Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1930-03-28 · 13 (28.3.1930) · p. Seite 181

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
13 (28.3.1930)
Date
1930-03-28
Page
Seite 181 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103085-9229985--10732-9222807
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 13 Das Jüdische Echo 181 Die Zionistische Exekutive Palästinas und der Waad Leumi traten zu einer gemeinsamen Beratung über die Arrangierung einer nationalen Trauer der Judenheil Palästinas zusammen. Im Büro der Zionistischen Exekutive wurde sofort nach Eintreffen der Todesnachricht eine Trauerkundgebung abgehalten. Alle nationalen jüdischen Ämter in Palästina waren am Mittwoch, dem Todestage Balfours, geschlossen. Die Zionistische Exekutive und der Waad Leumi haben Trauerkundgebungen an I)r. Weizmann nach London gesandt und ihn ersucht, der Familie Lord Balfours die Trauer und das Beileid der nationalen Judenbeit Palästinas zu übermitteln. Am Donnerstag, dem 20. März, begaben sich die Mitglieder der Zionistischen Exekutive und des Waad Leumi zum Oberkommissar Sir John Chancellor und übergaben ihm eine Beileidskundgebung zur Weiterleitung an die britische Regierung. Wie die JTA. erfährt, sind sich die jüdischen Behörden in Palästina darüber einig, daß Kundgebungen unter freiem Himmel im Zusammenhang mit dem Tode Balfours, besonders in Städten mit gemischter arabisch-jüdischer Bevölkerung, nicht stattfinden sollten. Oberflächliche Unterrichtung Die Veranstaltung der neugegründeten Arbeitsgemeinschaft der Jewish Agency, Ortsausschuß München-Augsburg, vom 27. Februar hat, so erfreulich sie war, und so stark sie den Willen zu einer gemeinsamen Arbeit von Zionisten und Nichtzionisten im Kähmen der Jewish Agency in den Worten jedes einzelnen der auftretenden Redner zum Ausdruck brachte, doch einen nicht ebenso erfreulichen Nachklang gehabt, und zwar in einem Bericht der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung“, der nach einer Schilderung des Verlaufs der Veranstaltung in einer grundsätzlichen und kritischen Schlußbemerkung ausmündet. Nicht als ob grundsätzliche und kritische Bemerkungen zu den strittigen und zweifellos auch komplizierten Fragen, die durch die Kooperation in der Agency entstanden sind, nicht erwünscht und nicht verdienstlich sein könnten — erwünscht sind sie immer, verdienstlich aber können sie, sofern der Grundgedanke der Kooperation anerkannt wird, nur dann sein, wenn die Grundvoraussetzung dieser Kooperation gleichfalls anerkannt wird, nämlich die unbedingte Bereitwilligkeit jedes Partners, den anderen Teil in seinen Anschauungen als gegeben hinzunehmen; keiner der beiden Teile darf sich anmaßen wollen, die Ideenwelt des andern verbindlich darzustellen und sie so gewollt oder ungewollt zu verfälschen und umzubiegen. Es hat sehr lange gedauert, bis die Notwendigkeit dieser Grundvoraussetzung eingesehen wurde und auch heute noch mag es Menschen geben, die gute Gründe dagegen anzuführen haben — gleichwohl beruht die Konstruktion der Agency auf dieser Voraussetzung und die Redner des Abends haben sie auch keineswegs außer acht gelassen. Die „Schlußbemerkung“ scheint zwar nicht das gleiche, aber etwas Ähnliches zu wollen, wenn sie davon spricht, daß für die Erkenntnis des mit dem Palästina-Aufbau und der Betätigung deutscher Juden für ihn verbundenen Problems nichts schädlicher sei „als eine oberflächliche Unterrichtung über die gegenseitigen Ideologien“ und als das unkritische Hinnehmen von Schlagworlen, eine Haltung, die die Juden hei anderen politischen oder weltanschaulichen Gruppen so sehr verpönen. Ein