Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 13 (28.3.1930)
- Date
- 1930-03-28
- Page
- Seite 186 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Das Jüdische Echo Nr. 13 Übung sein soll, die sich unter ohrenbetäubendem Lärm mit verschiedenen Instrumenten vollzieht. Von Regierungsseite wird erklärt, daß bis zum Eintreffen der Klagemalierkommission des Völkerbundes keine Vorkehrungen zur Behebung dieses Zustandes ergriffen werden würden. Über 52 000 Pfund Keren-Hajessod-Eingäinge im Februar 1930 Jerusalem, 18 März. (JTA.) Die Eingänge heim Hauptbüro des Keren Hajcssod in Jerusalem I>etrugen im Februar 1930 52 305 Pfund. Von den Ländern, die zu dieser Summe beigesleuert haben, stehen an erster Stelle die Vereinigten Staaten von Amerika mit £ 24 876, es folgen Polen mit £ 8303, Argentinien mit £ 5910, Südafrika mit £ 2000, Deutschland mit £ 1473, Tschechoslowakei mit £ 1220, Belgien mit £ 1000 und eine große Reihe Länder mit Beiträgen von weniger als 1000 Pfund. Zum erstenmal seit Beginn des neuen Budgetjahres ist eine Überweisung aus den Vereinigten Staaten eingegangen, obwohl die Kampagne dort erst am 8. März begonnen hat. Die Gesamteinnahmen des Keren Hajessod betragen bis 28. Februar 1930 4 098 009 Pfund. 555 Juden wanderten im Januar in Palästina ein Jerusalem, 19. März. (JTA.) Im Verlauf des Januar 1930 wanderten 555 Juden, 105 Christen und 15 Moslems in Palästina ein; 167 Juden, 29 Christen und 33 Moslems verließen in dem gleichen Monat das Land. Im Dezember 1929 wanderten 517 Juden ein, 218 Juden wanderten aus. Die Palästina-Unruhen hatten keine Wirkung auf den Touristenverkehr Jerusalem, 18. März. (JTA.) Die Unruhen vom August 1929 in Palästina haben, wie aus den soeben veröffentlichten Zahlen hervorgeht, keine besonders nachteilige Wirkung auf den Touristenverkehr ausgeübt. Im Verlauf des Jahres 1929 haben 60 212 Reisende und Touristen (gegen 63 319 i. J. 1928) Palästina besucht. Thomas Mann in Palästina Jerusalem, 23. März. (JTA.) Der deutsche Dichter Thomas Mann ist soeben, aus Kairo kommend, in Palästina eingetroffen. Thomas Mann arbeitet bekanntlich seit. Jahren au einem großen jüdischen Roman ,.Joseph und seine Brüder“. ir in 111! 1 | | Feuilleton | 1 1 I! 111 m Husstellungen jüdischer Künstler in München Es ist augenblicklich Gelegenheit, einen überblick über das Schaffen zweier in München lebender jüdischer Maler zu gewinnen: Siegfried Zieg- 1 e r und Hermann S e g a 11. Beide sind der jüdischen Öffentlichkeit nicht mehr unbekannt, da Werke von ihnen, sei es durch die instruktive Ausstellung der Gesellschaft „Concordia“, sei es durch Publikationen weiteren Kreisen zugänglich gemacht worden sind. Der ,.Kunstverein“, dessen Ausstellungsräume unter den Arkaden gerne Münchener Künstlern offen stehen, hat eine Zusammenstellung eines großen Teiles von Zieglers bisherigem Wirken ermöglicht. In zwei Sälen ist das malerische und zeichnerische Werk des jungen Künstlers so vereinigt, daß sich sein Werdegang deutlich erkennen läßt. Bereits in der Jugendarbeit, dem im Jahre 1912 entstandenen Bildnis seiner Mutter hat der Künstler verraten, welch scharfe Beobachtungsgabe ihm eignet, und wie er versteht sie wirkungsvoll zum Ausdruck zu bringen, obwohl das begonnene Werk über das Stadium der ersten