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Das jüdische Echo · 1930-03-21 · 12 (21.3.1930) · p. Seite 165

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
12 (21.3.1930)
Date
1930-03-21
Page
Seite 165 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 12 Das Jüdische Echo 165 ratur zuzuschreiben. So hat die hebräische Sprache durch ihre Lebendigkeit und Unmittelbarkeit mit viel stärkerer Glut Erez-Israels-Sehnen und -Verstehen erweckt, als es jeder Vortrag und jede noch so gelungene Abhandlung je hätte tun können. Etwa vierzig Schüler zählt diese Sprachschule und unter ihnen sind eine ganze Reihe, die die hebräische Umgangssprache schon voll beherrschen und jetzt mit dem Erlernen des Tenach und der neuhebräischen Sprache beschäftigt sind. Sichoth (Gespräche), die nach mehrmonatiger Unterbrechung in letzter Zeit wieder eingeführt worden sind, ermöglichen den Schülern sämtlicher Kurse, sich einmal zweiwöchentlich bei Anhörung eines hebräischen Vortrags bei seiner Besprechung über ihre Fortschritte im Sprechen und Verstehen zu informieren. An diesen Sichoth nehmen nicht nur Angehörige der Sprachschule teil, und manchmal glaubt man sich nach Palästina versetzt, wenn man einer solchen Versammlung beiwohnt, in der Referent und Publikum nur hebräisch sprechen. Die Schüler setzen sich aus allen Schichten und Altersklassen der hiesigen Zionisten zusammen und fast bei allen ist ein großer Lerneifer und ein entsprechender Fortschritt zu verzeichnen. Hebräische Lieder und Zeitungen aus Erez Israel geben dem Unterricht ein lebendiges Gepräge; hauptsächlich der Kurs der Kleinsten — der Kinderkurs — findet an den hebräischen Liedern seine besondereFreude. Und so bleibt der hebräischen Sprachschule in Nürnberg nichts zu wünschen übrig, als ein weiteres Gedeihen und ein dauerndes Anwachsen ihrer Schülerzahl. Sch. Schalom Ehrung der Gründungsmitglieder Die Mitglieder der Zionistischen Ortsgruppe Nürnberg-Fürth ehren anläßlich des 25jährigen Bestehens der Ortsgruppe die Gründungsmitglieder 1. Phil. Heimann, Fürth, s. A., 2. Dr. G. B 1 o e d e , Hamburg, 3. Dr. S. Rosenblüth, Frankfurt, s. A., 4. E. Oberndorfer, Fürth, 5. Lazar Singer, Fürth, s.A., 6. Leon Friedmann, Frankfurt, 7. Josef Fischer, Fürth, 8. Felix Koref, Berlin, 9. Jonas Reich ard, Kassel, 10. Samuel Dünner, Berlin, 11. David Schönberg, Fürth, 12. J. M i 11 n e r , Berlin, 13. Salomon Heinemann, Nürnberg durch Eintragung in das Goldene Buch des Keren Kajemeth Lejisrel. Es spenden: Jakob Blumenfeld, Frau Architekt Faeßler (Fürth) je 25.—; Dr. Rudolf Liebstädter, Dr. Meinhold Nußbaum, Bernhard Freimann, Franz Steinhardt, Dr. E. Thalmann, Georg Spiro, Harry Bein, Dr. Theo Katz je 20.—; R.-A. Max Stern, Dr. A. Singer, Frl. Dr. M. Riesenfeld, Heinrich Engel, Frau Dr. Grünbaum, Siegfried Kahn, Mendel Nußbaum, Dr. J. Bamberger, Dr. K. Dankwerth, Adolf Schuhmann, Frau Dr. Kronacher, Frau Leo Katzenberger, Dr. Gundersheimer je 10.—; R.-A. Feilchenfeld, Dr. D. Karpf, Dr. Strauß-Reich, Nathan Nußbaum, Adolf Reif, Josef Blumenfeld, Karl Weil, Fritz Stern, Trude Fisch, Dr. Offenbacher (Fürth) je 5.—; Dr. H. Warburg, Helene Bloch, Familie Ellern, Kusmirek (Fürth) je 3.—; Frau Martha Farntrog 2.