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Das jüdische Echo · 1930-03-28 · 13 (28.3.1930) · p. Seite 180

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
13 (28.3.1930)
Date
1930-03-28
Page
Seite 180 (sequence 4)
Language
German
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180 Das Jüdische Echo Nr. 13 Rechte und die politische Stellung der Juden in irgendeinem anderen Lande beeinträchtigen könnte. Ich bitte Sie, diese Erklärung zur Kenntnis der zionistischen Föderation zu bringen. Arthur James Balfour. Die Balfour-Deklaration ist das Ergebnis eines Entwicklungsprozesses, dessen Anfänge in die ersten Zeiten der Zionistischen Organisation, vielleicht noch früher, zurückgreifen. Bereits in der englischen Literatur des 10. Jahrhunderts hatte die Idee der Rückkehr der Juden nach Palästina in führenden Persönlichkeiten (George Eliot, Laurent Oliphant u. a. m.) einflußreiche Vorkämpfer gefunden. Benjamin Disraeli (Lord Baconsfield) stand ihr sympathisch gegenüber. Als Theodor Herzl der Forderung nach einer jüdischen Heimstätte in Palästina programmatischen Ausdruck verlieh und zu ihrer Verwirklichung die Zionistische Organisation schuf, fanden seine Bestrebungen in England lebhafte Beachtung. 1903 ließ die englische Regierung dem Zionistenkongreß ein Angebot zugehen, ein Territorium in Britisch-Ostafrika (Uganda) für eine jüdische Siedlung zur Verfügung zu stellen. Das Angebot wurde vom Kongreß abgelehnt. Während des Weltkrieges propagierte das „British Palestine Committee“, dessen Zentrum Manchester war, die Schaffung einer Heimstätte für die Juden in Palästina unter britischer Oberhoheit. Diese Idee fand die Sympathien der damaligen führenden Staatsmänner Englands wie Balfour, Lloyd George, Lord Robert Cecil, des früh verstorbenen Sir Mark Sykes. Inzwischen war es den Bemühungen Prof. Chaim Weizmamns und Nahul Sokolows gelungen, mit Hilfe des von ihnen gebildeten politischen Komitees auch fernerstehende Kreise der britischen Judenheit für die Sache des Zionismus zu gewinnen. Sie fanden die Unterstützung führender Vertreter des engliscehn Judentums, insbesondere Lord Walter Rothschilds und des Reichsrabbiners Dr. J. H. Hertz. Auch die Unterstützung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Wilson, wurde gewonnen. Nach längeren Verhandlungen, in deren Verlauf die zionistischen Führer sich auch des Einverständnisses der französischen und der italienischen Regierung versicherten, wurde am 2. November 1917 die oben zitierte Erklärung in der Form eines Briefes des Außenministers Balfour an Lord Rothschild publiziert. Die Bestattung Lord Balfours London, 23. März. (JTA.) Lord Balfour wurde am Sonnabend, dem 22. März, auf seinem schottischen Landsitz in Anwesenheit der Familienmitglieder und seiner intimen Freunde bestattet. Die Zeremonie war die denkbar einfachste. Gleichzeitig fand in der Westminsterabtei ein Trauergottesdienst statt, zu dem in Vertretung des Königs der Herzog von York und unter der Führung des Ministerpräsidenten MacDonald mehrere Mitglieder der Regierung erschienen waren. Es waren ferner viele führende Persönlichkeiten des englischen öffentlichen Lebens zugegen. Die Trauer um Balfour Eine Kundgebung Professor Einsteins Berlin, 20. März. (JTA.) Professor Einstein hat zum Ableben Lord Balfours das folgende Telegramm durch die JTA. gesandt: „Kaum ein Mench hat für die moralische Gesundung des jüdischen Volkes so Großes getan wie Lord Balfour. Sein Name wird bei uns fortleben, solange es eine Judenheit gibt. A. Einstein. Die Trauer in England London, 19. März. (JTA.) Der König von England hat an den Bruder des verstorbenen Lord Arthur James Balfour ein Beileidstelegramm gesandt, in welchem er das Ableben Balfours als einen Verlust eines lebenslänglichen Freundes beklagt. Das britische Unterhaus hat, als die Nachricht vom Ableben Balfours eintraf, seine heutige Sitzung abgebrochen und sich zu Ehren dise Verstorbenen vertagt. Die in Politik und Wissenschaft führenden Männer Englands geben in Kundgebungen an die Presse der Trauer um den Verlust Balfours Ausdruck. Philipp Snowden nennt Balfour den letzten greßen Staatsmann der alten Generation. Der sozialistische Innenminister Cleines erklärt, Balfour war die bemerkenswerteste parlamentarische Erscheinung seit Gladstone. Über die letzten Stunden Balfours berichten die Zeitungen: Die Nacht vor seinem Tode lag Balfour mit offenen Augen und bei vollem Bewußtsein da. Kurz vor Sonnenaufgang fragte er seine Pflegerin: „Ist das Ende nahe?“ Die Pflegerin nickte. Daraufhin hat Balfour seinen alten Diener James Coltman, der ihn über dreißig Jahre lang bediente, an sein Sterbelager. Mit dem Aufwand seiner letzten Kraft reichte er ihm die Hand: „Lebe wohl, James, ich danke dir für alles das, was du für mich getan hast.“ Dann flüsterte Lord Balfour noch einige Abschiedsworte an seine Verwandten und starb ruhig und gelassen bei vollem Bewußtsein. London, 23. März. (JTA.) In allen Synagogen Englands wurde während der Sabbat-Gottesdienste am 23. März das El-Moleh-Rachmim-Gebet für Lord Balfour gesprochen. Die Englische Zionistische Föderation veranstaltete in diesen Tagen in der Albert Hall eine Gedenkversammlung für Balfour, in der Führer der drei politischen Parteien Englands Lord Balfours Arbeit für das Judentum in Palästina würdigen werden. Die Trauer der deutschen Zionisten Berlin, 21. März. (JTA.) Der geschäftsführende Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hielt aus Anlaß des Ablebens Lord Balfours am Donnerstag, dein 20. März, abends, eine Sitzung ab, in der beschlossen wurde, daß die Zionistische Vereinigung für Deutschland und die Berliner Zionistische Vereinigung Ende März, nach Rückkehr der Führer aus London, wo sie zur Teilnahme an den Tagungen des Zionistischen Aktionskomitees und des Administrative Committee der Jewish Agency weilen, eine große Trauerkundgebung veranstalten. Es wurde ferner beschlossen, an den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weizmann, eine Kundgebung zu senden, in der es ungefähr heißt: Die deutschen Zionisten vereinigen sich mit ihnen in der tiefen Trauer über den Verlust des großen Staatsmannes und unvergeßlichen Freundes des Zionismus. Die unvergängliche Balfour-Deklaration, die die Basis unseres Nailionalheims ist, verbürgt ein ewiges und treues Andenken an Balfour im jüdischen Volke. An den englischen Botschafter im Berlin wurde eine Beileidskundgebung mit der Bitte, sie der englischen Regierung zu übermitteln, gesandt. Palästinas Trauer Jerusalem, 20. März. (JTA.) Die Nachricht vom Tode Lord Balfours wurde von der hebräischen Tageszeitung durch Extra-Ausgaben im. ganzen Lande verbreitet und weckte überall tiefe Trauer. Alle jüdischen Ladenbesitzer schlossen spontan zum Zeichen der Trauer ihre Läden.

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