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Das jüdische Echo · 1930-03-07 · 10 (7.3.1930) · p. Seite 133

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
10 (7.3.1930)
Date
1930-03-07
Page
Seite 133 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 133 boten. Unsere Verbindung mit dem Volk, mit dem Land, in dem wir leben, ist mehr als nur eine verstandesmäßige; wir können weder Judentum noch Deutschtum als einen Zufall ansehen, den wir abstreifen könnten. Wir glauben, daß diese Zweiheit nicht nur möglich, sondern daß sie notwendig für uns ist. Diese Zweiheit, die von vielen Juden als etwas Unbequemes, Unangenehmes empfunden wird, sie scheint mir etwas unendlich Wertvolles zu sein. Wie es im Leben eine Reihe von Kreisen gibt, denen man angehören kann, so gibt es eine Doppeltheit unserer Zugehörigkeit, in der eine Schönheit liegt, eine Zugehörigkeit zum Deutschsein und zum Judesein — wir wollen uns durch das Eine nicht das Andere und durch das Andere nicht das Eine rauben lassen. Wir glauben, daß in dieser, mag sein, unbequemen Zweiheit der Typus von Menschen gegeben ist, dem vielleicht nicht die nahe, aber doch sicher die ferne Zukunft gehört. Vor wenigen Wochen ist ein gewaltiger Denker, ein großer Jude von uns gegangen, Franz Rosenzweig; er hat über eine Sammlung seiner Aufsätze das Wort geschrieben: Zweistromland. Ich finde nirgends eine Erklärung für diesen Titel; sie kann wohl keine andere sein, als dieser Glaube diesem Zweistromland als deutscher Jude und als jüdischer Deutscher anzugehören, der Glaube, daß die Kraft unseres Seins und unseres Lebens den beiden Wurzeln entspringt, die beide gleich stark, gleich wesentlich für uns sind, dem Judentum und dem Deutschtum. An uns ist es, dieses Doppeltsein zu bewähren in der Einheit unseres Lebens. Deshalb erscheint es mir auch für diejenigen deutschen Juden, die bisher dem Palästinaaufbau fremd oder ablehnend gegenüberstanden, wichtig zu sein, sich auf diese beiden Wurzeln ihres Daseins zu besinnen und sich klar zu sein, daß ihr Judentum nur gewinnen, vielleicht nur bestehen kann, wenn in den Gesichtskreis jedes einzelnen Palästina miteinbezogen, zugleich aber dem Deutschtum nichts genommen, nichts geschadet wird. Und das ist es, was wir wollen: die Einheit aus der doppelten Wurzel unseres Lebens, die Einheit, die sich von zwei Strömen gleichmäßig befruchten läßt zur Ehre und zur Förderung dessen, was die beiden zusammenschließt, zu dem, was Menschsein heißt, das wir nur verwirklichen können im Jüdischen und im Deutschen. (Langanhaltender Beifall.) Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer spricht beiden Rednern den tiefgefühlten Dank der Versammlung aus; nach einer Pause übernimmt Herr Dr. Ernst Wilmersdörffer den Vorsitz und erteilt das Wort Herrn Justizrat Dr. Elias Straus, der ausführte, daß er nicht wie seine beiden Vorredner über Problematik des Judentums sprechen, sondern sich auf einige Bemerkungen über Palästina beschränken wolle. Palästina brauche die B. MARSTALLER kgl. Hofsattler / München Erzeugnisse unserer Großwerkstätten: 2 [ Schiffskoffer / Schrankkoffer Autokoffer (D. R. Patent) Menageu. Toilettekoffer FEINE LEDERWAREN Verkaufsräume Damenstiftstraße 16 Unterstützung aller Juden in geistiger Hinsicht, durch Zuführung von Menschen, aber die Möglichkeiten, die es biete, könnten nur ausgeschöpft werden, wenn auch genügend Kapital ins Land fließe. Die besondere Schwierigkeit der Palästinakolonisation liege darin, daß sie nicht in einem leeren Land geschehe, deshalb aber müsse die -ganze Judenheit um so opferwilliger und hilfsbereiter mit all ihren Kräften hinter den Menschen stehen, die dort diese große Arbeit begonnen hätten, und an der größten Aufgabe mitarbeiten, die dem Judentum seit Jahrhunderten gestellt sei. Rechtsanwalt Dr. Alfred Werner meinte, die Aussprache, zu der eingeladen worden sei, habe bereits stattgefunden, in den beiden Referaten sei alles schon klargelegt worden, er wolle nur noch ein Wort hinzufügen. Es sei klar, daß für diejenigen, die die jüdische Nation ablehnen, die sich ganz zum deutschen Volkstum und zum deutschen Staat bekennen, die sich aber gleichwohl für den Palästinaaufbau einsetzten, dies nur möglich sei, weil man gleichzeitig Deutscher und Jude sein könne. Wenn allerdings die Auffassung Goldmanns von einem irrealen Judentum zu Recht bestünde, dann könnten sich wohl erhebliche Schwierigkeiten einer Mitwirkung in den Weg stellen; dem sei aber nicht so, er sehe in der Diaspora eine geistige Aufgabe des Judentums. Auch wenn die Errichtung eines jüdischen Staates Palästina beabsichtigt sei, müßte es Schwierigkeiten geben, die Balfourdeklaration spreche jedoch nur von der Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina und enthalte außerdem die Bestimmung, daß nichts geschehen dürfe, was die Rechte der Juden in irgendeinem anderen Lande beeinträchtigen könne. Niemand brauche daher Bedenken zu haben, an diesem großen gesamtjüdischen Werke mitzuarbeiten, allerdings sei er nicht der Auffassung, daß das jüdische Schicksal in Palästina entschieden werde; jüdisches Schicksal werde dort entschieden und das genüge. Jüdische Wirklichkeit gebe es auch hier; es sei aber gar nicht notwendig, daß Palästina die jüdische Wirklichkeit schlechthin sein müsse. Jeder Jude müsse an jedem gesamtjüdischen Werke Anteil nehmen, wenn es irgendwo in der Welt sei, besonders aber an einem gesamtjüdischen Werk in Palästina, dem Land der jüdischen Geschichte. Nach einem jüdischen Worte seien alle Juden Bürgen füreinander und so habe auch die Gesamtjudenheit eine Verpflichtung und eine Gesamtbürgschaft für das Gelingen des Palästinaaufbaus, der sie sich nicht entziehen dürfe. In seinem Schlußwort beschäftigte sich Herr Ministerialrat Dr. Otto Hirsch zunächst mit der Frage des Judenstaates. Er glaube zwar, daß die ursprüngliche Konzeption Herzls heute auch von den meisten Zionisten nicht mehr aufrechterhalten werde, wolle aber nicht in den Fehler verfallen, die Auffassung der Zionisten zu interpretieren. Jedenfalls sehe er in dieser Frage kein Hindernis für die Teilnahme am Palästinawerk, das man doch nicht von außen, sondern nur dadurch beeinflussen könne, daß man aktiven Anteil daran nehme. Wenn manche Gegner glaubten, daß durch die Teilnahme an diesem Werk die Emanzipation gefährdet sei, so halte er das allerdings für eine sehr untergeordnete Auffassung von Emanzipation. Die wahre Emanzipation bestehe nicht darin, daß man sich nach denen richte, aus deren Gewalt man emanzipiert sei, sie bestehe darin, sich nach seinen eigenen Überzeugungen zu Fernruf Nr. 90939 u'fv'S, Hfl

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