richtiger Grundsatz zweifellos, ein Grundsatz aber, gegen den der Verfasser dieser Schlußbemerkung leider selbst verstoßen hat! Es sei auf die etwas lieblose Wiedergabe der Ausführungen Goldmanns und die noch lieblosere Würdigung, die sie gefunden haben, gar nicht näher eingegangen und nur festgestellt, daß Goldmann keineswegs den Anspruch für die Wirklichkeit und die Geste für die Tat genommen hat, wenn er sich bemühte, zu zeigen, daß das Judentum in Palästina für die jüdische Zukimft und für die Gegenwart des Judentums eine unvergleichliche Bedeutung deshalb hat, weil es dort „wirklich“ ist und nicht nur gelehrt und gepredigt werden muß, wie hier. Es dürfte wohl doch ein Mißverständnis sein, hierin eine Unterschätzung des geistigen Judentums zu sehen — wer Goldmann kennt, weiß, daß man gerade ihm einen solchen Vorwurf am wenigsten machen kann. Freilich muß zugegeben werden, daß die Darlegungen Goldmanns von Zionisten und Nichtzionisten verschieden beurteilt werden können und daß es kein wertfreies Gedankensystem ist, was er gegeben hat; ein wertfreies Gedankensystem dürften aber ebensowenig die anderen Redner des Abends, Herr Ministerialrat Dr. Hirsch und Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer aufgestellt haben; darum ist es eine schlagwortmäßige Behandlung und nicht völlig loyal, dies ausgerechnet bei einem Redner festzustellen. Es sei auch nicht auf die von der Schlußbemerkung etwas apodiktisch behandelte Frage näher eingegangen, ob gegen die Zerklüftungen innerhalb der Zionistischen Organisation und die Doppelrechnung mit England und mit den Arabern die Zweiheit Deutschtum und Judentum kaum ein Problem sei; uns will scheinen, als ob heute auch Außenstehenden begreiflich sein sollte, daß die zionistische Bewegung von allen Gruppen, die ihr angehören, ebensosehr in einem höheren Sinne als verbindend und einigend angesehen wird, wie etwa Deutschland von allen deutschen Parteien und daß darum von einer Problematik, wie sie im Falle Judentum- Deutschtum vorliegt, hier nicht die Rede sein kann; aber das muß ein Nichtzionist nicht notwendig wissen, und wenn er es weiß, braucht er es nicht zu verstehen. Aber wissen muß heute auch ein Nichtzionist, der sich überhaupt mit diesen Fragen beschäftigt hat, daß eine andere mit dem vollen Anspruch auf Objektivität auftretende Feststellung in dieser Scblußbemerkung unhaltbar und schlimmer als das unkritische Hinnehmen eines Schlagwortes ist. Es ist einfach nicht wahr, daß die geistigen Elemente^ des Zionismus im Brith Schalom vereinigt sind. Mag sein, daß der Zionismus tatsächlich einen chauvinistisch faschistischen Flügel hat, auch darüber kann man verschiedener Meinung sein, aber niemand kann Weizmann, dein Führer der zionistischen Bewegung, vorwerfen, daß er ein Faschist oder ein ungeistiges Element, oder am Ende gar kein Zionist sei, niemand kann das etwa auch von Nahum Goldmann behaupten. Und Weizmann hat die Politik des Brith Schalom, der heute nur einen kleinen Teil der zionistischen Bewegung umfaßt, mag man das nun bedauern oder nicht, auf dem Delegiertentag der deutschen Zionisten in Jena scharf abgelehnt, er hat es jetzt in London auf der Sitzung des A.-C. von neuem getan. Goldmann hat sie noch viel schärfer kritisiert. Doch liegt nicht einmal in der Unrichtigkeit dieser Feststellung das entscheidend Verstimmende. Auch wenn man überzeugt davon sein darf, daß sie nur getroffen wurde um Nichtzionisten den Zionismus sympathischer zu machen und sie für den Gedanken der Agency zu gewinnen, so beinhaltet sie doch eine unzulässige Qualifikation des zionistischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.