird aufgefordert, ihre Politik in Palästina so zu führen, daß das Mandat dem Buchstaben und dem Geiste nach verwirklicht werde. 3. Die vom XII. Zionistenkongreß gefaßte Resolution für ein friedliches Zusammenarbeiten mit den Arabern wird aufs neue bekräftigt. 4. Das Administrative Committee der Jewish Agency verficht das Prinzip, daß es in Palästina keine Beherrschung der Juden durch die Araber oder der Araber durch die Juden geben soll. * * * Wir werden auf den Verlauf der Tagung, insbesondere auf die großen Reden Warburgs, Weizmanns und Melchetts noch zurückkommen; über ihre Bedeutung orientiert das folgende JTA.-Interview mit Dr. Felix Rosenblüth. Die Bedeutung der Tagung London, 28. März. (JTA.) Dr. Felix Rosenblüth, Mitglied der Exekutive der Zionistischen Organisation und der Exekutive der Jewish Agency, äußerte sich in einer Unterredung mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur in folgender Weise über die Bedeutung der soeben in London abgeschlossenen Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency. Über das Ergebnis der Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency ist das Gefühl der Befriedigung allgemein. Die Tagung hat Mißverständnisse beseitigt und jenes Gefühl der Harmonie wieder hergestellt, die schon die Tagung des Council der Agency in Zürich ausgezeichnet hat. Die Tagung war auch bemerkenswert dadurch, daß — zum ersten Male — Führer der nichtzionistischen Gruppe in eine nahe Berührung mit den laufenden Problemen gebracht wurden, ferner dadurch, daß sie klar demonstriert

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