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Das jüdische Echo · 1930-03-21 · 12 (21.3.1930) · p. Seite 163

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
12 (21.3.1930)
Date
1930-03-21
Page
Seite 163 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 12 163 Das Jüdische Echo Jahren eine hebräische Sprachschule, sind die von Percikowitsch eingerichteten hebräischen Unterhaltungsabende seit langem eine ständige Einrichtung. Eine Erscheinung wie Herr Dr. Bamberger, der — von seiner Gattin vorbildlich unterstützt ■— mit unermüdlicher täglicher Arbeit auf allen Gebieten der zionistischen Praxis eine umfassende jüdische Bildung verbindet, ist eine seltene Ausnahme. Welches Interesse wirklich gute geistige und kulturelle Darbietungen erwecken können, bewies im vorigen Jahr der Kursus von Dr. Max Mayer, bewies vor allem die denkwürdige Habimah-Vorstellung vom Winter 1928, in der etwa 2200 Personen nachts von 10% bis 3 Uhr in atemloser Spannung der hebräischen Aufführung des Dybuck folgten. Daß man sich durch eigene systematische Arbeit jüdisch wirklich weiter bilden kann, beweist der von Frau Dr. Marie Mayer vor Jahren ins Leben gerufene Kreis von Frauen, der seine Geschichtsstudien ununterbrochen weiterbetreibt. Ein engerer Kontakt mit jüdischem Leben und der neuen hebräischen Kultur in Palästina könnte wohl hergestellt werden, wenn es den Ortsgruppen gelänge, eine ständige persönliche Fühlung mit den aus ihrer Mitte hervorgegangenen Palästinensern zu unterhalten. Die Zionistische Ortsgruppe Nürnberg wäre dazu wohl in der Lage, da eine ganze Anzahl ihrer Mitglieder das zionistische Ideal voll verwirklicht hat und nach Palästina übergesiedelt ist. Überblicke ich die 13 bis 14 Jahre, während deren ich in der hiesigen Ortsgruppe tätig bin, und noch weiter rückwärts meine zionistische Laufbahn bis zum Jahre 1907, so kann ich eines feststellen: Die „großen“ Ereignisse wie Balfour-Deklaration, San Remo, Bildung der erweiterten Jewish Agency waren nur kurze, lichte Momente. Normalerweise erschien die Gegenwart krisenhaft, schwunglos und unzulänglich, die Zukunft dunkel und voller Gefahren. Und trotzdem hat sich der Zionismus in dieser Zeit zu einem weltpolitischen Faktor entwickelt, eine bedeutende reale Position in Palästina geschaffen und dem Judentum das geistige Gepräge gegeben. Hoffen wir, daß bis zum fünfzigjährigen Stiftungsfest der Zionistischen Ortsgruppe Nürnberg-Fürth der Zionismus — und unsere Ortsgruppe im besonderen —■ unter ständiger Unzufriedenheit und Krisenstimmung sich in demselben Grade weiter entwickelt wie in den verflossenen 25 Jahren. Erinnerungen eines Nürnberger Zionisten Von Dr. Ludwig Mayer (Berlin) Als ich im August 1918 nach Nürnberg kam, waren fast alle männlichen Mitglieder der Ortsgruppe im Feld und nur wenig Arbeitende vorhanden. Das Interesse am Zionismus war aber in der Nürnberger Judenheit damals ständig im Wachsen begriffen. So konnten wir — ich hatte gleich das Amt eines Schriftführers usurpiert — mit Beginn des Herbstes, in dem sich das Kriegsgeschick entscheiden sollte, daran gehen, eine öffentliche Versammlung zu veranstalten. Wir wählten als Redner Nahum Goldmann, der sich bereit erklärte, Anfang Oktober 1918, als der Krieg noch im vollen Gange war, über das Thema zu sprechen: „Was hat das Judentum von der Friedenskonferenz zu erwarten?