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Das jüdische Echo · 1930-03-21 · 12 (21.3.1930) · p. Seite 159

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
12 (21.3.1930)
Date
1930-03-21
Page
Seite 159 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Das Jüdische Echo 159 Nun aber kam der neue Herzl, der Zionismus, das Basler Programm, das jüdische Volk und Erez Israel. Dagegen lehnten sich die Gemeinden Nürnberg- Fürth auf. Wie schnell war es ruchbar geworden, daß ein paar Leute sich zusammen tun wollten, um diese zionistische Pest zu verbreiten. Die Gründungssitzung sollte im Gemeindesaal stattfinden. Was ist natürlicher? Eine jüdische Sache, von Juden, für Juden, wo kann sie besser erörtert werden? Ein Besuch heim damaligen Rabbiner, einem herzensguten, freundlichen Mann, dem wir manche schöne Schrift verdanken, so über Maimonides, von dem er u. a. schreibt, daß er sein Werk der ganzen Nation gewidmet habe, ergab Ablehnung. Dafür wäre der Saal nicht da, wir Zionisten hätten auch sehr viel Geld, um unsere Ziele ohne Propaganda zu erreichen. Der wichtigste Mann der Gemeinde damals war aber natürlich nicht der Rabbiner, sondern ein Kaufmann. Hin zu ihm. Feierlicher Besuch. Erklärung. Gegenerklärung: ,,Wir in Bayern. Hat die Sonne nicht auch Flecken? (wörtlich). Wir können die Zionisten nicht hindern, ein Vereinte zu gründen, aber wir werden ihnen alle Schwierigkeiten machen.“ Und ganz zum Schluß: Die Zionisten werden doch nicht an den Anschlagsäulen plakatieren? Ja, gerade das wollen sie. Inserieren, plakatieren, referieren, diskutieren in aller Öffentlichkeit, laut, deutlich, oft. Der Erfolg dieses Besuches war denn auch f f f, also hochpositiv. Das ergab denn sofort, daß die Ortsgruppe nicht wie in anderen bayerischen Städten den Kulturu. ä. Vereinen zugerechnet wurde, sondern, sie war ja. ansteckend, zu den politischen Vereinen gesellt wurde, was Erschwerungen aller Art nach dem damals geltenden bayerischen Vereinsgesetz brachte. Indes das Wichtigste war doch geschehen, die Gründung war vor sich gegangen wenn auch in einem häßlichen Caferaume. In Fürth wurde die erste, im „goldenen Adler“, in Nürnberg die zweite öffentliche Versammlung abgehalten, letztere von allen Prominenten besucht, um unsere sündigen Seelen vom Irrwahn zu befreien. In schwierigsten Zeiten begann die Ortsgruppe ihre Arbeit. Aber ist zionistische Arbeit nicht immer schwierigst? Innerlich ging damals der Kampf um den VII. Kongreß: Uganda. Gerade diese Frage erregte die Gruppe auf das stärkste, vermehrte aber die zionistische Kenntnis und Gesinnung. Ging es bei uns auch nicht so zu wie bei den russischen Freunden, deren Hauptnahrungsniittel damals Papyrossi, Tee und Diskussionen gewesen sein sollen, so herrschte doch reger Gedankenaustausch. Äußerlich: Damals herrschten wieder entsetzliche Metzeleien in Rußland. In unserer Protestversammlung sahen wir die Gemeinde bei uns, die also doch anfing, mit jüdischen Augen uns zu betrachten. Diese Veranstaltung machten wir dann auch noch in München, vor einem Publikum von Tausenden. Wir trieben unsere Arbeit auch außerhalb, wir sind nach Regensburg, Würzburg und anderen Orten gegangen. Wir hatten nicht die Stimmung, die zuweilen Herzei anfangs befiel: den Juden ist vorläufig nicht zu helfen. Wenn einer ihnen das Gelobte Land zeigte, würden sie ihn verhöhnen. Im Gegenteil. Wir wehrten uns kräftiglich in