Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 11 (14.3.1930)
- Date
- 1930-03-14
- Page
- Seite 143 (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummerli 14. März 17. Jahrgang Englands stolzes Vorrecht Ein Engländer über das Palästinamandat Von Wilhelm Ebenstein j[Wien) Noch ist der Bericht der Palästina-Untersuchungskommission nicht erschienen. Es ist ferner fraglich, ob die von Balfour, Smuts und Lloyd George vorgeschlagene, mit größeren Vollmachten ausgestattete Kommission zur Neufestsetzung der politischen Methoden bei der Verwirklichung des jüdischen Nationalheims eingesetzt werden wird. Mittlerweile bildet die Frage der zukünftigen Entwicklung Palästinas Gegenstand lebhaften Interesses vieler Politiker und Publizisten. In dem Chor der zahlreichen Stimmen, die allesamt für die Beibehaltung des Mandates durch England und für die Fortsetzung der Politik des jüdischen Nationalheims sind, ist eine Broschüre des bekannten englischen Publizisten Sidebotham bemerkenswert, weil sie als Memorandum an die Mitglieder des englischen Unterhauses verschickt wurde und weil sie vom englischen Standpunkte aus klar die Vorteile des jüdischen Nationalheims für das British Empire darstellt. Es ist sonst nicht englische Art, die Karten beim politischen Spiele restlos aufzudecken. Die wahren Ziele werden gewöhnlich stillschweigend übergangen und die übliche Diskussion bewegt sich nach englischem Brauch zumeist in den Bahnen des Nebensächlichen. Um so erfreulicher ist die rücksichtslose Darstellung der von den weitsichtigen englischen Politikern in bezug auf Palästina gehegten Absichten. Ohne uns alle Behauptungen von Sidebotham zueigen zu machen, geben wir im nachfolgenden eine Würdigung der Broschüre wieder, die bisher in der Öffentlichkeit leidenschaftlich gutgeheißen und bekämpft wurde. * * * Herbert Sidebotham ist ein englischer Publizist, der der zionistischen Welt seit Jahren gut bekannt ist. Seine politischen Bücher, Pamphlete und Aufsätze haben ihn immer als einen treuen und verläßlichen Freund der zionistischen Sache gezeigt. (Leider wurden sie bisher nicht ins Deutsche übertragen.) Nun freut es uns wieder, ihn auf dem Posten zu sehen, wenn es gilt, das wahre politische Antlitz des Zionismus .gegenüber Verleumdungen und mutwilligen Entstellungen zu verteidigen. Seine letzte Schrift: „British Policy and the Palestine Mandate: Our Proud Privilege“, erschienen bei Ernest Benn Ltd, London, die unter dem Eindruck des arabischen Aufstandes in Palästina verfaßt wurde, ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem schweren Wege der politischen zionistischen Arbeit. Gerade in letzter Zeit sind ja Stimmen laut geworden, die, die Balfour-Deklaration als ein leeres Kriegsversprechen hinstellend, bagatellisieren wollen, die dem jüdischen Volke das Recht auf Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina bestreiten wollen. Denn das ist ja unsere conditio sine qua non: daß wir nach Palästina gestützt auf unser Recht gehen können und nicht auf Duldung seitens der Araber. Auf Grund der diplomatischen Verhandlungen Großbritanniens mit Frankreich sowie zahlreicher Dokumente und Verträge weist Sidebotham nach, daß Palästina nie in den Kreis der arabischen Kalifatspläne einbezogen wurde. Bis zur Balfour- Deklaration war von Palästina als einem geographischen, geschweige denn nationalem Ganzen nie die Rede gewesen. Schon im Geheimvertrag von 1915, der zwischen Großbritannien und Frankreich und Rußland abgeschlossen wurde, und der einen arabischen Großstaat in Aussicht nahm, wurde die Vereinbarung getroffen, daß Palästina unter internationalem Schiedsspruch stehen sollte. In der Folge war nun die Bafour-Deklaration durchaus nicht der Ausfluß einer momentanen Kriegsstimmung, die unverantwortliche Aktion eines Individuums, sondern drückte nur mit einem Dokument aus, was längst ideeller Besitz des englilischen Volkes war. Das englische Volk, das sich mit Recht das „Volk der Bibel“ nennt, hatte durch Jahrhunderte alle Repatriierungsversuche der Juden mit werktätiger Sympathie verfolgt, ja, nicht wenige Engländer haben aus eigener Initiative solche Pläne zu verwirklichen gesucht. Das Mandat analysierend kommt Sidebotham zu der Forderung, daß England bei der Durchführung des Mandates nur ein Ziel vor Augen stehen dürfe: die Errichtung der nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina. Nur unter diesem Gesichtspunkt seien füglich die Forderungen mancher Teile der Araber auf Einführung einer parlamentarischen Verfassung für Palästina zu beurteilen. Solange ein Parlament in Palästina geeignet wäre, die entstehende Heimsätte in ihrem Wachstum zu behindern, sei an eine Realisierung von neuen Verfassungsplänen nicht zu denken. Wie ist nun das Mandat bisher durchgeführt worden? Sidebotham verurteilt die unter dem High-Commissioner Sir Herbert Samuel eingeleitete Politik des ewigen Nachgebens den Arabern gegenüber, die dazu führte, daß die Regierung oft und oft durch arabischen Druck und Terror in ihren Handlungen bestimmt wurde. Demgegenüber bedauert Sidebotham, daß man englischerseits nicht den Weg der engen Freundschaft und Kooperation mit den Juden gegangen sei, denn das wäre der einzig praktische Weg gewesen, die Araber von den für ganz Pasästina sich ergebenden Vorteilen einer ungehemmten jüdischen Einwanderung und Besiedlung zu überzeugen. Welchen Einfluß übrigens die Araber auf die Palästinaverwaltung auszuüben verstanden, zeigt die Tatsache, daß unter den 2061 Angehörigen der palästinensischen Polizei 1213 Moslems waren, 522 Christen und nur 326 Juden. Daß angesichts solcher Ziffern die Polizei bei Ausbruch der Unruhen versagen mußte und man auf auswärtige Unterstützung, die oft zu spät kommen kann, angewiesen ist, kann daher niemanden überraschen. Side-