Anlage nicht hinaus gelangte. Diese Sicherheit in der Menschendarstellung bekundet er in allen seinen Bildnissen, seien sie in Öl oder mit dem Stift ausgeführt. Er ist ein Porträtist, der nicht nur die äußere Erscheinung festhält, sondern das Leben, das geistige sowohl wie das äußerlich bewegte, mit bannender Kraft wiederzugeben vermag. Davon zeugen insbesondere eine seiner neuesten Arbeiten, das Gemälde des Schriftstellers Dr. Eugen Roth, und die Kohlenstiftzeichnungen von Geheimrat Dr. Wolters und Herrn Dr. August Feuchtwanger. Die Bildnisse von Menschen, die dem Künstler persönlich näher stehen, wie die seiner Brüder, des Kapellmeisters Joseph und des Opernsängers Benno Ziegler oder des Herrn Professor Kirsehner verraten vielleicht durch Einflüsse im Unterbewußtsein ein Empfindungskonglomerat beim Maler, das dem einheitlichen Sehen der Person nicht unbedingt zugute kam. Wie dem auch sei, die Höhe des technischen Könnens Zieglers erzeugt stets eine künstlerisch geschlossene Leistung. Auch im Landschaftlichen beweist der Maler hohe Begabung. In Farbe und Stimmungsgehalt stellen seine Bilder aus den Vorbergen, von den bayerischen Seen und nicht zuletzt die Winterlandschaften aus Stadt und Land Kunstwerke dar, die sowohl einen guten Beobachter der Natur als auch ein ungebrochenes und lebhaftes Temperament verraten. Das Licht durchflutet seine mit Verve vor uns hingestellten, raumerfüllten Darstellungen und rundet sie zu einem Werke ab, das jedem wahre Freude bereiten wird. Seine Bilder, wie seine ebenfalls malerisch gesehenen Zeichnungen verraten eine Schulung, die ihn befähigt, mit modernen Mitteln den feinsten Eindrücken des Augenblicks nachzugehen. S e g a 11 , der in seinem Atelier, Friedrichstraße 29/IV (werktags geöffnet von 10 bis 5 Uhr), eine Ausstellung seiner älteren und neueren Arbeiten veranstaltet, zeigt sich Ziegler gegenüber als ein Maler, der in seinen Mitteln sich mehr der Methoden der alten Meister bedient. Seine Bildnisse erweisen, daß er mit Kultur und feiner Beobachtungsgabe nicht allein das Geschaute zu formen, sondern auch dem geistigen Gehalt gerecht zu werden vermag. Vor allem trifft diese Charakteristik zu auf die lebenswahren Zeichnungen von dem verewigten Herrn Rabbiner Dr. Heinrich Ehrentreu und des gleichfalls dahingegangenen Herrn Albert Landauer. Auch die übrigen Porträts, die viele bekannte Persönlichkeiten der Gesellschaft darstellen, zeigen die gleichen Vorzüge. Einige Skizzen, wie Hillel und Jeremias, bekunden die jüdische Einstellung des Künstlers. Das in der Schulung von Baier, Hackel und v. Marr — dessen vorzügliches Porträt zugleich das Können und die Dankbarkeit des Schülers beweist — gereifte Darstellungsvermögen zeigt Segall als einen Maler, der unsere volle Beachtung verdient. Die Ausstellungen lenken unser Augenmerk auf zwei Künstler, die beide durch ihre Reife sich aus der Schar der „Vielen“ herausgehoben haben. Wenn die Öffentlichkeit darauf hingewiesen wird, so geschieht es nicht allein um der Kunst willen, sondern mehr noch, weil selbst unsere wirtschaftlich so angespannte Zeit nur dadurch freier und gleichzeitig zukunftssicherer werden kann, wenn sie sich bewußt wird, daß sie auch Verpflichtungen gegen die Kultur und ihre Träger zu erfüllen hat. Theo Ilarburger.