Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 13 (28.3.1930)
- Date
- 1930-03-28
- Page
- Seite 183 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103085-9229985--10734-9222809- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 13 Das Jüdische Echo 183 Weizmann befaßte sich dann mit den politischen Strömungen innerhalb der zionistischen Bewegung und wandte sich gegen die „Revisionisten“ auf beiden Flügeln der Organisation, den „Maximalsten“ und den „Minimalsten“. Als „Minimalisten“ bezeichnete der die Gruppe um Magnes und sagte, daß diejenigen, die sich als Apostel des Friedens aufspielen, Unheil anrichten, weil durch ihr Auftreten der Eindruck entsteht, daß die Mehrzahl der Zionisten minder friedlich gesinnt sei als sie selbst. Die öffentliche Meinung in der Welt darf nicht vergessen, daß vielleicht zum ersten Male in der Geschichte der Menschheit der Fall eingetreten ist, daß man versucht, ein großes Weltproblem durch absolut friedliche Mittel und mit vollkommen reinem Gewissen zu lösen. Ungeachtet all der bestehenden Schwierigkeiten, fuhr Dr. Weizmann fort,, habe maa allen Grund, hoffnungsfreudig in die Zukunft zu blikken. Es sind alles Schwierigkeiten, aus denen es einen Weg hinaus gibt. Und in diesem Zusammenhänge möchte er versichern, daß er persönlich sich nie so stark gefühlt habe, wie jetzt, wo er, die Mauer im Rücken, den Kampf führt. Es ist erklärlich, daß angesichts der gegen die Juden bestehenden, tief in die Herzen eingewurzelten Vorurteile, und angesichts der Furcht, daß die jüdischen Anstrengungen in Palästina ein großer Erfolg werden würden, Schwierigkeiten entstehen. Aber auch diese Schwierigkeiten werden überwunden werden. Weizmann erklärte, daß die Exekutive ein sorgfältig ausgearbeitetes Programm besitzt, das sie der Regierung unterbreiten wird. Dieses Programm wird wohl bei einer Anzahl von Zionisten, die von einem „größeren Zionismus“ reden, einer Kritik begegnen. Aber ein „Größerer Zionismus“ wird nicht erreicht durch eine Überbetonung des Politischen,, durch eine Überschätzung der politischen Faktoren, sondern dadurch, daß ein erhöhter Nachdruck gelegt wird auf die eigenen konstruktiven Anstrengungen und die Durchführung eines Kolonisationsplanes auf breiter Basis. Als Weizmann seine Rede beendet hatte, trat das Aktions-Komitee in die Fortsetzung der Debatte über Kolonisation ein. Supxasky (Allgemeiner Zionist, Palästina) forderte, daß der Jüdische Nationalfonds Boden für eine Ansiedlung von Angehörigen des jüdischen Mittelstandes bewillige. Nach ihm sprachen der „Haarez“-Redakteur Glückson, der palästinensische Arbeitervertreter Baraz und der Revisionist Klinow. Es wurde dann ein Komitee aus 13 Personen gewählt, das sich mit dem Problem der Kolonisation zu befassen und dem Aktions-Komitee Bericht zu erstatten hat. London, 19. März. (JTA.) Im Verlauf der politischen Aussprache im Zionistischen Aktions- Komitee, die sich an die Rede des Präsidenten Weizmann schloß, wurde von einzelnen Rednern Beschwerde darüber geführt, daß ein Mitglied der Exekutive Äußerungen tut und Handlungen begeht, die im Gegensatz zu dem Geiste und dem Willen der gesamten Exekutive stehen. Die Angriffe zielten auf den Vertreter der Arbeiterschaft in der Exekutive, Kaplansky, von dem behauptet wurde, daß er ohne Ermächtigung seitens der gesamten Exekutive der britischen Regierung ein Memorandum überreicht hat. Dr. Weizmann sah sich veranlaßt, noch vor Abschluß der Aussprache das Wort zu ergreifen, um dieser Kritik zu begegnen. Er wies mit größter Entschiedenheit die gegen Kaplansky erhobenen Vorwürfe zurück und bezeichnete die Behauptung,, Kaplansky hätte eigenmächtig ein Memorandum der britischen Regierung überreicht, als Verleumdung. Kaplansky, versicherte Weizmann, habe kein Memorandum der Regierung überreicht. Rabbiner Dr. Nurok (Lettland), Meer Großman (Revisionist), Robert Stricker (radikal) kritisierten die Politik der Exekutive. Faifbstein (M'israchi) drückte seine Unzufriedenheit mit den Aussagen der jüdischen Zeugen vor der britischen parlamentarischen Untersuchungskommission in Palästina aus. M. M. Ussischkin wandte sich gegen den Ton, der in die Kritik eingerissen ist. Es sei verbrecherisch,, in diesem Augenblick etwas zu sagen, das dazu angetan wäre, Zwiespalt in der Bewegung zu schaffen. Berl Kaznelson, Führer der palästinensischen Arbeiterschaft, führte aus, die meisten gegen die Exekutive erhobenen Anklagen basieren auf dem Mangel an Kenntnis der wirklichen Tatsachen. Der Arbeiterführer Dr. Chaim Arlosoroff, Glückson und Dr. Alexander Goldstein verteidigten die Maßnahmen und die Politik der Exekutive. Arlosoroff führte noch aus, man habe den Juden ein großes Unrecht getan, als man Transjordanien, das in das Palästina-Mandat einbegriffen ist, von Palästina abschnitt, und auf diese Weise die jüdische Ansiedlungsmöglichkeit einschränkte. Er halte es für nötig, Nachdruck auf diesen Punkt zu legen. London, 20. März. (JTA.) Die Nachricht vom Ableben Lord Balfours erreichte das Aktions-Komitee, während es mitten in der Tagung war. Der Vorsitzende des Aktions-Komitees, Herr Leo Motzkin, unterbrach den Redner, der gerade zur politischen Lage sprach, und machte der Versammlung Mitteilung vom Tode des Schöpfers der Balfour-Deklaration. Sofort erhoben sich dip Mitglieder des Aktions-Komitees und verharrten eine Minute lang in stummem Üedenken an den großen Freund der Juden. Nachdem der Vprsitzende, Herr Motzkin, eine kurze Traueransprache gehalten hat, erschien Dr. Weizmann im Saale und hielt von der Tribüne herab in tiefster Bewegung die folgende Ansprache: Es ist für mich nicht leicht, das, was wir in diesem Augenblick fühlen, in Worte zu kleiden. Balfour ist tot! Erst vor drei Tagen hatte ich das Glück, bei ihm zu weilen und ihm in Ihrem Namen die Grüße und die besten Wünsche für seine Genesung zu überbringen. Schon damals wußte ich, wir wußten es ja alle, daß wir ihn nicht mehr lange zu den Lebenden werden zählen können. Dennoch erschüttert uns die harte Tatsache, d!aß Balfour nicht mehr unter uns weilt, auf das tiefste. Sein Tod bedeutet für uns alle den Abschluß einer Zeit großer Wünsche und Hoffnungen. Balfour wurde uns zu einer Zeit genommen, in der; wir ihn am meisten brauchen. Es ist jetzt noch nicht die Zeit, über all das zu sprechen, was ihn an uns gebunden hat. Sie wissen, daß er erst vor ein paar Wochen alles, was in seiner Macht war, für uns getan hat. Balfour wird in der Geschichte der Juden gleich dem König Cyrus von Persien fortleben. Gleich Cyrus stand er mit an der Spitze eines großen Reiches, gleich Cyrus wirkte er für die Rückkehr der Juden in