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Das jüdische Echo · 1930-02-28 · 9 (28.2.1930) · p. Seite 122

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
9 (28.2.1930)
Date
1930-02-28
Page
Seite 122 (sequence 15)
Language
German
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122 Das Jüdische Echo Nr. 9 den Centralverein mit 5000 RM„ an den Keren Hajessod 2000 RM. (angenommen gegen die Stimme von Herrn J.-R. Dr. Heilbronner), an den Jugendausschuß 5000 RM. u. a. m. Weiter zu erwähnende Etatpositionen sind: Hebräische Sprachkurse 1500 RM., Ostjüdischer Synagogenverband 11 500 RM., Talmud Thora 8400 RM., Dispositionsfonds des Vorstands 12 000 RM. Für Rückkauf von Synagogenplätzen sind angesichts der Wirtschaftslage nur 5000 RM. vorgesehen. Ein heftiger Kampf entspann sich um den Zuschuß für Ohel Jakob, ein Kampf, der leider angesichts der Mehrheitsverhältnisse und der wenigstens äußerlich vollständigen Geschlossenheit der liberalen Fraktion ohne Erfolg bleiben mußte. Die Vorgeschichte ist bekannt: Ohel Jakob kann aus eigenen Kräften die von ihm begründete und erhaltene Israelitische Volksschule nicht aufrechterhalten und verlangt, da diese Institution von einem großen Teil der Münchener Juden als Bedürfnis empfunden wird, mit Recht die Unterstützung der Gemeinde. Die liberale Fraktion wehrt sich jedoch heftig gegen eine solche „Zumutung“. Darüber kam es schon im vorigen Jahr zu einem Konflikt, der nur durch die Friedensliebe der Orthodoxen und Zionisten und durch eine Vermittlung anderer Instanzen! beizulegen wäre. Daß es offenbar vernünftiger gewesen wäre, den Konflikt auszutragen, erwies sich in dieser Sitzung. Gegenüber dem vom Ohel Jakob beantragten gemeindlichen Zuschuß von 15 000 RM. hatte der Finanzausschuß unter Zustimmung seiner liberalen Mitglieder einen Betrag von 12 000 RM. bewilligt. Im Vorstand hatten die Liberalen ihren Standpunkt geändert und jede Erhöhung der vorjährigen Position von 7520 RM. abgelehnt. Justizrat Dr. Max Feuchtwanger stellte demgegenüber den Antrag 15 000 RM. zu bewilligen, Herr Rosönthaler begründete in eingehenden Ausführungen diese Forderung. Er wies insbesondere darauf hin, daß die jüdische Volksschule heute bereits ein Drittel der jüdischen Schulkinder ihrer Altersklassen umfasse. Den Standpunkt der Liberalen begründete Justizrat Dr. Heilbronner, der es unternahm, „im Interesse der Lehrer und Kinder“ gegen die Schule aufzutreten. An der weiteren Debatte, in der neue Gesichtspunkte kaum auftauchten, beteiligten sich die Herren Justizrat Dr. Feuchtwanger, Wechsler und in besonders temperamentvollen Ausführungen Justizrat Dr. Fränkel. Die Haltung der Liberalen versuchte dann nochmals zu rechtfertigen Justizrat Dr. Oestreich. Nach einer kurzen Unterbrechung der Sitzung verlangte Herr Lichtenauer im Namen der Zionistischen Fraktion die Unterstützung der Schule. Im gleichen Sinne äußerte sich Herr Grünbaum und in einem Schlußwort der Referent, Justizrat Dr. Straus. Es war mehr als nur eine geistreiche Bemerkung, wenn dieser zum Schluß darauf hinwies, daß Justizrat Dr. Oestreich den liberalen Kampf gegen die jüdische Schule gerade mit einem Zitat aus dem Apostel Paulus als einen „guten“ kennzeichnen habe wollen. Er habe vergessen, daß der Kampf des Apostels sich gegen das Judentum gerichtet habe. Das sei nicht nur dem Psychoanalytiker interessant, es zeige vielleicht auch die wahre Richtung so mancher „liberaler“ Bestrebung. Das Ergebnis der Abstimmung konnte nicht überraschen. Der Antrag Feuchtwanger wurde