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Das jüdische Echo · 1930-03-07 · 10 (7.3.1930) · p. Seite 136

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
10 (7.3.1930)
Date
1930-03-07
Page
Seite 136 (sequence 15)
Language
German
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136 Das Jüdische Echo Nr. 10 zum Ausdruck, daß ihre Fraktionen in dem Antrag antisemitische Tendenzen und Beschränkung der religiösen Freiheit erblicken. Die Meinungen darüber, ob das Schächten Tierquälerei sei, gingen unter den Sachverständigen auseinander. Auch die deutsche Militärverwaltung habe vor dem Kriege für die Herstellung der Konserven das Schächten der Tiere gefordert. Wie aus Bayreuth mitgeteilt wird, werden dort nach wie vor im Schlachthof für den einzigen am Platze ansässigen jüdischen Metzger Schächtungen vorgenommen. Das Schächtverbot des Stadtrates wurde von der Regierung, als im Widerspruch zu den Landesgesetzen stehend, nicht bestätigt und tritt somit nicht in Wirksamkeit. Schändung des Synagogen-Neubaus in Plauen Berlin, 27. Februar. (JTA.) Der Synagogen- Neubau in Plauen wurde, wie dem Central-Verein berichtet wird, zweimal geschändet. In der Nacht zum 12. Februar wurde die Synagoge, die vollständig unter Dach und Fach ist, erbrochen und ein verendetes Ferkel im Inneren niedergelegt. In der Nacht zum 17. Februar wurden vierzehn Fensterscheiben des Neubaus zertrümmert. Ein jüdisches Jugendheim in Frankfurt a. M. F r a n k f u r t a. M., 28. Februar. (JTA.) In wenigen Tagen werden die Frankfurter jüdischen Jugendvereine ein eigenes Heim beziehen, und die neugegründete Schule der jüdischen Jugend wird ihre Tätigkeit beginnen können. Die Einrichtung der Räume sowie die Kosten der Heizung und Beleuchtung werden die betreffenden Vereine selbst übernehmen. Die zur Verfügung gestellte zweite Etage des der Gemeinde gehörigen Hauses Eschersheimer Landstraße 65 umfaßt zwar nur sechs Räume, die nicht genügen, um allen Vereinen entsprechende Räume zur Verfügung zu stellen, trotzdem ist dem dringendsten Bedürfnis zunächst Genüge getan. Der größte Raum des Heims steht allen Organisationen für besondere Veranstaltungen zur Verfügung und dient als Lese- und Spielsaal auch für Nichtorganisierte. Hitler, der Bekehrte Frankfurt a. M., 4. März. (JTA.) Die Zeitung „Der Jungdeutsche“ hat eine Unterredung zwischen Adolf Hitler und dem amerikanischen Journalisten Karl von Wigand, die in den Hearst- Blättern erschien, veröffentlicht; danach hätte Hitler gesagt: Ich bin nicht dafür, daß die Rechte der Juden in Deutschland beschnitten werden, aber ich dränge darauf, daß wir anderen, die wir keine Juden sind, nicht weniger Rechte haben als die Juden selbst. Dazu bemerkt die „Frankfurter Zeitung“: „Nun, das rst offenbar eine bewußte zweideutige Formulierung, -deren Zweck auf der Hand liegt. In dem Münchener Hitlerprozeß Anfang Februar kam ja mehrfach zur Sprache, daß für nationalsozialistische Zwecke auch in Amerika Geld gesammelt wurde. Das soll jetzt vermutlich fortgesetzt werden, und so wird für amerikanische Propaganda die Hakenkreuznadel vorsichtig unter den Rockaufschlag gesteckt. Wenn Hugenberg, um Geschäftsspesen zu sparen, Direktor einer Tiergarten-Synagoge G. m. b. H. geworden ist, glaubt Hitler, überm Atlantik auch ein philosemitisches I. MÜNCHENER PLISSE BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Hoigaum, Knöpfe, tnoem K anten, Kost Ums Icker eien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 7E Lächeln aufsetzen zu dürfen, um Prozeßkosten zu — nun, schonen wir sein vielleicht noch jargonfremdes Ohr — zu kollektionieren.