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Das jüdische Echo · 1930-02-07 · 6 (7.2.1930) · p. Seite 80

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
6 (7.2.1930)
Date
1930-02-07
Page
Seite 80 (sequence 13)
Language
German
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80 Das Jüdische Echo Nr. 6 Die übrigen Kinder konnten alle, ohne daß sie an ihrer Gesundheit Schaden genommen hätten, gerettet werden. Die obdachlos gewordenen Kinder wurden vorübergehend an verschiedenen Stellen untergebracht. Der entstandene Sachschaden ist groß. Die Verwaltung des Kinderhauses wandte sich an ausländische Institutionen, die das Kinderhaus fördern, um Hilfe. Der Hilfsverein der deutschen Juden, der schon bisher das Kinderhaus laufend unterstützt hatte, hat bereits auf telegraphischem Wege einen entsprechenden Betrag überwiesen. Auch von Joint wurde Hilfe in Anspruch genommen. ' Erneuerte scharfe Judenhetze der Cuzisten — Scharfe Maßnahmen der Regierung Bukarest, 2. Februar. (JTA.) Bei der Zentralregierung sind in der letzten Zeit aus den neuen Provinzen beunruhigende Nachrichten über eine verstärkte judenhetzerische Agitation der Anhänger des Antisemiten Cuza eingetroffen. Die Agitatoren suchen die Bauernschaft zu bewegen, für die antisemitischen Kandidaten zu stimmen, indem sie ihnen versprechen, daß die Bauernschaft bei dem Sieg der Cuzisten von jeder Art Steuerleistung befreit sein wird, weil eine cuzistische Regierung das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen der Juden beschlagnahmen und somit über genügend Geld verfügen wird; ja ein Teil des beschlagnahmten Geldes werde unter die Bauern verteilt werden. Auch würden die Bauern von der Rückzahlung ihrer Schulden an jüdische Gläubiger befreit werden. Im Ministerratspräsidium fand unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Maniu eine Beratung statt, deren Gegenstand die Inangriffnahme von Maßnahmen zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung im Hinblick auf die in der letzten Zeit erneuerte antisemitische Agitation der Cuzisten war. Es wurde beschlossen, mit strengen Strafen gegen die Cuzisten vorzugehen. Hunderte jüdische Bauern werden aus den Kolonien Weißrußlands entfernt Moskau, 1. Februar. (JTA.) Das Departement für Landwirtschaft der weißrussischen Sowjetregierung hat soeben eine Verordnung erlassen, deren Durchführung nicht weniger bedeutet, als daß Hunderte jüdische Bauern im Verlauf des Monats Februar die kollektiven Landwirtschaften Weißrußlands werden verlassen und dabei ihr gesamtes Hab und Gut werden zurücklassen müssen. Folgende Kategorien von Kolonisten sollen gemäß der Verordnung als „unerwünschte Elemente“ ausgeschlossen und nicht nur ihren Viehbestand und ihr bewegliches Vermögen, sondern auch ihr Bargeld zurücklassen. 1. Kolonisten, die gegenwärtig in irgendeiner Form Handel treiben; 2. Kolonisten, deren Angehörige Handel treiben; 3. Kolonisten, die früher einmal Handel getrieben oder sich fremder Arbeit bedient haben; 4. Kolonisten, die gegen die Kollektivisierung Propaganda treiben; 5. Kolonisten, die ihre Produkte statt an Konsumgenossenschaften an Privatpersonen verkaufen. Im Februar wird in allen jüdischen Kolonien Weißrußlands eine strenge Untersuchung durchgeführt werden, um festzustellen, wer ein Recht hat, in den Kolonien zu bleiben und wer nicht. Jeder jüdische Bauer ist verpflichtet, einen Fragebogen zu beantworten und seinen Lebens- I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRÖBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten. KostUmstlckereien BurgstraBe 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 78 lauf darzulegen. Auf Grund dieser Dokumente wird festgestellt werden, welche der Bauern als „unerwünschte Elemente“ unverzüglich aus der Kolonie zu entfernen sind. Mehrere Ozet-Mitarbeiter in Weißrußland haben freiwillig auf ihre Posten im Ozet verzichtet, weil sie mit der Hinaussetzung der einstigen jüdischen Händler aus den Kolonien nicht einverstanden sind. Die Minsker jiddische Tageszeitung „Oktjabr“ nimmt gegen diese Ozet-Mitarbeiter Stellung und führt aus, daß man sogar mit den Kindern ehemaliger Händler nicht Mitleid haben dürfe. „Oktjabr“ teilt mit, die jüdischen Kolonisten Weißrußlands seien gegen die Kollektivisierung und erklären, die Kollektivisierung führe zu vollständiger Assimilation und zur Vernichtung der jüdischen Religion. Die Juden von Kapstadt bringen an einem Abend über 10 000 Pfund für den Keren Hajessod auf Kapstadt, 2. Februar. (JTA.) Bei dem heute in Kapstadt stattgefundenen Bankett zu Ehren des hier weilenden Präsidenten der Föderation der englischen Zionisten und des Council der Jewisli Agency, Lord Melchett, wurden innerhalb einer halben Stunde 10 466 Pfund für den Keren Hajessod aufgebracht. Mit dieser Veranstaltung wurde die diesjährige Keren-Hajessod-Kampagne für Südafrika eröffnet, die ein großes Ergebnis zu bringen verspricht. An der Führung der Kampagne beteiligt sich auch das Unterhausmitglied Josiah Wedgwood. In Palästina immer noch nicht Ruhe Jerusalem, 1. Februar. (JTA.) Palästina ist immer noch nicht aus dem Zustand der Unruhen vollkommen heraus. In der Nacht zum 29. Januar wurden von unbekannten Tätern Schüsse in die Richtung der jüdischen Kolonie Rösch Pinali in der Nähe von Safed in Nordgaliläa abgegeben. Ein arabischer Wächter der Kolonie wurde verletzt, drei der Kolonie gehörende Maultiere wurden fortgeführt. Eine Polizeistreife hat die Verfolgung der mutmaßlichen Täter aufgenommen. Die- Kolonie Menahamia südlich von Tiberias ist wiederholt zu nächtlicher Zeit von Räubern heimgesucht worden. Bisher ist es den Wächtern der Kolonie immer gelungen, die Räuber durch Schüsse zu vertreiben. Zwei jüdische Chauffeure, die Orangen nach Nablus, dem biblischen Schechem, brachten, wurden von einem arabischen Pöbel angegriffen und mit Steinen beworfen. Arabische Polizisten sahen diesem Treiben untätig zu. Als schließlich der Mob auf mehrere hundert Personen angewachsen war, kamen mehrere britische Polizisten heran und retteten die beiden Juden aus ihrer bedrohlichen Lage. Drei von den zwölf Arabern des Dorfes Koloniah bei Moza in der Umgebung von Jerusalem, die in der vorigen Woche vom Jerusalemer Gericht von der Anklage, sieben Mitglieder der jüdischen Familie Makleff in Moza ermordet zu haben, freigesprochen wurden, sprachen Todesdrohungen gegen einen yemenitischen Juden in Moza aus, weil er vor Gericht gegen sie ausgesagt hat. Später griffen sie den yemenitischen Juden an, dem es nur mit Hilfe von Arabern aus einem anderen Dorfe zu entkommen gelang. In Jerusalem sagte der Yemenit aus Moza aus, daß aus der Mtite der Bevölkerung von Koloniah Drohungen laut wurden, daß alle Juden von Moza, zwei Familien ausgenommen, abgeschlachtet werden würden.

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