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Das jüdische Echo · 1930-03-28 · 13 (28.3.1930) · p. Seite 182

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
13 (28.3.1930)
Date
1930-03-28
Page
Seite 182 (sequence 6)
Language
German
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182 Das Jüdische Echo Nr. 15 Partners, errichtet sie eine Wertskala, benotet sie Zionisten verschieden, je nachdem sie mehr oder weniger der Auffassung entsprechen, die der jeweilige Betrachter vom Geist des Judentums besitzt. Sie macht also die Vereinigung in der Agency von sehr wandelbaren Faktoren abhängig und sie muß dazu führen, daß der Gedanke entsteht: mit diesen Zionisten kann man Zusammengehen, mit jenen nicht. lTnd damit verstößt sie gegen die Grundvoraussetzung, die das heilige Gesetz der Agency sein muß, weil sie allein eine reibungs- und vorbehaltlose Zusammenarbeit ermöglicht. Wenn allerdings mit dieser Feststellung etwa auch die große Majorität der zionistischen Bewegung für ungeistig, chauvinistisch und intolerant erklärt werden sollte, dann bedauern wir in aller Ehrlichkeit, feststellen zu müssen, daß die Schlußbemerkung offenbar gar nicht die Kooperation mit der bestehenden zionistischen Bewegung gutheißt, sondern nur die mit einer, wie man sie gerne haben möchte. Das ist der falsche Weg und solche Auffassungen können nur dazu dienen, die Kooperation in ihren Voraussetzungen wieder aufzuheben — was hoffentlich niemand heute will und was, gesehen vom Standpunkt des wahren jüdischen Interesses, heute niemand darf. Denn Zionisten und Nichtzionisten sind, wie Nahum Goldmann in der Einleitung zu seinen Ausführungen gezeigt hat, in der Agency auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden; aber für das Werk des Palästina-Aufbaues, in dessen Zeichen sich beide Teile zusammengefunden haben, ist der Zionismus notwendig, der Zionismus, so wie er heute ist in der Unbedingtheit seiner Erkenntnis und in der Radikalität seines Willens. Das sollten die Niehtzionisten nicht vergessen und deshalb hätte auch der Verfasser der Schlußbemerkung sich davor hüten sollen, durch eine oberflächliche und schlagworthafte Unterrichtung über die Ideologie des anderen Partners Schaden anzurichten. I. E. Die Londoner Tagung des Aktions-Komitees London, 17. März. (JTA.) Am Sonntag, dem 16. März, wurde in der Swedenborg-Hall zu London die Tagung des Aktions-Komitees der Zionistischen Weltorganisation eröffnet. Der Präsident des Aktions-Komitees, Herr Leo Motzkin, eröffnete die Tagung mit einer Ansprache und erläuterte dann das Programm der Tagung, das politische, finanzielle und Bodenfragen. sowie die Frage der Beziehung der Jewish Agency umfaßt. Der Leiter des Jüdischen Nationalfonds, M. M. Ussischkin, berichtet darauf über die Position des Nationalfonds und das Problem der Bodenkäufe. Er machte zum Schlüsse seiner Rede mehrere Vorschläge zur Stärkung des Jüdischen Nationalfonds, einige dieser Vorschläge bezogen sich auf Geldaufbringung in Amerika und in anderen Ländern mittels Anleihen zwecks sofortiger Durchführung der Arbeit. Er macht auch den Vorschlag, daß aus dem Palestine Emergency Fund mindestens 100 000 Pfund für Bodenkauf verwendet werden sollen. Dr. Artur Ruppin berichtete über gewisse Tatsachen in Verbindung mit der Bodenfrage in Palästina. Auf Grund von in 20 Jahren gesammelten praktischen Erfahrungen trete er kategorisch der Auffassung entgegen, als ob durch das jüdische Kolonisationswerk den Arabern irgendein Unrecht zugefügt worden sei. Bei allen Bodenkäufen seien die Interessen der Araber auf das sorgfältigste berücksichtigt worden. Er bedauere sehr, daß durch eine Agitation der irrige Eindruck entstehen konnte, daß der arabische Bauer unter der jüdischen Kolonisation leide. Dr. Ruppin kritisierte die Regierung, die keine keine definitive Bodenpolitik habe und es nicht verstehe, daß sich die jüdische Kolonisation tatsächlich als für den arabischen Bauern segensreich ausgewirkt habe. Man könne ohne jede Schwierigkeit und ohne den arabischen Bauern irgendeinen Schaden anzutun, 50 000 jüdische Familien in einer kürzeren Frist ansiedeln. Dies durchzuführen müsse die Jewish Agency ein Jahresbudget von 1 500 000 Pfund haben. Von Dr. Weizmann ersucht, die Zahl der Familien mitzuteilen, die anzusiedeln möglich ist, erwiderte Dr. Ruppin, die Jewish Agency sollte es sich zum Ziele setzen, in den nächsten zehn Jahren 50 000 Familien anzusiedeln. In der Nachmittagssitzung von Sonntag fand die allgemeine Aussprache über die Kolonisationsfrage statt. Im Verlauf der Aussprache erklärte Dr. Arlosoroff im Namen des Arbeiterflügels, daß für die Arbeiterschaft die Kolonisationsfrage von äußerster Wichtigkeit, ja die Hauptfrage, sei. Große Rede Weizmanns London, 18. März. (JTA.) In der Sitzung des Aktions-Komitees der Zionistischen Weltorganisation am Montag vormittag erstattete der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Dr. Chaim Weizmann, unter großer Spannung der Aktions-Komitee-Mitglieder den politischen Bericht. Weizmann führte aus, er habe gehofft, daß der Bericht der Palästina-Untersuchungskommission zu Beginn der Tagung des Aktions-Komitees fertig vorliegen werde. Weizmann ging zur Erörterung der allgemeinen politischen Lage über und führte aus, daß hinsichtlich der Durchführung des Mandates eine Frage gar nicht besteht. Man habe allen Grund, an die Wahrhaftigkeit der sowohl vom Premierminister MacDonald als auch vom Kolonienminister Lord Passfield abgegebenen Erklärungen zu glauben, daß ein Abweichen vgn der im Palästinamandat vorgezeichneten Politik nicht in Frage kommt. Eine Frage bestehe nur hinsichtlich der Art, in der diese Politik zur Durchführung gelangen soll. Die Untersuchungskommission hat die strikte Weisung erhalten, sich mit Fragen der höheren Politik nicht zu befassen. Er könne heute noch nicht sagen, ob die Untersuchungskommission diese Grenze überschritten hat. Weizmann gab eine Übersicht über die jetzige Gesamtlage und charakterisierte die in den englischen politischen Kreisen und in der öffentlichen Meinung Großbritanniens hinsichtlich der Palästinafrage herrschenden Stimmungen. Obwohl es Gruppen gäbe, die dem Zionismus feindlich gegenüberstehen, so haben wir doch unter allen •drei Parteien der englischen Politik viele gute Freunde. Von allen Kreisen wird zugegeben, daß die Juden große Leistungen in Palästina vollbracht haben, daß durch die jüdische Aufbauarbeit den Arabern im Lande keinerlei Unrecht zugefügt wurde und daß die Juden jeden Zoll des von ihnen erworbenen Bodens mit gutem Gelde bezahlt haben. Man äußert aber einige Befürchtungen hinsichtlich der Zukunft.

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