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Das jüdische Echo · 1930-03-14 · 11 (14.3.1930) · p. Seite 144

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
11 (14.3.1930)
Date
1930-03-14
Page
Seite 144 (sequence 4)
Language
German
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144 Das Jüdische Echo Nr. 11 botham erkennt an, daß man einen weitgehenden Personalwechsel in den Verwaltungsbehörden vornehmen müsse, wenn die Mandatspolitik der englischen Regierung irgendeinen Erfolg zeitigen soll. In der antizionistischen Argumentation kehrt immer und immer die Rolle Palästinas als angebliche finanzielle Belastung des britischen Steuerzahlers wieder. Sidebotham unterzieht nun gerade diese Seite des Palästinaproblems einer eingehenden Analyse. Er weist an Hand von genauem statsistischem Material nach, daß Palästina nicht nur eine finanzielle Stabilität aufweise, sondern daß die Palästinaverwaltung sogar imstande gewesen sei, im Laufe von sieben Jahren einen Überschuß von 1 500 000 Pfund Sterling zu erzielen. Diese günstige Lage der öffentlichen Finanzen Palästinas ist im wesentlichen der Zionistischen Organisation zu verdanken, die der Regierung die Lasten für Erziehung, Kolonisation und Gesundheit großteils abgenommen hat, ohne dafür irgendwelche Verpflichtungen zu haben.“ Ohne die Juden würde Palästina immer (für England) eine finanzielle Belastung bedeuten. Mit ihnen ist es — vom rein britischen Standpunkt aus gesehen — die billigste aller Reichsnotwendigkeiten.“ Sidebotham schließt seine Broschüre, die als Memorandum an das englische Parlament verfaßt wurde, mit einer Untersuchung über die Stellung Palästinas im Rahmen der British Empire. Er zeichnet ausführlichst die strategische Lage Palästinas, des „Key of the Empire“, des Schlüssels des Weltreiches“, wie die Engländer sagen. Er weist nach, daß durch ein starkes jüdisches Gemeinwesen in Palästina der Schutz und die Sicherheit des Suezkanals garantiert wäre, was eine politische Stabilisierung des Vorderen Ostens bedeuten würde. Nur der Jude sei imstande, modernen Geist und moderne Zivilisation nach dem Orient zu verpflanzen und ihn sogar zu seiner einstigen Bedeutung zu erheben. Die Engländer hätten das stolze Privileg, dieses Werk des Friedens zu unterstützen. „Wir können nicht den Gewinn berechnen“, schließt Siedebotham, „den uns die Dankbarkeit der Weltjudenheit bringen wird. Aber solche Imponderabilien sind die stärksten Realitäten der Politik.“ Neue Probleme der Bodenpolitik Zur Purimaktion des Keren Kajemeth Lejisrael Über dieses Thema sprach am vergangenen Montag Herr Dr. Georg Landauer im jungzionistischen Arbeitskreis. Er führte etwa folgendes aus: Das Instrument unseres Bodenerwerbs in Palätina, der Keren Kajemeth Lejisrael, erfreut sich zwar einer großen Popularität bei der Judenheit, doch bezieht sich gewöhnlich das Hauptinteresse auf die Sammelarbeit im Galuth, auf die Aufbringung der Gelder und nur sehr wenig beschäftigt sich die öffentliche Meinung mit den Problemen der Verwendung dieser Gelder in Palästina, mit den Fragen der Bodenkaufspolitik. Dabei gab es immer im Zionismus Männer, die gerade auf die Wichtigkeit dieser Fragen hinwiesen, vor allem Artur Ruppin, der schon vor Balfourdeklaration und Mandat als Leiter des Palästina-Amtes die Palestine Land Development Compagny (PLDC) begründete. Diese Gesellschaft kauft eigentlich Böden aus arabischer Hand und gibt sie dann an den KKL. und auch an private Käufer weiter. Aber um die Bodenpolitik zu einem Thema der gesamtzionistischen Diskussion zu machen, bedurfte es der letzten Ereignisse in Erez Jisrael. Von den 6 Millionen Dunam bearbeiteten Bodens in dem 22 Millionen Dunam großen Lande sind 1.2 Millionen Dunam in jüdischem Besitz. Vor der Untersuchungskommission machte die arabische Darstellung der Bodenprobleme, der Gefahren des jüdischen Landerwerbs besonderen Eindruck und erst daraufhin begann man in zionistischen Kreisen mit Versuchen und Vorschlägen, um die Prinzipien unserer Bodenpolitik zu klären. Doch haben sich bis jetzt noch keine festen Ergebnisse gezeigt; von den verschiedenen Plänen ist auch der einer Kompensation der Araber in der Bodenfrage für uns unannehmbar, da wir uns auf eine Beschränkung unserer Ausdehnungsmöglichkeiten nicht einlassen können. Sehr wichtig und schwierig wird vor allem in Zukunft die Frage sein, was mit den Fellachen geschehen soll, die auf vom KKL. erworbenem Lande wohnen. In vielen Fällen hat man bisher die Pächter, die den Boden einer der großen arabischen Grundbesitzerfamilien innegehabt hatten, entschädigt und zur Abwanderung veranlaßt. Gerade hierbei wäre eine großzügige jüdische Politik etwa der Transplantation sehr nötig, um die schädliche Vermehrung eines städtischen Proletariats zu verhüten. Noch viel schwieriger aber werden die Probleme sein,, die uns die arabischen Dörfer auf jüdischem Boden zu lösen geben werden. Heute ist dies nicht so akut für uns wie es zu der Zeit sein wird, wenn eine arabische Agrarbank den an die Effendis verschuldeten Fellachen Kredite auf ihren Boden gewähren, damit neu größere Bodenflächen in arabischer Hand sammeln und uns beim Landkauf Konkurrenz machen wird. So stellt die arabische Agrarbank, die gegründet werden und das wirtschaftliche, politische und geistige Niveau der Fellachen heben wird, was ja auch wir wünschen, auf der anderen Seite eine Gefahr für uns dar. Oft wurde als Grundlage, mindestens zur Förderung unseres Aufbaus, eine große Bodenfrage verlangt. Das Land sollte den Großgrundbesitzern, die es nicht intensiv bebauen lassen können, entzogen und der Kolonisation zugänglich gemacht werden. Aber heute und für die nächste Zukunft besteht keine Aussicht auf Realisierung dieser Forderungen, denn die politischen Kräfte, die eine Bodenreform durchsetzen könnten, sind in Palästina nicht vorhanden. Die maßgebenden Kreise der Effendis sind selbst an der Beibehaltung des jetzigen Zustandes interessiert und die Fellachen haben genug Land und erkennen überdies noch willig die Effendis als ihre politischen Führer an. Die Regierung müßte also eine Reform allein im Interesse der Juden durchführen und dies kann niemand erwarten. Worin liegt die eigentliche Bedeutung des Keren Kajemet für den Aufbau Erez Jisraels? Sie liegt nicht so sehr in der Tatsache, daß er Boden erwirbt, als in den Prinzipien der Verwaltung dieses erworbenen Bodens. Das Land wird unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes und den Siedlern in Erbpacht gegeben. Fehlt dem Siedler, dem sein Boden nicht selbst gehört, nicht das nötige Interesse an dem Erfolg seiner Arbeit und wird nicht seine Kolonisationskraft dadurch geschwächt, daß er keine Hypotheken aufnehmen kann? Die praktische Erfahrung beweist gerade das Gegenteil. Den Siedlern auf KKL.-Boden wurden zuerst Kredite aus Amerika gegeben. Diese

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