Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 7 (14.2.1930)
- Date
- 1930-02-14
- Page
- Seite 89 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Das Jüdische Echo 89 Jaar Einstein Die Geschichte einer Stiftung deutscher Juden Unsere Arbeit ist eine, die sich meist über Jahre, oft über Jahrzehnte erstreckt, und uns selten das Glück gewährt, schon nach einer kurzen Frist die Freude der Verwirklichung eines Planes oder der mit ihm verbundenen Arbeit zu sehen. Der Appell für den Einstein-Wald, an den populären Namen des Mannes geknüpft, der in unseren Tagen das Vorbild eines großen Menschen und eines großen Juden ist, hat einen so starken Widerhall gefunden, daß das anläßlich seines 50. Geburtstages gestiftete Denkmal in erfreulich kurzer Zeit, im Laufe eines Jahres, verwirklicht wurde. Im März 1929 erschien ein Aufruf eines Ehrenkomitees, dessen Mitglieder sich an die Spitze einer Sammlung stellten, für die bis zum Sommer 1929 etwa 5000 Bäume gestiftet wurden. Verschiedene Gruppen übernahmen es, innerhalb des Einstein-Waldes Gruppen von 1000 Bäumen, „Haine“, zustande zu bringen, die auf ihren Namen eingetragen werden. Es ist ein „Hainderjüdisehen Gemeinden Deutschlands“ im Entstehen, an dem sich bis jetzt 39 Gemeinden mit 338 Bäumen beteiligt haben, und zwar: Elberfeld, Ulm, Landsberg, Stuttgart, Neustadt, Mannheim, Altona, Geisa, Bentheim, Dessau, Dresden, Nürnberg, Waldenburg, Insterburg, Görlitz, Barmen, Fischach, Meschede, Spandau, Elbing, Osnabrück, Bunzlau, Lüneburg, Halle, Iserlohn, Essen, Duisburg, Bremen, Beuthen, Kiel, Lauenburg, Cannstatt, Glogau, Kassel, Hamm, Arnswalde, Wiesbaden, Erfurt, Trier. ln Angriff genommen wurde auch ein „Hain der Logen“ (127 Bäume) und ein „Simon- Schocken s.A. -Hai n“, der anläßlich des plötzlichen Ablebens des verdienten Vorstehers der Jüdischen Gemeinde Zwickau gestiftet wurde. Durch die traurigen Ereignisse im August 1929, die die Aktion „Hilfe durch Aufbau“ notwendig machten, wurde die Sammlung zeitweise unterbrochen. Aber gerade zu diesem Zeitpunkte war eine Erklärung des „Vejbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands“ besonders bemerkenswert, der der Leitung des deutschen Zweiges der neugegründeten Jewish Agency seine Bereitwilligkeit zur Mitarbeit am Aufbauwerk zum Ausdruck brachte. Als erste Aufgabe übernahm der Verband die Schaffung eines Haines auf seinen Namen, für welchen auch seither 215 Bäume gestiftet wurden. Vier Gärten, die in dieser Zeit errichtet wurden, werden auf Wunsch der Stifter ebenfalls dem Einstein-Wald eingefügt: Es sind die Gärten zum Andenken an G o 1 d a Wiener (Beuthen), Nathan Marx (Stettin) und einer, der anläßlich der Barmizwah von Wolf Hildesheimer (Mannheim) gestiftet wurde. Unvollendet ist noch der Alisa li-F aß- Karl-Stein-Garten. Wenn zu Einsteins 51. Geburtstage die Urkunde über die vollzogene Stiftung und Pflanzung überreicht wird, dann spiegelt sich in diesem Werke nicht nur die Liebe und Verehrung der Stifter, sondern auch ein Ausschnitt aus der Geschichte des deutschen Judentums, Volks- und Familienschicksale in einem Jahr, das für die Entwicklung der Palästinaidee besonders bedeutungsvoll war. Im Mai 1929 wurden von einer Kommission, der u. a. der Leiter der deutschen Landeszentrale des Keren Kajemeth Lejisrael, Herr Dr. Ernst Mechner, und Herr Weitz, der Direktor der Forstabteilung des Jerusalemer Hauptbüros angehörten, der Pflanzungsort für den Einstein-Wald in Kirjath Anawim ausgewählt. Heute sind die sonneglühenden Felsen bereits von einem Mosaik junger Baumsetzlinge überzogen. Am 15. Schwath (14. 