—; insgesamt 403 RM. Vor Toresschluß Brief aus Litauen Das neue südafrikanische Einwanderungsgesetz, das die Zahl der Einwanderer aus Polen, Litauen, Lettland, Rumänien und Palästina auf 50 Personen aus jedem der genannten Länder beschränkt, richtet sich nur gegen die Juden und besonders gegen die litauischen. Denn der überwiegende Teil der südafrikanischen Juden stammt aus Litauen und ermöglichte in Litauen lebenden Verwandten und Freunden die Zuwanderung nach Südafrika. Noch im vorigen Jahre sind aus Litauen 1400 Juden nach Südafrika gezogen und nun ist auch diese letzte Möglichkeit, aus der Enge der heimatlichen Verhältnisse nach Übersee zu entfliehen, abgeschnitten. Das neue Einwanderungsgesetz hätte am 1. Juli 1930 in Kraft treten sollen. Der südafrikanische Senat nahm jedoch einen Zusatz zum neuen Gesetz an, der die neuen Bestimmungen schon für den 1. Mai 1930 als verbindlich erklärt. Dieser Zusatz wurde vom Parlament ohne weiteres, trotz des Widerstandes von General Smuts und der wenigen jüdischen Deputierten, gebilligt. Infolge dieser Sachlage sehen sich diejenigen jüdischen Auswanderungslustigen in Litauen, die schon von früher ein Einreisevisum nach Südafrika besitzen, gezwungen, ihre Abreise so zu beschleunigen, daß sie noch vor dem 1. Mai das gelobte Land Südafrika betreten, denn nach dem 1. Mai würde man ihnen, obwohl sie im Besitze einer Einreisebewilligung sind, die Landung nicht gestatten, weil das Gesetz keine Ausnahmebestimmungen für Visuminhaber enthält. Diese Auswanderer reißen sich nur sehr schwer aus der heimatlichen Enge und Not weg. Sie sind sicherlich keine Abenteurer- und Zigeunernaturen, die aus Fernweh der Heimat den Rücken kehren. Es handelt sich in fast allen Fällen um jüdisch bewußte Menschen, denen davor graut, in Verhältnisse zu kommen, wo der Einfluß der übermächtigen Außenwelt ihre jüdische Substanz unterhöhlt und vermindert. Mit Begeisterung und Liedern auf den Lippen ziehen sie nur nach Palästina, wo sie ein jüdisches Milieu erwartet. Nach Südafrika reisen sie nur mit einem Gefühl der Bangigkeit, unter dem harten Zwang der Notwendigkeit. Darum pflegt ein Inhaber eines Visums nach Südafrika seine Abreise, so lange es geht, zu verschieben. Es finden sich immer Gründe, weswegen man noch einige Monate oder Wochen mit der Abreise wartet: die Schwester hat noch nicht geheiratet, die Tante aus Riga ist noch nicht gekommen, von der man Abschied nehmen muß und was solche Hindernisse noch mehr sind. Nun geht das alles nicht mehr. Es heißt, rasch die Sachen packen und Hals über Kopf abreisen. Am 1. Mai wird das Tor nach Südafrika zugeschlagen und man muß sich beeilen, noch vor Toresschluß ins Land zu schlüpfen, natürlich nur, wenn man so glücklich ist, noch lange vor Annahme des Einwanderungsgesetzes in Südafrika ein Visum bekommen zu haben. Die anderen aber, die kein Visum haben, sind um eine schwache Hoffnung in ihrem Leben ärmer. Ohnehin hatten nicht alle Juden, die in Litauen ihr Brot nicht zu verdienen vermögen, die Möglichkeit, nach Südafrika zu wandern. Die wenigsten haben drüben Verwandte und noch weniger können sie die hohen Reisekosten aufbringen. Aber immerhin, in traurigen Stunden konnte man von einem Wunder phantasieren, vielleicht wird man die Schiffskarte auf Pump bekommen, vielleicht wird ein Bekannter, der schon drüben ist, gute Geschäfte machen und sein Versprechen einlösen, dem zu

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