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Das jüdische Echo · 1930-04-04 · 14 (4.4.1930) · p. Seite 193

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
14 (4.4.1930)
Date
1930-04-04
Page
Seite 193 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 14 4. Äpril 17. Jahrgang Der Bericht der Shaw-Kommission London, 31. März. (JTA.) Am Montag, dem 31. JVIärz, abends, veröffentlichte die britische Regierung den Bericht der von Sir Walter Shaw geführten britischen parlamentarischen Untersuchungskommission für Palästina, die in den letzten Monaten des Jahres 1929 und zu Beginn des Jahres 1930 in Palästina geweilt, an Ort und Stelle Erhebungen über die unmittelbaren Ursachen der Unruhen im August 1929 angestellt und zahlreiche von der Regierung wie von jüdischer und arabischer Seite namhafte Zeugen vernommen hat. Der Bericht ist von allen Mitgliedern der Kommission, zu denen außer Sir Walter Shaw als Berufsjurist noch die Parlamentarier Sir Henry Betterton (konserv.), Hopkins Morris (lib.) und Harry Snell (Arbeiterparteiler) gehören, unterzeichnet. Der Arbeiterparteiler Snell machte zu einzelnen Feststellungen des Berichtes Vorbehalte und fügte seine eigenen Beobachtungen und Überlegungen bei. In dem Bericht wird erklärt, daß beim Ausbruch der Unruhen in Jerusalem an dem verhängnisvollen Freitag, dem 2 3. August 1929, es sich nicht um einen Zusammenstoß zweier streitender Parteie n», sondern um einen Angriff der Araber auf die Juden handelt, für den es keine Entschuldigung gibt. Die von arabischer Seite aufgestellte Behauptung, daß die Unruhen durch die Ermordung von Arabern durch Juden verursacht worden war, ist nicht erwiesen. Immerhin war der Ausbruch nicht verabredet und überlegt. In dem Bericht wird weiter festgestellt, daß die Unruhen, die die Form eines böswilligen Angriffes von Arabern auf Juden angenommen haben, mit Zerstörung jüdischen Eigentums verbunden waren. Wohl kamen auch jüdische Angriffe auf Araber vor, aber diese Angriffe waren das Ergebnis der von den Arabern vorher begangenen Gewalttaten. Der Großmufti von Jerusalem und viele andere arabische Führer — so wird in dem Bericht festgeistellt — habenmitder öffentlichen Stimmung ihr Spiel getrieben und tragen ein gut 'Feil der Verantwortung für die Unruhe n. Weder der Mufti als das Oberhaupt des Moslemitischen Obersten Rates, noch die Arabische Exekutive können von der Schuld freigesprochen werden, daß sie es unterlassen haben, öffentlich zu erklären, daß sie für Recht und Ordnung eintret'en. Der Bericht befaßt sich mit der Haltung des Chef Sekretärs Luke, der zur Zeit der Unruhen in Abwesenheit des Oberkommissars als stellvertretender Oberkommissar fungierte, und stellt fest, daß ihn kein Tadel treffen kan n dafür, daß er nicht noch vor Ausbruch der Unruhen Verstärkungen aus den benachbarten Ländern heranzuziehen sich bemüht hat. Er konnte, da der Angriff ein plötzlicher und unüberlegter war, auf die Ereignisse nicht gefaßt sein. Die Mitglieder der Kommission billigen auch die von Luke getroffene Anordnung, daß denjenigen Juden, die ihre Dienste als Sonderpolizisten anboten, keine Waffen gegeben und ihnen die erhaltenen Waffen nicht weiter überlassen wurden. Auch die Polizeioffiziere, die die jüdische Demon-/ stration an der Klagemauer am 9. Ab und di^ moslemitische Gegendemonstration am darauffolgenden Tage nicht verhindert haben, trifft kein Tadel, da auch sie die Ereignisse nicht voraussehen konnten. Der Bericht wendet sich dann den politischen Aspekten zu und führt aus: Die von den Zionisten erhobenen Ansprüche und ausgesprochenen Forderungen betreffend die zukünftige Einwanderung in Palästina erweckten bei den Arabern die Befürchtung, daß sie unter jüdische politische Herrschaft kommen werden und der Quellen ihres Lebensunterhalts beraubt sein würden. Die Kommission erhebt Einwand gegen die Auswahl von Einwanderern durch die jüdische Arbeiterföderation, die wohl mehr auf die politische Überzeugung als auf die besondere Qualifikation der Einwanderer sieht. Nicht gebilligt wird die Entfernung arabischer Bauern von ihrem Pachtboden, wenn ihnen auch, Barentschädigung ausgezahlt wird. Die Kommission nimmt aber die jüdischen Bodengesellschaften, die korrekt Vorgehen, in Schutz. Die Kommission empfiehlt der Regierung, ein klares Statement über ihre Politik in Palästina herauszugeben, das in unzweideutigen Ausdrücken dartut, welche Deutung die Regierung jenen Abschnitten im Mandat beimißt, in denen von der Sicherung der Rechte der nichtjüdischen Gemeinschaften Palästinas die Rede ist. Hat aber die englische Regierung einmal gesagt, wie sie ihre Aufgabe als Mandatar auffaßt, dann müsse sie auch klar zu verstehen geben, daß sie ihre Politik mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln,, durchführen wolle. Als unmittelbare Ursachen des Ausbruchs werden angegeben: 1. Eine lange Reihe von Zwischenfällen an der Klagemauer, so u. a. die jüdische Demonstration am 15. August und die Tätigkeit der mohammedanischen Gesellschaft zum Schutze der Klagemauer. 2. Aüfhetzende Artikel in mehreren arabischen Zeitungen, aber auch in einer jüdischen Tageszeitung. 3. Die verhetzende Propaganda, die die arabische Presse und arabische Agitatoren unter der arabischen Bevölkerung getrieben habenen. 4. Die unter den Arabern entstandenen Besorgnisse in Verbindung mit der Erweiterung der Jewish Agency. 5. Die Unzulänglichkeit der militärischen Streitkräfte und das Fehlen einer zuverlässigen Polizei. 6. Der bei den Arabern entstandene Glaube, daß man die Entscheidungen der Regierung durch eigene Aktionen beeinflussen könne. Harry Snells Vorbehalte Die vom Arbeiterdeputierten Harry Snell dem Bericht angefügten Vorbehalte gehen darauf hinaus, daß der Großmufti und die Arabische Exekutive einen weit größeren Teil an Verantwortung

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