2.), dem „Neujahrstag der Bäume“, findet der feierliche Akt der Namengebung des vollendeten Einstein-Waldes statt. Und in zehn bis 15 Jahren wird dieses einzigartige Denkmal als ein rauschender Wald den Wanderer grüßen, der von Tel-Awiw nach Jerusalem fährt. Vom Kadimah Von Albert Salzer (Leipzig-Nürnberg) Der nachfolgende Artikel aus der Feder eines Mitglieds der Bundesleitung des Kadimah wird anläßlich der Gründung des Münchener Eltern- und Freundesrates, die in der am Montag, dem 17. d. M. angekündigten Generalversammlung erfolgen soll, besonderes Interesse finden. D. Red. Der „Kadimah“, Bund jüdischer Pfadfinder, wurde im Jahre 1926, während der „Blau-Weiß“ sich nach und nach auflöste, von einigen Führern dieses Bundes gegründet, die klar erkannt hatten, daß ein stark jüdisch eingestellter Erziehungsbund Aussichten habe, die für einen Tendenzbund, wie es der „Blau-Weiß“ war, endgültig nicht mehr bestanden. Es gelang ihnen auch, einige Gruppen von Jüngeren aus dem „Blau-Weiß“ noch zu erfassen und im Laufe von drei Jahren vom alten „J. J. W.- B.“ und „Blau-Weiß“ abgesplitterte Gruppen dem Verband des „Kadimah“ anzugliedern. Diese Entwicklung ist jetzt abgeschlossen. Die wichtigste Aufgabe der Bundesleitung liegt heute darin, den Bund und seine Erziehungsmethoden zu vereinheitlichen. Die Arbeit des „Kadimah“ unterschied sich von vornherein im stärksten Maße von der des „Blau- Weiß“. Dieser — ein reiner Tendenzbund — war vor allem von den Idealen der Jugendbewegung beeinflußt und machte es sich zur Aufgabe, den Zionismus in der Jugendbewegung zu verwirklichen. Dieses Ziel konnte nur durch Hachscharah und Alijah erreicht werden. Das Ziel des „Kadimah“ ist ein ganz anderes. Sein Erziehungsideal ist der Zophe, der jüdische Pfadfinder. Pfadfinder sein, bedeutet nicht allein, die Uniform zu tragen, Pfadfinder sein bedeutet mehr: Es bedeutet den Pfad zu finden, den Weg des Guten und Wertvollen, ihn beschreiten und ihn weisen, aufrecht, treu und wahr zu sein, seinem Mitmenschen, gleich in welcher sozialen Lage er sich befinde, zu helfen, seine ganze Kraft einzusetzen für sein Volk. Diese Forderungen sind schwer, erscheinen fast unerfüllbar. Besonders schwer sind sie für uns Juden, wo unser Volk sich in der ganzen Welt in einer Notlage befindet, durch Parteiungen, religiöser und politischer Natur, zersplittert, wo es also gilt, das jüdische Volk neu zu beleben und zu stärken und wieder kraftvoll zu vereinen. Zophe zu sein, bedeutet also diese menschliche und jüdische Grundhaltung zu haben. Es sei nun in kurzem über den Weg berichtet, den der „Kadimah“ zu diesem Ziel beschreitet. Die Menschen des Kadimah kommen aus den verschiedensten Kreisen, aus zionistischen, liberalen und orthodoxen Häusern, aber auch aus solchen, die sich schon sehr weit vom Judentum entfernt haben. Er hält es für seine vornehmste Aufgabe, vor allem stark assimilierte Menschen in seinen Kreis zu ziehen und zu versuchen, sie dem Judentum wieder zurückzugewinnen. Er vermittelt jüdische Kenntnisse, lehrt jüdische Geschichte und