“ Vor der Ernennung der Klagemauer-Kommission London, 27. Februar. (JTA.) Major Nathan richtete im Unterhaus an den Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Shiels die Frage, ob er eine Mitteilung machen könne über die laut Beschluß des Völkerbundsrates zu ernennende dreigliedrige Kommission zur Untersuchung der Angelegenheiten der Klagemauer in Jerusalem. Dr. Shiels erwiderte, daß gemäß der vom Völkerbundsrat in seiner Januarsitzung angenommenen Resolution die Mitglieder der Klagemauer- Kommission von der britischen Regierung mit Zustimmung des Völkerbundsrats zu ernennen seien; die Regierung befasse sich eben jetzt mit der Zusammensetzung der Kommission. Major Nathan: Wird die Kommission Zeugen vernehmen? Dr. Shiels: Ich nehme es an; aber es ist noch kein Beschluß über den Aufgabenkreis der Kommission gefaßt worden. Das Arbeitsprogramm der Kommission wird erst aufgestellt werden, wenn ein Beschluß über deren Zusammensetzung gefaßt sein wird. Die britische Regierung wird dem Völkerbundsrat die Namen der Kommissionsmitglieder und wahrscheinlich auch das Arbeitsprogramm vorlegen, denn beides unterliegt der Zustimmung des Völkerbundes. Russisch-jüdische Führer gegen die Anti-Sowjet- Aktion im Ausland Moskau, 2. März. (JTA.) Im Zusammenhang mit der von ausländischen Zeitungen zum Abdruck gebrachten Ansicht, daß der Appell des Rabbi Gluskin und der anderen Minsker Rabbiner gegen die im Zusammenhang mit ihrer Verhaftung im Auslande entstandene Antisowjet-Kampagne unter dem Zwange seitens der Sowjetbehörden erlassen wurde, wird dem JTA.-Vertreter seitens eines prominenten Führers der Moskauer Jüdischen Gemeinde erklärt, daß Rabbi Gluskin nicht der Sorte Rabbiner angehört, die einen solchen Appell unter Zwang unterzeichnen würde; er würde eher sein Leben opfern, als eine Erklärung, die mit Religion zusammenhängt, unter fremdem Druck abzugeben. Rabbi Gluskin, fügte der Gemeindeführer hinzu, ist gegenwärtig eine der hervorragendsten Erscheinungen unter der jüdischen Orthodoxie Rußlands. Obwohl er in Minsk, nicht in Moskau, lebt, sieht die gesamte Judenheit in der Sowjetunion zu ihm als zu einem religiösen Oberhaupt auf. Der JTA-Vertreter hatte Gelegenheit, auch mit anderen jüdischen Führern in Moskau sich über den Appell der Minsker Rabbiner zu unterhalten; die meisten dieser jüdischen Führer äußerten sich zurückhaltend, viele andere aber erklärten bestimmt, der Appell sein ein Ausfluß der wirklichen, unter der Sowjetjudenheit gegenwärtig vorherrschenden Stimmung. Die Meinung dieser jüdischen Führer ist, daß die amerikanischen Rabbiner, namentlich Rabbi Dr. Stephan S. Wise, die Angelegenheit ins Ungebührliche übertreiben; vielleicht sogar mit der Absicht, die Kampagne für Aufbringung von Fonds zugunsten konstruktiver jüdischer Arbeit zu beeinträchtigen. Man weist daraufhin, daß eine Antisowjetkampagne seitens der Juden im Auslande schon darum nicht am Platze ist, weil die russische Regierung und die Sowjetbehörden gerade jetzt eine Neuorientierung ihrer Politik gegenüber den jüdischen Deklassierten vornehmen und früheren jüdischen Händlern Wahlrecht verleihen, um ihnen

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