mit den sämtlichen nach außen geschlossen auftretenden Stimmen, der Liberalen gegen die acht Stimmen der Opposition abgelehnt. Das gleiche Schicksal fand ein zweiter Antrag Feuchtwangers 12 000 RM. zu bewilligen. Es bleibt bei den J520 RM. des Voranschlags. Kurz vor 12.30 Uhr wurde dann der Umlagensatz wie im vorigen Jahr auf 7 Prozent, zuzüglich 3 Prozent Bauumlage, insgesamt 10 Prozent, festgesetzt, und der in Einnahmen und Ausgaben mit 646 320 RM. abschließende Gesamtetat gegen die drei Stimmen der orthodoxen Fraktion angenommen. Die durch die Beschlüsse der liberalen Fraktion geschaffene Situation ist auch heute noch nicht geklärt genug, als daß sich weitere Mitteilungen darüber machen ließen. Es besteht jedoch kein Zweifel mehr darüber, daß die Liberalen offenbar die jüdische Schule zum Zankapfel der kommenden Wahlen machen wollen: sie erweisen damit wieder ihr „volles“ Verständnis für die Erfordernisse der jüdischen Situation“ und einer wahrhaft jüdischen Aufbauarbeit. Dr Kampf in der Gemeinde dürfte jedoch unseres Erachtens ganz anders ausgehen als der in der Gemeindevertretung. Kadimah, München. Die ordentliche Generalversammlung des Kadimah fand am 17. Februar 1930 statt. Der erste Vorsitzende, Herr Justizrat Dr. E. Fränkel, begrüßte die versammelten Eltern und die Führerschaft des Kadimah, erwähnte zunächst die vorige Generalversammlung im Oktober 1928 und berichtete über den Verkauf des Landheims in Ottobrunn und die Gründe dafür, sowie über die Verwendung der Mittel. Einige wichtige Bestimmungen der Statuten wurden in die Erinnerung der Zuhörer zurückgerufen, so vor allem die Paragraphen über das Ziel des Bundes (tendenziöse und unpolitische Erziehung auf jüdischer Grundlage). Der Referent über die ergänzende Bundesarbeit, Herr Walter Koschland, führte aus, daß die Arbeit seit Oktober 1928 dauernd Schwankungen unterworfen war. die durch Führerwechsel hervorgerufen wurden. Er berichtete von der Winterfahrt nach Oberstdorf 1928/29, von der Führertagung im April 1929 bei Berlin, die zwei Führer besuchten, von der Großen Fahrt nach Thüringen und den Eindrücken, die man am Bundeslager vom 1. bis 4. August in Dörnfeld (Thüringen) gewonnen hatte. Im Herbst wurde ein neuer Führer gewonnen und wieder eine Mädchengruppe gegründet. Auf der Führertagung in Leipzig (1. bis 3. Nov.) waren zwei Führer des Münchener Bundes anwesend. Ein weiterer Erfolg des Bundes war die Chanukkah-Feier am 21. Dezember 1929 im Cherubinsaal und die sehr gut besuchte Winterfahrt auf die Skihütte des Kadimah in Hochkreuth bei Bayrischzell. — Die Arbeit hatte das Ziel der allgemein menschlichen und jüdischen Erziehung. Die menschliche Erziehung wird in einem Leben enger Gemeinschaft von Führer und Geführten erreicht. Die jüdische Erziehung geschieht im Heimabend durch die Vermittlung jüdischen Wissens (Geschichte, Gegenwartskunde) und die Erlernung der hebräischen Sprache. In den von den K’firim (Wölflingen, 10 bis 12 Jahre) bereits abgelegten und von den Zophim (eigentlichen Pfadfindern, 13 bis 15 Jahre) im April abzulegenden Prüfungen soll der Beweis für die geleistete Arbeit erbracht werden. Bei den älteren Jungens werden allgemein jüdische und sonstige Probleme behandelt, besonders solche, die mit dem Gesetz des Bundes in Zusammenhang stehen. Der körperlichen Ertüchtigung dienen vor allem die Fahrten. — Der Referent legte dann noch kurz über die laufenden Ausgaben und Einnahmen in den letzten \V* Jahren Rechenschaft ab.

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