Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 13 (28.3.1930)
- Date
- 1930-03-28
- Page
- Seite 184 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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184 Das Jüdische Echo Nr. 13 ihr Land. Auch in den Tagen von Cyrus kehrten nur die Armen und1 die Schwachen in das Land ihrer Väter zurück. Aber ihnen entstanden Führer, die das Volk zu neuer Größe empor und zur Bildung des jüdischen Staates führten. Auch Feinde entstanden zu jener Zeit dem Volke. Aber die Führer haben die Feinde überwunden und das Werk zur Vollendung gebracht. Ich hege die Überzeugung, daß das Andenken an Balfour uns zu einer Einheit zusammenschmieden wird, daß wir enger als je Zusammenhalten und so unser Werk zu einem glücklichen Abschluß bringen werden. Haschern jenachem osanu bi’scheor awelej ziom w’jeruschalajim (Gott tröste uns und alle, die in Zion und Jerusalem trauern). Als Dr. Weizmann seine Rede, die er tief erschüttert und mit Tränen in den Augen sprach, beendet hatte, wurde beschlossen, die Sitzung zum Zeichen der Trauer zu unterbrechen. London, 20. März. (JTA.) Das Zionistische Aktions-Komitee befaßte sich in seiner Sitzung am 19. März abends mit dem von der Fraktion der Zionisten-Revisionisten eingebrachten Antrag auf Einberufung des XVII. Zionistenkongresses noch im Jahre 1930. Der Antrag wurde mit überwältigender Mehrheit abgelehnt; nur fünf Stimmen wurden für ihn abgegeben. Dr. Artur Ruppin verlas vor dem Aktions-Komitee den genauen Wortlaut seiner Aussage in der vertraulichen Sitzung der britischen Untersuchungskommission in Palästina und trat der von den Revisionisten gegen ihn erhobenen Beschuldigung, er hätte in dieser Aussage das Problem der jüdischen Kolonisation in Palästina verkleinert dargestellt, scharf entgegen. Kurt Blumenfeld trat den Ausführungen jener Redner entgegen, die von Unterschieden zwischen den Zionisten des einen und denen des anderen Landes sprachen. Sejm-Deputierter J. Grünbaum (Polen), der Führer der radikalen Zionisten, führte aus,, die Debatte sei so ziemlich in eine abstrakte Diskussion abgeglitten, er wolle wieder über „Tachlith“ sprechen. Er analysierte die von Dr. Weizmann in den letzten zwölf Jahren befolgte Politik und kam zu dem Schlüsse, daß eine Systemänderung eintreten müsse. Darauf antwortete Dr. Weizmann auf die Ausführungen der verschiedenen Kritiker. Das Ende der Tagung London, 23. März. (JTA.) Die Tagung des Aktions-Komitees in London ist am Freitag, dem 21. März,, zu Ende gegangen. In der Sitzung vom 20. März erschien die Nichte Balfours, Frau Dugdale. Sie wurde vom Vorsitzenden Leo Motzkin sehr herzlich begrüßt. Frau Dugdale ergriff unter gespannter Aufmerksamkeit der Aktions-Komitee- Mitglieder das Wort, um den zionistischen Führern für den Ausdruck des Mitgefühls und des tiefen Schmerzes aus Anlaß des Ablebens von Lord Balfour den Dank der Familie Balfour auszusprechen. Hierauf ergriff das Wort Dr. Weizmann zu einer zweiten Rede über Lord Balfour, die er mit der Versicherung schloß: Die tiefe Niedergeschlagenheit und der Schmerz über den Tod von Lord Balfour wird uns nicht einen Augenblick in den Anstrengungen innehalten lassen, das Werk fortzusetzen und dem Ziele zuzustreben, welches dem Herzen des großen Toten so nahe gewesen ist. Lord Balfours Name wird für ewige Zeiten verknüpft sein mit dem jüdischen Volke, dessen Bestrebungen er soviel Verständnis und Begeisterung entgegengebracht hat. Dr. Weizmann teilte mit, daß er an den Bruder Lord Balfours und Erben von Balfours Namen ein Telegramm geschickt habe, welches lautet: Das jüdische Volk betrauert den Tod seines größten Freundes. In der Sitzung von Freitag nachmittag nahm das Aktions-Komitee mit begeisterter Zustimmung einmütig einen von Dr. Weizmann im Namen der Zionistischen Exekutive gestellten Antrag an, demgemäß der Jüdische Nationalfonds einen besonderen Balfour-Band des Goldenen Buches des Jüdischen Nationalfonds anlegt, der für 5000 Eintragungen Raum haben soll. Harry Sacher gab eine Erklärung über die Position des Palestine Emergency Fund ab, woraufhin das Aktions-Komitee Beschlüsse über die Verwendung dieses Fonds und über Wiederaufbau annahm. Dr. Hantke berichtete über die Arbeit des Keren Hajessod und führte aus, die Sammlungen für den Palestine Emergency Fund haben in einem gewissen Maße den Erfolg der Keren-Hajessod- Sammlungen beeinträchtigt. Man habe trotz all dem Grund zu hoffen, daß das Jahresbudget durch die Eingänge in den Schlußmonaten des Jahres wird gedeckt werden können. Er appellierte an die Zionisten aller Parteien und Gruppierungen, das Äußerste zu tun, um das Werk des Keren Hajessod zu fördern. Der Bericht Dr. Hantkes wurde ergänzt durch Mitteilungen des zweiten Direktors des Keren Hajessod, Leib Jaffe. Das Aktions-Komitee nahm den Bericht des Unterrichtsausschusses der Zionistischen Organisation entgegen, dem u. a. zu entnehmen ist, daß die von der Zionistischen Exekutive verwalteten Schulen gegenwärtig von 21 031 Kindern besucht werden. Das diesjährige Budget erfordert eine Summe von 127 450 Pfund; darin sind enthalten ein Regierungszuschuß von 19 300 Pfund, ein Zuschuß der PJCA. von 5595 Pfund und ein Zuschuß der Stadtverwaltung Tel-Awiw in Höhe von 12 000 Pfund. Aus der jüdischen Welt Hauptversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums Berlin, 24. März. (JTA.) Am Mittwoch, dem 19. März d. J., hielt die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums ihre Hauptversammlung ab, die sich eines zahlreichen Besuches von hiesigen und auswärtigen Mitgliedern sowie von Vertretern der angesehensten Organisationen zu erfreuen hatte. Der Vorsitzende, Professor Dr. M. Sobernheim, erstattete den Geschäftsbericht. Der Kassenverwaltung wurde Entlastung erteilt. Der Ausschuß wurde wiedergewählt. — Im Anschluß an die Hauptversammlung hielt Herr Dozent Dr. I. Heinemann aus Breslau einen Vortrag über: „Die geschichtlichen Wurzeln des neuzeitlichen Humanitätsgedankens“. Simon-Bernfeld-Jubiläumsfeier im Beth Am Iwri Berlin, 24. März. (JTA.) Am Sonntag, dem 23. März, fand im Beth Am Iwri zu Berlin, anläßlich des 70. Geburtstages von Dr. Simon Bernfeld, eine Feier statt, an der die hebräischen Schriftsteller Berlins und ein zahlreiches Publikum, besonders viel Jugend, teilnahmen.