Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 6 (7.2.1930)
- Date
- 1930-02-07
- Page
- Seite 76 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Das Jüdische Echo Nr. 6 Gegner der Zionisten, daß mit der neuen Mehrheit eine Zeit des Verfalls und der Zerrüttung der Berliner Gemeinde angebrochen sei. Diese Prophezeiung ist falsch gewesen. Das Gegenteil ist eingetreten. In jeder Hinsicht hat der neue Geist in der Gemeinde auf das Leben der Berliner Juden erweckend gewirkt. Bis in die weitesten Kreise der Berliner Judenheit werden die Leistungen der Zionisten anerkannt. Und wenn Ende des Jahres 1930 die Berliner Juden zur Urne schreiten werden, um eine neue Repräsentation zu wählen, dann werden die Zionisten vor die Wähler mit dem Bewußtsein treten können, daß sie ihre vor vier Jahren gegebenen Wahlversprechen nach bestem Gewissen mit allen Kräften zum Wohle der gesamten jüdischen Gemeinschaft Berlins erfüllt haben. 1. s# b Etatdebatte in der Berliner Jüdischen Gemeinde Berlin, 30. Januar. (JTA.) In der Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde am 30. Januar stand fast als einziger Punkt auf der Tagesordnung, die erste Lesung der Etatvorlage, Der Vorsitzende des Vorstandes der Gemeinde, Herr Direktor Georg Kareski, leitete die Generaldebatte mit einer etwa zweistündigen Rede ein. Er gab ein eingehendes und instruktives Gesamtbild der Leistungen und Aufgaben der Gemeinde. Der Vorsitzende, Geheimrat Stern, dankt dem Redner namens des Hauses für seine nüchternklaren und doch zur Arbeit anspornenden Ausführungen und legt unter allseitigem Beifall nochmals ein feierliches Bekenntnis zur Einheitsgemeinde ab. Rechtsanwalt Stern (liberal) gedenkt des Führers Moritz Türk, des vorjährigen ersten Etatsredners und dankt dem Gemeindevorsitzenden für seine Rede, die ihren Meister lobe, die ganze Versammlung aber ehre. Redner bekennt sich namens des Liberalismus zu Zukunft und Einheit des Judentums („Arewus Jisroel“) und zur jüdischen Aufgabe in der Welt, billigt auch die Förderung außerdeutscher jüdischer Bestrebungen. Er fordert den Reichsverband als jüdische Gesamtorganisation in Deutschland, Statutenrevision, das religiöse Parochialsystem und zwecks Befriedung der Gemeinde und organischer Arbeit aller Richtungen getrennte Kultuskommissionen, Elternkurse zur Förderung jüdischer Erziehung, Einsetzung der Rabbiner und sonst jüdisch Interessierter in der Einzelarbeit bei Bekämpfung der Indifferenz, Fortbildung des Gottesdienstes im liberalen Sinne, Verlegung der Sonntagsveranstaltungen in Synagogen, Beseitigung des „Dreiklassensystems“ bei Beerdigungen, Ausschaltung von Parteipolitik aus Jugendpflege und Behandlung von Personalfragen. Die Liberalen lehnten jeden Ausbau höherer Schulen ab. Bei den Volksschulen bestehe angesichts allgemein konfessioneller Schulen nur ein Notstand. Alle Bedürfnisse der Gesetzestreuen seien zu befriedigen. Zur Bewältigung und Beschleunigung der Arbeit seien besoldete Gemeindeälteste zu berufen. Dr. Klee (Volksp.) drückt seine Befriedigung über das Geleistete aus, neben dem aber das noch zu Leistende immer wieder als Ansporn zu beachten bleibe. Redner wendet sich gegen die Austrittsdrohungen aus den Kreisen der Reformgemeinde. Er fordert jüdische höhere Schulen, ferner Förderung der kleinen Synagogenvereine als jüdische Mittelpunkte bis zur Ausbildung des neuen in Pankow geplanten Synagogentyps (Gemeindehaus) und Förderung des Palästinagedankens und -aufbaus. Dr. Klee berührt die Frage, ob die Gemeinde Abwehrarbeit leisten solle und führt aus, wenn der Central-Verein überparteilich wäre und dort keine Abstimmungen gegen Richtungen innerhalb des deutschen Judentums stattfinden würden, so könnte er die Frage verneinen, so aber ist das nicht der Fall. Dr. Klee wandte sich scharf gegen Verdächtigungen, daß einzelne Richtungen im deutschen Judentum hinsichtlich ihrer Staatspflichten unzuverlässig seien. Einstein an die arabische Welt Ein Brief an das Organ der Arabischen Exekutive Jerusalem, 28. Januar. (JTA.) Die Zeitung „Falastin“, Organ der Arabischen Exekutive Palästinas, veröffentlicht heute das folgende an sie gerichtete Schreiben von Professor Albert Einstein: „An die Redaktion des ,Falastin4 Sehr geehrte Redaktion. Meine Aufmerksamkeit wurde auf einen Artikel ,Relativität und Propaganda4 gelenkt, den Sie in Ihrer englischen Ausgabe vom 19. Oktober veröffentlicht haben. Ich will davon absehen, daß Sie in diesem Artikel neben manchem Schmeichelhaften auch manches Unschmeichelhafte über mich sagen, und ich will auch Ihre verletzenden Bemerkungen über den Charakter des jüdischen Volkes nicht zu schwer nehmen. Leider ist es ja eine Gewohnheit streitender Völker geworden, das andere Volk ungebührlich herabzusetzen. Auf das Vergangene will ich hier nicht eingehen. Was ich darüber: zu sagen habe, habe ich in meinem Brief an den Manchester Guardian4 gesagt, mit dem Sie sich in Ihrem Artikel beschäftigen. Aber Ihr Artikel gibt mir Anlaß, ein paar Worte über die Zukunft zu sagen, wie ich sie sehe. Sie bezweifeln meine Worte, daß die Juden mit der arabischen Bevölkerung Palästinas nur freundliche Beziehungen zu haben wünschen. Wer wie ich seit Jahrzehnten die Überzeugung vertritt, daß die zukünftige Menschheit auf einer innigen Gemeinschaft der Nationen aufgebaut sein muß und daß der aggressive Nationalismus überwunden werden muß, der kann auch die Zukunft Palästinas nur in der Form einer friedlichen ^jutorilierte SCHRAMM ZMünchen