Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 8 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- Seite 106 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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106 Das Jüdische Echo Nr. 8 denen jüdische Lokale und Geschäftsläden in Kischinew beschädigt wurden, es an der nötigen Energie fehlen ließ und nicht genügend Maßnahmen zur Abwehr der Judenexzesse getroffen hat. Die Leningrader große Synagoge in ein Kulturhaus umgewandelt Moskau, 17. Februar. (JTA.) Nachdem das Präsidium des Zentralexekutivkomitees der Union der Sowjetrepubliken, das oberste legislative, exekutive und administrative Organ der Sowjetunion, in einer am 15. Februar abgehaltenen Sitzung der Umwandlung der Leningrader großen Synagoge in ein Arbeiter-Kulturhaus offiziell zugestimmt hat, ist am Sonntag, dem 16. Februar, diese Umwandlung vollzogen worden. Die Leningrader Judenschaft verfügt über keine öffentliche Synagoge mehr. Die Moskauer jüdischen Kommunisten fordern immer stürmischer die Beschlagnahme der Moskauer großen Synagoge. In einer am Sonnabend, dem 15. Februar abends, abgehaltenen großen Versammlung wurde eine Resolution angenommen, in der gefordert wird, daß die große Synagoge der Vereinigung der Atheisten übergeben werden solle, die in den Räumen der Synagoge ihr Hauptquartier auf sch lagen will. „Jewsekzija“ wird aufgelöst Moskau. 13. Februar. (JTA.) Aus sicherer Duelle wird dem Korrespondenten der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt, daß das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Rußlands in einer soeben abgehaltenen Sitzung den Beschluß gefaßt hat, die „Jewsekzija“ (jüdische Sektionen der Kommunistischen Partei) aufzulösen und die Führung der Partei-Arbeit innerhalb der jüdischen Bevölkerung Rußlands Bevollmächtigten des Zentralkomitees anzuvertrauen. Der Beschluß, die „Jewsekzija“ aufzulösen, ist in Verfolg der gegenwärtig in der Durchführung begriffenen allgemeinen Reorganisation des kommunistischen Parteiapparates in der Sowjetunion gefaßt worden und wird in der offiziellen kommunistischen Presse amtlich nicht publiziert werden. Es bleibt abzuwarten, ob die Auflösung der „Jewsekzija“ den auf große Teile der jüdischen Bevölkerung Rußlands lastenden fürchterlichen Druck mildern wird. Das südafrikanische Parlament nimmt das Einwanderungseinschränkungsgesetz in zweiter Lesung an — Ein Schlag für die Osteuropa- Judenheit Kapstadt, 12. Februar. (JTA.) Das Parlament der südafrikanischen Staatcn-Union hat heute nach einer längeren Debatte das vom Innenminister I)r. D. F. Malan eingebrachte Einwanderungseinschränkungsgesetz, von dem besonders die Länder mit starker jüdischer Auswanderung betroffen werden, mit überwältigender Mehrheit angenommen. Die meisten der Parlamentarier, die in der Debatte das Wort ergriffen, brachten zum Ausdruck, daß das Gesetz sich nicht gegen die Gemeinschaft der Juden richtet, sondern nur gegen gewisse Länder, wobei sie aber zugaben, daß die Juden die Hauptmasse der Einwanderer aus jenen Län¬ Deutsche Neawäscherei FEI,IX BRANDN£R * MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt nur Herren-Stärkwäsche Annahmestelle auch Jägerstr. 16 / Augsburg A. 432 vord. Lech dern bilden, deren Auswanderer nun von Südafrika möglichst ferngehalten werden sollen. Der Gesetzentwurf sieht vor, daß von jetzt ab aus Litauen, Polen, Lettland, Rußland und Palästina jährlich nicht mehr als je 50 Personen nach Südafrika einwandern dürfen, wobei der Minister erwähnte, daß die britische Bevölkerung Südafrikas in den vergangenen sechs Jahren einen Verlust von 1850 Köpfen erlitten habe, während der Zinvachs an Fremden 14 577 Köpfe betrage. Auch aus Palästina wandern jährlich etwa 100 Personen in Südafrika ein. Der Minister kam in seiner Rede auch auf die von fast allen jüdischen Gemeinden angenommenen Resolutionen gegen die Bill zu sprechen und führte aus, wenn die Judenschaft des Landes die Zulassung von Einwanderern auf Grund ihrer individuellen Eigenschaften fordert und die Regelung gemäß dem Ursprungsland ablehnt, so könne er erwidern, daß solche Verhältnisse nirgends in der Welt herrschen. Die Auswahl von Einwanderern durch Beamte jenseits des Ozeans hat sich als ebenso unbefriedigend erwiesen, wie das Ellis- Island-System der Vereinigten Staaten. Der Minister richtete an die Judenschaft die Aufforderung, nicht weiter das Gesetz zu bekämpfen, um eine Feindseligkeit der Bevölkerung gegen die Juden, die in anderen Teilen der Welt zu katastrophalen Resultaten geführt haben, hier in Südafrika nicht aufkommen zu lassen. Weihe des Einstein-Waldes in Palästina Jerusalem, 13. Februar. (JTA.) Heute, am 15. Tage des hebräischen Monats Schewath (Chamischah assar bischewath — das traditionelle Neujahr der Bäume und Pflanzen), wurde in der Nähe der jüdischen Kolonie Kirjath Anawim (Dilb) bei Jerusalem der von den deutschen Zionisten und Palästinafreunden aus Anlaß des 50. Geburtstages von Professor Albert Einstein gestiftete Einsteinwald, der zunächst 10 000 Bäume umfassen soll, eingeweiht. Die Zeremonie vollzog sich unter Teilnahme des geistigen Palästina und von Vertretern des gesamten Jischuw, wie der Behörden. Die ersten acht Bäume wurden von dem Leiter des Keren Kajemeth, auf dessen Boden der Wald angelegt wird, von den Führern der großen jüdischen Institutionen Palästinas, sowie dem deutschen Generalkonsul gepflanzt. Bei jeder Anpflanzung wurde eine Ansprache als Gruß an den Namensträger des Waldes gehalten. Der deutsche Generalkonsul Dr. Nord huldigte in seiner Ansprache dem Genie Einsteins und überbrachte die Wünsche der deutschen Regierung. M. M. Ussischkin, der Direktor des Jüdischen Nationalfonds, der die Feier leitete, würdigte in einer längeren Ansprache “den genialen Gelehrten, Menschen und Juden Einstein. Überfall auf den Wächter von Herzliah Jerusalem, 11. Februar. (JTA.) ln der Nacht von Montag, den 10. Februar, wurden gegen die jüdische Kolonie Herzliah von unbekannten Tätern mehrere Schüsse abgefeuert. Der Wächter der Kolonie wurde von einigen Kugeln getroffen und liegt schwer verletzt darnieder. Polizei aus Petach Tikwah, die von dem Vorfall verständigt wurde, eilte sofort an den Ort der Tat, um die Verfolgung der Täter aufzunehmen. Mißlungener Überfall auf die Kolonie Beth Alpha Jerusalem, 14. Februar. (JTA.) Bewaffnete arabische Banditen näherten sich am 13. Februar nach Mitternacht den Stallungen der jüdischen Ko-