“ Man kann sich denken, daß das Thema, schon weil das Wort Frieden darin vorkam, eine große Sensation bedeutete. Wir reichten, wie das damals so vorgeschrieben war, den Vortrag dem Generalkommando zur Genehmigung ein. Dieses erklärte sich bereit, ihn zu genehmigen, verlangte aber eine Disposition des Vortrages. Da wir keine Ahnung hatten, was Goldmann im einzelnen sagen würde, so reichten wir eine Übersicht dessen, was er unter Wahrung der Belange des Generalkommandos möglicherweise sagen konnte, ein, wobei wir, um dem Ganzen den Charakter des Ordentlichen und der richtigen Disposition zu geben, mit römisch Eins und klein a usw. nicht sparten. Der Tag der Versammlung kam heran. Nachdem die Aufregung vorüber war, die dadurch entstand, daß der Referent, wie viele seiner Art, überall zu finden war, außer da, wo der Vorstand ihn suchte, begaben wir uns mit ihm zum Versammlungslokal, dem großen Saal des Luitpoldhauses. Schon beim Herannahen hörte man ein gewaltiges Summen. Fs entstammte einer Menschenmenge, die sich teils dicht gedrängt im Saale aufhielt, teils vergebens Einlaß suchte. Eine unserer energischsten Damen stand mit ausgebreiteten Armen vor der Eingangstür und wehrte den Eindringenden, für die es keinen Platz mehr zu geben schien, bis sie schließlich der Übermacht weichen mußte. Es fanden dann doch alle, teilweise an den unwahrscheinlichsten Stellen Platz, und der Vortrag, der die jüdischen Ansprüche an die Welt meisterhaft formulierte, konnte unter gespannter Aufmerksamkeit und großer Begeisterung vor sich gehen. Wenige Wochen darauf war der Krieg zu Ende; die Revolution brach aus, in Nürnberg am Samstag, dem 9. November. Alles war erregt, Demonstrationszüge zogen durch die Stadt, abends hörte man sogar vereinzelte Schüsse. Gerade auf diesen Abend hatten wir nun den ersten Vortrag von einem Zyklus angesetzt, der den Zionismus und seine Grundlagen vor einem geladenen Publikum behandeln sollte. Wir waren sehr im Zweifel, ob wir ihn überhaupt abhalten sollten. Kein Mensch schien Interesse an etwas anderem als an der Revolution und am Waffenstillstand zu haben. Somit drohte wieder dieselbe Gefahr wie bei Kriegsbeginn, daß nämlich Entwicklungen von außen uns und damit andere von der Arbeit für unser zionistisches Ziel ablenken würden. Dies wollten wir jedenfalls vermeiden. Wir beschlossen daher, den Vortrag unter allen Umständen abzuhalten, selbst wenn von den Außenstehenden, auf die wir rechneten, .niemand da wäre; dann eben als Demonstration. Aber als wir in das Vortragslokal kamen, hatte sich doch eine ganz stattliche Anzahl Leute eingefunden. Dr. Nußbaum, der präsidierte, eröffnete mit dem Goethewort: Nord und Süd und West zersplittern, Throne bersten, Reiche zittern, Flüchte du, im reinen Osten Patriarchenluft zu kosten. Die damals beginnende Vortragsreihe hat uns — was es damals noch gab — eine ganze Reihe neuer Mitglieder zugeführt. Überhaupt entwickelte die Ortsgruppe eine eifrige Tätigkeit. Bald wurde ein hebräischer Lehrer gewonnen und, was damals eine unerhörte Kühnheit schien, ein Büro eröffnet. Zwar fristete dieses zunächst ein dunkles Dasein in einem kleinen Gelaß in der Handelsschule unseres leider so früh verstorbenen Gesinnungsgenossen Lipper. Das Material hatte zunächst in der Wachstuchtasche unserer ersten Sekretärin Platz. Aber bald wuchsen die Räume und das Personal, es kam der erste Sekretär in der Person von Karl Glaser, es kam die Gründung des Keren Hajessod, es kamen

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