Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 12 (21.3.1930)
- Date
- 1930-03-21
- Page
- Seite 168 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Das Jüdische Echo Nr. 12 Auch im staatlichen zahnärztlichen Institut überfielen die antisemitischen Studenten während der praktischen Arbeiten ihre jüdischen Kollegen und Kolleginnen, schlugen mit Stöcken auf sie ein und warfen sie aus dem Institut hinaus. Dabei wurden einige jüdische Studenten verwundet. Am Abend wurde im Lokal des Vereins der jüdischen Medizinstudenten eine Versammlung abgehalten, in der gegen die barbarischen Taten der antisemitischen Studenten protestiert wurde. In Jassy Bukarest, 13. März. (JTA.) In Jassy kam es am 11. März zu schweren Ausschreitungen der antisemitischen Studenten gegen die jüdischen Universitätshörer. Mehrere jüdische Studenten wurden arg verprügelt, sehr schwere Verletzungen erlitten die jüdischen Studenten Oxman, Haimovici und Kadischman. Während sich die Tumulte abspielten, befand sich gerade der Unterrichtsminister, Universitätsprofessor Costachescu, in einem Laboratorium. Als er von den Ausschreitungen erfuhr, begab, er sich sofort ins Freie und ordnete die Verhaftung einiger der Schuldigen an. Auf seine Veranlassung wurden verhaftet der Präsident der national-christlichen Studentenliga Patrascanu und der Student Corian, der vor den Augen des Ministers einen jüdischen Studenten mißhandelte. Beide Verhafteten wurden nach Verhör durch die Polizei auf freien Fuß gesetzt. Minister Costachescu erklärte Pressevertretern, daß er gegen schuldige Studenten mit den strengsten Strafen Vorgehen werde; er werde nicht ruhen, bis es ihm gelingt, die Politik aus der Universität zu verbannen, selbst wenn die Gefängnisse mit Studenten gefüllt würden. xNeue antijüdische Propaganda an der Prager deutschen Universität Prag, 14. März. (JTA.) In den letzten Tagen gelangten in den Hörsälen der Prager deutschen Hochschulen abermals Flugzettel zur Verteilung, die „gegen die jüdische Überflutung der deutschen Lehrstätten“ gerichtet sind und in denen der Kampf „der sudetendeutschen Freiheitsbewegung gegen jüdische Überflutung proklamiert wird. Diesmal bilden die letzten Asta-Wahlen in Deutschland den unmittelbaren Anlaß zur antisemitischen Hetze. Hierzu bemerkt die „Selbstwehr“: „Die jüdische Studentenschaft und die gesamte jüdische Öffentlichkeit haben sich über die treibenden Kräfte dieser Machinationen bereits längst ein Urteil gebildet. Auch der Staat hat, glauben wir, ein Interesse daran, die Hintergründe so einer ,sudetendeutschen Freiheitsbewegung4 mit dem Kampfziel gegen die Jüdische Überflutung der Lehrstätten1, die er doch immerhin auch durch jüdische Steuergelder erhält, eingehend kennenzulernen. Es wäre auch an der Zeit, daß sich die Universitätsbehörden mit solchen »Freiheitsbewegungen1 beschäftigen würden, deren Bestrebungen vornehmlich gegen die Freiheit und Ordnung des Lehrbetriebes gerichtet sind.“ Vor der Veröffentlichung des Berichtes der Shaw-Kommission London, 14. März. (JTA.) „Times“ teilen heute mit, daß, wie verlautet, die Mitglieder der parlamentarischen Palästinakommission unter dem Vorsitz von Sir Walter Shaw in einer am 12. März abgehaltenen Sitzung den Bericht über ihre Wahrnehmungen in Palästina unterzeichnet haben. Entgegen den Gerüchten, daß einem von dem Vorsitzenden Sir Walter Shaw, dem Konservativen Sir Henri Betterton und dem liberalen Hopkin Morris Unterzeichneten Mehrheitsbericht ein vom Arbeiterparteiler Snell Unterzeichneter Minderheitsbericht gegenübersteht, glauben „Times“, daß der Bericht einmütig von allen Kommissionsmitgliedern unterzeichnet ist und daß Herr Snell nur gewisse Vorbehalte gemacht hat. Der Bericht werde, schreibt die Zeitung, ohne Verzögerung dem Kolonienminister Lord Passfield unterbreitet werden. Der politische Korrespondent des „Daily Chronicle“ teilt mit, daß der von allen Kommissionsmitgliedern Unterzeichnete Bericht mit den von Herrn Snell gemachten Vorbehalten bereits der Regierung unterbreitet worden ist. Der Korrespondent glaubt, daß in dem Bericht sehr definitive Ansichten zum Ausdruck gebracht worden sind. Im Gegensatz zur „Morning Post“ und „Daily News“, die glauben, daß die Feststellungen in dem Bericht den Arabern günstig seien („Morning Post“ teilte sogar mit, daß die Kommission eine Neuinterpretation der Balfour-Deklaration empfiehlt), erfährt „Daily Telegraph“, daß der Bericht keine Feststellungen zugunsten der einen oder der anderen Partei enthält und auch keine Anregung über die Bildung einer gesetzgebenden Körperschaft gibt. Wohl sei diese Frage von der Kommission in Erwägung gezogen, dann aber fallen gelassen worden. Hingegen werden allgemeine Vorschläge über Änderung des Verwaltungsapparates und Personenwechsel in verschiedenen Verwaltungsposten gemacht. Eine Revision des Mandates wird nicht einmal angedeutet. Ein großer Teil des Berichtes soll sich mit der Bodenfrage befassen. Wie die JTA. erfährt, rechnet man in eingeweihten Kreisen mit emer weiteren Verzögerung der Veröffentlichung des Berichtes, den die Regierung noch nicht entgegengenommen hat, weil sie sich veranlaßt gesehen hat, der Kommission gewisse Änderungen vorzuschlagen. Es handelt sich hierbei um Eliminierung jener Vorschläge und Empfehlungen, die die Hauptrichtlinien der englischen Politik in Palästina berühren und die außerhalb der Befugnisse der Untersuchungskommission liegen. Aus der jüdischen Welt Am 30. März 28. Jahresversammlung des Hilfsvereins Berlin, 16. März. (JTA.) Die 28. Jahresversammlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden findet in Berlin, Sonntag, den 30. März 1930, vormittags 11 Uhr, im „Hotel Kaiserhof11 statt. Über die Tätigkeit des Hilfsvereins im Jahre 1929 werden die Herren Dr. James Simon, Direktor M. Joachimssohn und Generalsekretär Dr. M. Wischnitzer berichten. Im Anschluß an die Jahresversammlung wird Herr Dr. Ernst Feder (Berlin) über „Politik und Humanität“ sprechen. Zionistische Jugendführertagung in Berlin Berlin, 13. März. (JTA.) Am 9. März fand in Berlin eine von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland einberufene Jugendführertagung statt, an der etwa zweihundert Jugendliche aus allen Teilen des Reiches teilnahmen. Es waren alle zionistischen Bünde vertreten. Der Tagung kam dadurch eine ganz besondere Bedeutung zu, daß nach vielen Jahren zum ersten Male eine Zusammenkunft sämtlicher zionistischen Jugendgruppen stattfand.