Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 8 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- Seite 104 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Das Jüdische Echo Nr. 8 Aus der Jüdischen Welt Dr. Weizmanns Besprechungen mit zionistischen Führern Deutschlands und der Nachbarländer Berlin, 13. Februar. (JTA.) Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Prof. Chaim Weizmann, hat am Donnerstag, dem 13. Februar, nachmittags, Berlin wieder verlassen. Er pflog in Berlin im Hause des Herrn Kurt Blumenfeld, Präsidenten der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Besprechungen mit führenden Zionisten aller kongreßpolitischen Gruppen, an denen auch einige auswärtige Gesinnungsgenossen teilnahmen. (Dr. Jacobson, Dr. Hantke, Rabbi Meir (Berlin), Farbstein, Twerski, Lazar Margulies.) In diesen Besprechungen gab Dr. Weizmann eingehende Informationen über die gegenwärtige politische Lage und im Anschluß fand eine Aussprache statt. Ebenfalls im Hause des Herrn Blumenfeld fanden, wie der Jta-Vertreter erfährt. Besprechungen zwischen Dr. Weizmann und den Führern der Opposition, Abgeord. J. Grünbaum, Dr. Max Soloweitschik, Nahum Goldmann, Richard Lichtheim, J. Klinoff statt. Gegenstand der Besprechungen bildeten Fragen der Jewish Agency und der politischen Führung. Alle diese Besprechungen bilden einen Auftakt zu den bevorstehenden Tagungen des Zionistischen Aktions-Komitees und des Administrative Comittee der Jewish Agency, die in der zweiten Hälfte des März in London stattfinden. Ein Frühstück im Ausw ärtigen Amt zu Ehren Weizmanns Berlin, 13. Februar. (JTA.) Am Donnerstag, dem 13. Februar, mittags, gab der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Dr. v. Schubert, ein Frühstück, an welchem außer Herren des Auswärtigen Amtes (Freiherr v. Richthofen, Legationsrat Prof. Sobernheim) die Herren Dr. Weizmann, Dr. Jacobson, Kurt Blumenfeld, Jakob Goldschmidt, Generalkonsul Eugen Landau, Chefredakteur Georg Bernhard, Dr. Klatzkin, Dr. Rosenblüth u. a. teilnahmen. Jahresversammlung des Deutschen Komitees Pro Palästina Berlin. 13. Februar. (JTA.) In der Jahresversammlung des Deutschen Komitees Pro Palästina, die am* 13. Februar unter Vorsitz von Graf Bernstorff stattfand, nahmen etwa 50 Mitglieder teil, darunter Prof. Einstein, Geheimrat Prof. Sellin, Prof. Hoetzsch, Ministerialdirektor Dr. Badt, Regierungspräsident Dr. Haußmann, die Herren Willy Dreyfus. Dr. Bernhard Kahn, Architekt Erich Mendelsohn, Werneralvo von Alvensleben, Kurt Blumenfeld, Prof. Ludwig Stein, Frau Siemsen, Prof. Thumm, Syndikus Dr. Feitelberg, Fritz Naphtali; das Auswärtige Amt war durch die Herren Freiherr von Richthofen und die Legationsräte Prof. Sobernheim und Dr. Ziemke vertreten. Dem Jahresbericht, der zunächst einen ausführlichen Überblick über die politische und wirtschaftliche Entwicklung in Palästina gibt, ist zu entnehmen, daß das Komitee im letzten Jahr Kundgebungen in Leipzig, Kiel und Jena veranstaltet hat, die — dem Programm des Komitees entsprechend — dazu dienten, die deutsche Öffentlichkeit über das jüdische Kolonisationswerk in Palästina aufzuklären und die Erkenntnis zu verbreiten, daß das jüdische Aufbauwerk in Palästina ein hervorragendes Mittel für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Orients, für die Ausbreitung deutscher Wirtschaftsbeziehungen und für die Versöhnung der Völker ist. Dem Komitee sind im abgelaufenen Jahr 44 Mitglieder neu beigetreten, die Mitgliederzahl beträgt zurzeit 197. Graf Bernstorff wurde einstimmig wiederum zum Vorsitzenden gewählt. Die übrigen Mitglieder des Präsidiums (Prof. Bredt, M. d. R.; Dr, Breitscheid, M. d. R.; Dr. Baeck; Ministerialdirektor Dr. Badt; Kurt Blumenfeld; Regierungspräsident Dr. Haußmann; Prof. Hoetzsch, M. d. R.; Prof. Haas, M. d. R.; Dr. v. Kardorff, M. d. R.; Freiherr v. Richthofen; Geheimrat Prof. Sellin: Legationsrat Prof. Sobernheim) wurden wiedergewählt. in den Ehrenausschuß, dem unter anderen Ministerpräsident Braun, Reichstagspräsident Loebe und die Staatssekretäre Dr. Pünder, Dr. v. Schubert und Dr. Weißmann angehören, wurde Herr Dr. h. c. Max M. Warburg (Hamburg) neu hinzugewählt. Im Anschluß an die Mitgliederversammlung hielt Herr Dr. Victor Jacobson, Vertreter der Jewish Agency beim Völkerbund, einen mit großem Interesse aufgenommenen Vortrag über „Pro-Palästina-Bewegung, Zionismus und Völkerbund“. Schächten ist keine Tierquälerei Bestimmung im Reichsstrafgesetzbuch Berlin, 14. Februar. (JTA.) Der Strafrechtsausschuß des Deutschen Reichstags beschäftigte sich am Freitag, dem 14. Februar, mit den Paragraphen 366 und 412. die Tierquälerei mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder Geldstrafen bedrohen. Mehrere Parteien hatten hierzu Abänderungsanträge gestellt. Um nun zu verhindern, daß etwa von gewisser Seite das Schächten als Tierquälerei hingestellt und damit bestraft werden könnte, hatte das Zentrum den folgenden Antrag eingebracht; Dem Paragraph 412 des Strafgesetzbuches, der den Tierschutz behandelt, soll folgender Absatz zwei angefügt werden: ,,Handlungen an Tieren dürfen nicht mit Strafe bedroht werden, soweit sie zur Verfolgung ernster wissenschaftlicher Zwecke oder zur Erfüllung der Gebräuche einer Religionsgesellschaft des öffentlichen Rechts geboten sind.“ Der Zentrumsabgeordnete Bell, ehemals Reichsjustizminister, begründete diesen Antrag und erklärte, daß seine Freunde in dem Schächten keine Tierquälerei sehen, daß sie es für erforderlich halten, den Religionsbedürfnissen ihrer jüdischen Mitbürger gerecht zu werden. Das Schächten sei eine Religionseinrichtung des Judentums, deshalb müsse man es auch weiter ausdrücklich gestatten. Der Redner verwies weiter auf die Reichstagsberatungen im Jahre 1911 und auf die damalige ausführliche Rede des Zentrumsabgeordneten Gröber. Auch Ministerialdirektor Schäfer vom Reichsjustizministerium nahm ausführlich auf die religiösen Schächtvorschriften Bezug und trat für die Beibehaltung des SChächtens ein. Ein Vertreter des Reichsgesundheitsamtes gab die Erklärung ab, daß das Reichsgesundheitsamt, wie in früheren Zeiten,, auch jetzt noch auf dem Standpunkt stehe, daß man in dem Schächtakt der Juden keine Tierquälerei sehen dürfe.