Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 13 (28.3.1930)
- Date
- 1930-03-28
- Page
- Seite 185 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 185 Das Jüdische Echo Schächtfrage in der Berliner Stadtverordnetenversammlung — Demonstrationsantrag der Nationalsozialisten Berlin, 18'. März. (JTA.) Dr. Goebbels und die übrigen Milglieder der nationalsozialistischen Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung Berlin haben den folgenden Antrag gestelll: Das Schächten von Tieren wird auf dem Berliner Städtischen Schlachthof mit sofortiger Wirkung verboten. In der Begründung dieses Antrages ergehen sich die Nationalsozialisten in Beschimpfungen gegen die Ritualschächtung, die sie eine „niederträchtige, eines Kulturvolkes unwürdige Tierquälerei“ nennen. Wie die JTA. erfährt, schenken die übrigen Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung diesem Antrag der Goebbels-Partei, den sie für einen leeren Demonstrationsantrag halten, zu dem Zwecke gestellt, um die 200 OOOköpfige jüdische Bevölkerung Berlins; zu provozieren, keine Beachtung. Kommunstische Synagogenschändung in Hannover Berlin, 20'. März. (JTA.) In der Nacht zu Mittwoch, den 19. März, wurde am Hauptpfeiler der dortigen Synagoge folgende Inschrift in weißer Farbe angebracht: „Hier segnet das Kapital heute den Krieg.“ Eine Aufschrift ähnlichen Inhalts wurde an dem Pfarrhaus der katholischen Clemens-Kirche angemalt. Sie lautet: „Die Kirche segnet den Krieg gegen die Sowjetunion.“ Nach polizeilichen Mitteilungen wurden auch protestantische Kirchen in derselben Stadtgegend mit Inschriften wie „Hier segnet die Kirche den Krieg mit Rußland“ bemalt. Der Haushaltplan der Frankfurter Israelitischen Gemeinde genehmigt Frankfurt a. M., 21. März. (JTA.) In der letzten öffentlichen Sitzung der Gemeindevertretung wurde namens des Gemeindevorstandes von Justizrat Dr. Blau der Haushaltsplan für 1930/31 vorgelegt, der in Einnahme und! Ausgabe mit rund 1 830 000 RM. abschließt und auf der Ausgabenseite gegenüber dem Vorjahre Einsparungen im der beträchtlichen Höhe von rund! 150 000 RM. aufweist. Nachdem die Gemeindevertreter Dr. Franz Wolf (Lib.), Heinrich Rothschild (Kons.) und1 Rechtsanwalt Julius Simon (Volksp.) den Standpunkt ihrer Fraktionen zum Ausdruck gebracht hatten, wurde einstimmig vom Beschluß des Vorstandes entsprechend der im letzten Halbjahr erhobene Steuersatz von 15 Prozent der Reichseinkommensteuer auch für das neue Jahr beschlossen. Pogromartige Ausschreitungen auf einem Jahrmarkt in der Provinz Posen Posen, 17'. März. (JTA.) In Kruszewica, einer kleineren Stadt der Provinz Posen, kam es am 13. März zu pogromartigen Ausschreitungen gegen die jüdischen Kaufleute und Handwerker, die aus Anlaß des Jahrmarktes in diese Stadt gekommen waren. Mehr als 300 von Agitatoren aufgehetzte Huligans stürzten sich auf die Warenstände und Buden der jüdischen Händler, demolierten sie und raubten, was sie konnten. Mehrere jüdische Händler wurden schwer mißhandelt. Die Ortspolizei war gegen das Treiben ohnmächtig, auch die Feuerwehr, die mit Spritzen gegen die Räuber vorging, konnte wenig ausrichten. Die Huligans zerstreuten sich dann über die ganze Stadt, demolierten mehrere Wohnungen von Juden und raubten sie aus. Der Pogrom dauerte mehr als zwei Stunden. Schwere Bedrückung der Juden in der Türkei Konstantinopel, 17. März. (JTA.) Das Gericht in Konstantinopel hat neun Konstantinopeler jüdische Bürger, die beschuldigt waren, im Sommer 1927 bei der Bestattung des von dem Türken Osman Ratiw Bey getöteten jüdischen Mädchens Elsa Niego gegen das Türkentum feindliche Rufe ausgestoßen zu haben, zu je einem Jahr Gefängnis verurteilt. Das Urteil hat unter den Juden der Türkei starke Verwunderung und Empörung hervorgerufen. Zusammenarbeit zwischen American Jewish Committee und American Jewish Congress Neuyork, 21. März. (JTA.) Das zwischen American Jewish Committee und American Jewish Congress getroffene Abkommen über Zusammenarbeit in Fragen gemeinsamen Interesses ist soeben in Kraft getreten. Gemäß diesem Abkommen sind die Führer der beiden Organisationen verpflichtet, m Zeiten, in denen im Interesse einer jüdischen Sache ein Zusammengehen geboten erscheint, sich zu gemeinsamer Arbeit zusammenzutun. American Jewish Congress hat auf seiner Tagung in Atlantic City eine Resolution über Zusammenarbeit mit American Jewish Committee angenommen. Nachdem auch American Jewish Committee eine diesbezügliche Resolution angenommen hat, wurde von beiden Organisationen ein gemeinschaftliches Komitee zur Vorbereitung der Zusammenarbeit gebildet. Der Jischuw geistig und materiell unerschüttert Eine Kundgebung der palästinensischen Zionisten an das Diaspora-Judentum Jerusalem, 9. März. (JTA.) Die vereinigten Gruppen der Allgemeinen Zionisten Palästinas, der palästinensische Misrachi und der Hapoel Hamisrachi beschlossen, die folgende Kundgebung an die Juden ini der Diaspora zu richten: Ungeachtet der unersetzlichen Verluste, die das Palästinajudentum durch die Ereignisse iin August 1929 erlitten hat, ist der Jischuw in Palästina wirtschaftlich und geistig unerschüttert. Wir fordern eine verstärkte Einwanderung nach Palästina. Das jüdische Volk als der erste und ausschlaggebende Faktor beim Aufbau des Jüdischen Nationalheims muß seine Anstrengungen für diesen Aufbau verdoppeln, ja verdreifachen. In voller Erkenntnis unserer Verantwortung erklären wir, daß Palästina eine große Einwanderung absorbieren kann und daß in Stadt und Dorf, in Landwirtschaft und Industrie jüdisches Kapital gewinnbringend angelegt werden kann. Palästina wird sich wieder aufrichten, wenn ihm die Hingabe aller Klassen unseres Volkes zuteil wird; wir richten an unsere jüdischen Brüder in der Diaspora die dringende Bitte, äußerste Anstrengungen zur Stärkung des Jüdischen Nationalfonds und des Keren Hajessod zu machen. Die Störungen der jüdischen Andacht an der Klagemauer hören nicht auf Berlin, 19. März. (JTA.) Verschiedene europäische Nachrichten-Agenturen und Zeitungen bringen Meldungen über neue Konflikte in Jerusalem, die dadurch entstanden sind, daß Moslemiten den jüdischen Gottesdienst an der Klagemauer am vergangenen Freitag abend' durch ungeheuren Lärm gestört haben. Wie der JTA. aus Jerusalem telegraphiert wird, handelt es sich nicht um irgendeinen neuentstandenen Konflikt, sondern um die seit einigen Monaten unausgesetzt vor sich gehenden Störungen des jüdischen Gottesdienstes durch die von den Moslemiten all der Klagemauer eingeführle sogenannte . „ZIKR“, die angeblich eine Andaehts-