Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 9 (28.2.1930)
- Date
- 1930-02-28
- Page
- Seite 117 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Das Jüdische Echo 117 JÜDISCHER GESANGVEREIN E.V. MÜNCHEN Heute Maskenfest „Hulla di Mechulla" Bayerischer Hof 2030 Uhr Eintritt RM. 2.— keit zu allererst. Einerseits sinken die Steuereingänge, anderseits steigen die Bedürfnisse für das Wohlfahrtswesen an, das in diesem Jahre dreieinhalb Millionen, also dreißig Prozent des Etats erfordert. Die Gemeinde übt ihre Wohlfahrt nach modernen sozialpolitischen Grundsätzen. Den gefährdeten selbständigen Existenzen werden durch die Kreditkassen Darlehen gewährt. Die Erfahrungen sind günstig, gegen neunzig Prozent der Darlehen werden zurückbezahlt. Die Gemeinde unterhält ferner einen von den Berliner Logen übernommenen Arbeitsnachweis, der über 5000 Arbeitsuchenden im Jahre (1929 waren es 5900) Arbeitsplätze zuweist. Die Gemeinde wendet ihre Fürsorge der heranwachsenden Generation zu, indem sie eine Berufsberatungsstelle eingerichtet hat und im Sinne der Berufsumschichtung wirkt. Der Redner richtete an die Anwesenden die Bitte, diese Seite der Gemeindewirksamkeit zu unterstützen. In der weiteren Aussprache kamen zum Worte Syndikus Dr. Arthur Schweriner vom Central- Verein, der über die Arbeit des Central-Vereins für Schutz der jüdischen Arbeitnehmer berichtete; Redaktur Moses Waldmann, der das Bestehen einer wirtschaftlichen Judenfrage feststellte und darum eine jüdische Aktion für notwendig erachtete; Direktor Bach, der zugleich auch den Standpunkt der Großloge darlegte; ferner die Herren Georg Tietz, Manes, Dr. Gaspari, Simon, Neubörger, Jakobowitz und Alfred Berger. Es war ein Erfahrungsaustausch, der in der von Prof. Georg Bernhard gezogenen Schlußfolgerung gipfelte, daß es notwendig sei, unter Vermeidung jeder Einseitigkeit die ganz unverhältnismäßig stark unter der Erwerbslosigkeit leidenden, weil zu Unrecht benachteiligten jüdischen Arbeitnehmer zu ermutigen, indem man das gegen sie herrschende Vorurteil beseitigen und ihnen ihren Platz im Wirtschaftsleben sichern hilft. Ccntral-VcrcInundJcwishHgcncy Über die Sitzung des Hauptvorstandes des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wird der JTA das folgende Kommunique übermittelt: Auf der nicht konstruierten, sondern äas den heiligsten Gefühlen geborenen, unlösbaren Verbindung zwischen Deutschtum und Judentum ruht unsere Heimatsberechtigung, ruht das Dasein des jüdischen Deutschen. Erschüttert man diese, so trifft man uns ins Herz und bringt den Central- Verein, die mächtigste Organisation des Judentums, ins Wanken. Zugehörigkeit zum deutschen Volke steht nie im Widerspruch mit dem jüdischen Erbgut, das in uns von den Ahnen überkommen ruht. Nur dann, wenn dieses Jüdische durch gewisse, vielfach geübte Agitation als ein Nationaljüdisches im politischen Sinne erklärt wird, ist es unvereinbar mit unserem deutschen Sein. Dann müssen wir es energisch ablehnen. Nachdem sich in den letzten Jahren eine Anzahl von Central-Vereins-Mitgliedern mit Zionisten in der Jewish Agency zusammengefunden haben und nachdem durch den Aufruf „Hilfe durch Aufbau“ und die Antwort der „deutschen Juden“ Gegensätze verschärft worden waren, war es Aufgabe und Pflicht der Hauptvorstandssitzüng vom 16. Februar, einmal über die Grundbedingungen Klarheit zu schaffen, unter denen eine solche Zusammenarbeit überhaupt möglich ist. Mit einer bisher in der Geschichte des Central-Vereins beispiellosen Einmütigkeit hat der Hauptvorstand am letzten Sonntag den folgenden Beschluß gefaßt: „Der C.-V. hat stets jede nationaljüdische Bestrebung abgelehnt. In Übereinstimmung damit haben diejenigen Mitglieder des Hauptvorstandes, die sich an der Palästina-Arbeit beteiligen, stets erklärt, daß sie als deutsche Juden den Mittelpunkt ihres politischen und kulturellen Lebens in Deutschland erblicken, und daß sie jede national-jüdische Propaganda, auch im Rahmen der Jewish Agency, abweisen. Der Hauptvorstand des C.-V. hat demgemäß das Vertrauen, daß alle seine Mitglieder überall, auch außerhalb des Vereins, diesem Gedanken zur Durchführung verhelfen.“ Die einheitliche Auffassung des Hauptvorstandes über diese Fragen ging soweit, daß einstimmig beschlossen wurde, die zu diesem Punkt der Tagesordnung vorgesehenen Referate der Herren Rabbiner Dr. Jacob (Dortmund) und Rechtsanwalt Dr. Krombach (Essen) von der Tagesordnung abzusetzen und von jeder Aussprache Abstand zu nehmen. Nur ein Bericht des Mitgliedes des Hauptvorstandes, Dr. Bruno Weil, über die Vorgeschichte des obigen Beschlusses und die Stellung von Mehrheit und Minderheit dazu, wurde vor den Abstimmungen entgegengenommen. Selbstverständlich sollen mit dieser Entschließung die Gegensätze in der Beurteilung des Palästinaproblems und der Frage der Beteiligung an der Jewish Agency nicht vertuscht werden. Nach wie vor besteht der Beschluß der Hauptvorstandssitzung vom 23. und 24. März 1929, daß der Central-Verein von der Entsendung von Vertretern in die Jewish Agency absieht. Damit ist die Stellung der Majorität des Hauptvorstandes zur ^Nationalen Heimstätte“ klar gekennzeichnet. Die Sitzung am 16. Februar hat aber auch das andere ganz deutlich gemacht: auch diejenigen Mitglieder des Hauptvorstandes, die in die Jewish Agency oder in das Initiativkomitee für die Jewish Agency als Einzelpersonen eingetreten sind, wünschen, daß die Agency nur reine Palästina-Arbeit leistet und daß keinesfalls in ihren Beratungen, ihren Veröffentlichungen, ihren Versammlungen, national-jüdische Bestrebungen sich bemerkbar machen oder gar um sich greifen. Ist also die Majorität des Hauptvorstandes gegen jede Beteiligung am national-jüdischen Palästina-Aufbauwerk überhaupt, so lehnen auch diejenigen Hauptvorstandsmitglieder, die der Agency nahestehen,; für diese programmatisch neutrale Körperschaft national-jüdische Bestrebungen ab. Beide Teile des Hauptvorstandes sehen einmütig