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Das jüdische Echo · 1930-03-07 · 10 (7.3.1930) · p. Seite 135

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
10 (7.3.1930)
Date
1930-03-07
Page
Seite 135 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 10 135 Das Jüdische Echo Annahme von kleinen Anzeigen für „Das Jüdische Echo“ und die „Bayerische Israelitische Gemeindezeitung“ auch Ewer-Buchhandlung, Ottostraße 2 VERLHG B. HELLER, MÜNCHEN, PL1NG ^NSERSTRÄSSE 64 benen Bakenkreuzler von, den Mitgliedern der versammelten Ortsgruppe aus dem Saale gedrängt. Bei den Tumulten tat sich besonders der Vorsitzende des. „Hochschulringes deutscher Art“, von Massow, hervor. Die Hinausgeschmissenen zogen in einen anderen Saal,, wo sie eine sog* „Deutsche Studentengruppe“ des Vereins für das Deutschtum im Auslande gründeten. (Es ist typisch für die Zustände an der Münchener Universität, daß die Nationalsozialisten, nachdem sie sich benommen hatten, wie eben nur Nationalzialisten dies fertigbringen, offenbar ohne weiteres einen anderen Hörsaal mit Beschlag belegen konnten, obwohl sonst bekanntlich bei der Vergebung von Hörsälen sehr penibel — um nichts anderes zu sagen — verfahren wird. Von einer Maßregelung der Radaumacher hat man bisher auch nichts gehört — die wahren Beherrscher der Münchener Universität sind eben die Hakenkreuzler. Ganz interessant wäre es, zu erfahren, was Prof. Nawiasky über diese Vorgänge denkt, den weder die Mitgliedschaft in der Bayerischen Volkspartei, noch seine föderalistischen Anschauungen, noch auch sonst sein eifriges Bemühen um „nationale“ Zuverlässigkeit vor antisemitischen Anpöbelungen schützen konnten.) Der 80. Geburtstag des Präsidenten Masaryk Prag, 3. März. JTA.) Der erste und gegenwärtige Präsident der Tschechoslowakischen Republik, Prof. Dr. Thomas Garrigue Masaryk, feierte am Freitag, dem 7. März, seinen 80. Geburtstag. Dieser Festtag, der von der tschchoslowakischen Judenheit durch eine Reihe humanitärer Aktionen und durch die Schaffung des Masaryk- Waldes in Palästina vorbereitet wurde, bringt auch dem Judentum im Auslande die wichtige Rolle in Erinnerung, die T. G. Masaryk in der Geschichte des geistigen Befreiungskampfes des Judentums, sowie des Kampfes gegen Antisemitismus und Judenmassakers, schließlich in der Geschichte der Fundierung der Rechte der nationalen Minderheiten, unter ihnen der jüdischen, spielte. In das Jahr 1899 fällt sein Auftreten in der Affäre des „Ritualmordes“ von Polna, der späteren „Hilsneraffäre“. Masaryk nahm damals mit aller Energie den Kampf gegen den auch in der tschechischen Intelligenz wütenden Aberglauben auf; er wurde nicht nur gesellschaftlich und politisch boykottiert, sondern auch am Leben bedroht. Seine Vorlesungen wurden gesprengt, die Fenster seiner Wohnung eingeworfen. Im Jahre 1913 trat Masaryk in einer Manifestationsversammlung in der Produktenbörse gegen die Ritualmordbeschuldigung von Kiew auf (Beilisprozeß). Im Frühjahr 1927 besuchte Präsident Masaryk auf seiner Orientreise auch Palästina, wo er in einer Reihe von gelegentlichen Ansprachen seinen Standpunkt zu den zionistischen Bestrebungen dargelegt. Bei einer anderen Gelegenheit sagte er über den Zionismus: „Mir ist die zionistische Bewegung durchaus sympathisch. Ich sehe, daß der unterdrückte Jude (die Unterdrükkung der Juden geschieht doch, wenn wir aufrichtig sein wollen, überall, auch im Westen) sich seines Volkstums nicht schämt.“ „Der Antisemitismus“, sagt er in einem anderen Zusammenhang, „ist nach meiner Meinung eine Wunde auf unserem und nur auf unserem Körper, er. schädigt und demoralisiert uns und macht uns roh; materiell schädigt er die Juden nicht, höchstens moralisch, und da nur insoweit, als sie ihn negativ durch Schlauheit zu überwinden suchen, anstatt positiv, sittlich und religiös.“ Masaryks Haltung hat durch ihre erzieherische Wirkung auf die tschechische Öffentlichkeit zweifellos auch die Öffentlichkeit in der Judenfrage stark beeinflußt. Die Verfassung gewährt den Juden das Recht des freien nationalen Bekenntnisses. Dies hat Masaryk bei einer Rede auf einem Meeting, das nach der Pariser Friedenskonferenz am 21. Juni 1919 in Prag von jüdischen Studenten veranstaltet wurde, mit folgenden Worten angekündigt: „Ich kann heute nur wiederholen, daß sich in meinem Verhältnis zum nationalen Judentum nichts geändert hat. Ich kann nicht einsehen, warum in unserem Staate, in dem so viele Nationen leben, uns die jüdische Nation hinderlich sein sollte. Ich kann nur versichern, daß ich, wenn ich auf Grund der Verfassung die Möglichkeit dazu haben werde, meine Anschauungen auf dem politischen Gebiet ins Praktische umsetzen werde. Auf mich können Sie immer rechnen.“ Aus der jüdischen Welt Das Schächtverbot in Baden abgelehnt — Antischächtbeschluß in Bayreuth ungültig Berlin, 28. Februar. (JTA.) Der Rechtspflegeausschluß des badischen Landtags hat den nationalsozialistischen Antrag auf Verbot des Schächtens der Schlachttiere mit den Stimmen des Zentrums, der Sozialdemokraten und der Demokraten gegen die Stimmen der Antragsteller und der Bauernpartei bei Stimmenthaltung der Deutschen Volkspartei abgelehnt. Berichterstatter des Ausschusses war Abg. Kühn (Zentr.). Begründer des Antrags war der Nationalsozialist Kraft. In der sehr lebhaften Aussprache brachten die Vertreter der Sozialdemokratie und des Zentrums

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