monistischen Versammlungen u. ä. Auch Kanzelangriffen waren wir ausgesetzt. Man tat von allen Seiten etwas, um uns auf den guten Weg zu bringen. Wir glaubten ihn vornehmlich durch Gründung eines jüdischen Turnvereins zu betreten. Wir hatten hierzu eine Versammlung in Fürth angesetzt. Männiglicli war herbeigeeilt, anscheinend hatten wir die Gegner an empfindlicher Stelle getroffen. Wir konnten so in breitester Art unser Programm und die zionistische Seite des Turnens erörtern. Ganz allein auf uns gestellt, trieben wir die Propaganda nach Kräften. Der Erfolg? „Alte Gefangene gehen nicht gern aus dem Gefängnis. Man muß sie locken und stoßen und jeden Widerstand vor ihnen wie in ihnen hinwegräumen.“ Wir begriffen deshalb die Wichtigkeit die zionistischen Kräfte Bayerns in einer Gruppentagung zusammenzufassen. Allein die Mängel der Organisation waren noch zu groß, die Partei noch zu schwach. So auf den Beginn rückschauend, laßt uns fröhlich sein, Freunde, wie gute Kämpfer, die ihres Sieges gewiß sind. Ja, wir arbeiteten unter Zwang, ähnlich wie die Gegner. Doch unser Zwang soll und wird sie bezwingen. 25 Jahre Zionismus in Nürnberg Von Dr. J. Bamberger (Nürnberg) Wer zu jener Zeit sich in Nürnberg als Zionist bekannte, wurde für nicht ganz normal gehalten, jedenfalls kompromittierte man sich stark. Nürnberg war damals, oberflächlich betrachtet, die Hochburg des Freisinns, der Juden als Magistratsräte und Mitglieder des Gemeindekollegiums, als Landräte und Landtagsabgeordnete in seinen Reihen aufzuweisen hatte. Und damit war für viele Leute die „Judenfrage“ gelöst. Man wollte nichts davon wissen und noch weniger wollte man es ernst nehmen, daß vor Reichstagswahlen regelmäßig Stöcker hier mit großem Erfolge vor weiten protestantischen Kreisen über seine politische Anschauung referierte und gegen Juden und Judentum polemisierte. Auch andere Zeichen dafür, daß von einer innerlich ins Volksbewußtsein eingezogenen Überzeugung von der wahren Gleichberechtigung der Juden nicht die Rede sein konnte, wollte man nicht erkennen: die Heimschen Angriffe auf die jüdischen Richter, Wehners verletzende Bemerkungen im Landtag gegen die jüdischen Lehrer an Mittelschulen, die Zurückweisung jüdischer Volksschullehrer von den Simultanschulen, die damals städtisch waren, beachtete man nicht, obwohl diese Dinge auch in Nürnberg sich auswirken mußten und vom politisch einflußreichen Freisinn in Nürnberg hätten zurückgewiesen werden können. In der damaligen Nürnberger Judenheit hat man sich bewußt bemüht, auf all diese Dinge nach außen nicht zu reagieren: Man sollte von den Juden so wenig wie möglich reden und man wollte keine öffentliche Diskussion über die Judenfrage. Es wäre ganz interessant, das im einzelnen zu belegen durch die Art der Namengebung für jüdische Vereinigungen und die Form, wie man Annoncen in den Zeitungen für jüdische Vorträge usw. veröffentlichte, wie man gewisse Organisationen nicht in Nürnberg, sondern in Fürth etablierte. Solches Verhalten nach außen, das uns in den mannigfachsten Variationen von überall her bekannt ist — Mensch draußen und Jude im Innern —, mußte natürlich auf das Judesein im Innern stark auflösend einwirken: Einführung der Orgel ohne die Gewissenspflicht zu empfinden, von vorneherein und aus freier Entschließung auch für die Gegner der Orgel sorgen zu müssen; die gegen

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