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Das jüdische Echo · 1930-02-07 · 6 (7.2.1930) · p. Seite 75

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
6 (7.2.1930)
Date
1930-02-07
Page
Seite 75 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 75 der bayerischen Fraktion, deren Haltung als das erkannt und beurteilt wird, was sie in Wirklichist: als ein schlimmer politischer Fehler. Für uns Juden, die wir darunter zu leiden haben, allerdings auch dies kein Trost. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann In der vorigen Woche hat die Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde anläßlich der Generaldebatte über den Etat für für das Jahr 1930 der Berliner und darüber hinaus der deutschen Judenheit ein Bild geboten, das in diesen, für die Juden in Deutschland nicht gerade schönen Zeiten erfreulich ist. Der Vorsitzende der Gemeinde, Direktor Georg Kareski, konnte auf eine Arbeitsleistung in den vergangenen drei Jahren, in denen die Zionisten führend die Geschäfte der Berliner Jüdischen Gemeinde beeinflußt haben, hinweisen, wie sie in der Geschichte der deutsch-jüdischen Gemeinden kaum jemals gesehen wurde. Der Arbeitsumkreis der Gemeinde hat sich ausgedehnt. Auf allen Gebieten der Gemeindetätigkeit ist ein erfreulicher Fortschritt zu verzeichnen. Das Schulwesen ist ausgebaut worden, die Anzahl der Schüler in den Gemeindeschulen hat sich vervierfacht, die Aufwendungen für das Wohlfahrtsamt sind auf die Summe von 3,6 Millionen angewachsen und machen 27,3 Prozent der Gemeindeausgaben aus. Hierbei sind die verschiedenen Subventionen für Gesellschaften, wie „Ort“, „Ose“, Hilfsverein der deutschen Juden und Wohlfahrtsvereine nicht inbegriffen. Das Krankenhauswesen ist ausgebaut, eine neue Poliklinik geschaffen, ein Röntgeninstitut modernster Art errichtet, die Kapazität des Siechenhauses wird um 40 Prozent gesteigert werden, eine Reihe von Neubauten geht der Vollendung entgegen, ein neues Friedhofsgelände ist angekauft, ein Ledigenheim ist geplant und zahlreiche andere Institutionen sind ins Leben gerufen worden. Das Gemeindeblatt wird an 85 000 Bezieher geliefert, das Bibliothekswesen ist geordnet, außer der Zentrale sind acht Zweigstellen in Berlin errichtet, die Kunstsammlung ausgebaut, im Herbst wird eine Ausstellung jüdischer Künstler veranstaltet. Die Jugendfürsorge-Arbeit hat ein erfreuliches Ausmaß erreicht; noch im Laufe dieses Winters werden Sonntagsvorträge veranstaltet werden. Das statistische Amt wird in den nächsten Tagen seine Tätigkeit aufnehmen. Die Abhaltung von Gemeindeabenden ist in die Wege geleitet, eine Propaganda- und Pressestelle ist beschlossen und wird demnächst in Funktion treten — eine ungeheure Fülle von Arbeiten ist geleistet und wird in der Zukunft mit verstärkter Energie fortgeführt werden. Das ist alles geschehen, ohne daß man die Steuerquote erhöht hätte. Auch für das Jahr 1930 ist keine Erhöhung der Quote vorgesehen, obwohl die wirtschaftlichen Verhältnisse sich äußerst prekär gestalten und insbesondere die jüdische Bevölkerung schwer treffen. Die Gemeinde hat in den abgelaufenen Jahren 3,6 Millionen für verschiedene Grundstückskäufe ausgegeben. Die großen Neubauten wurden mit über einer Million Reichsmark aus eigenen Mitteln neben der für diesen Zweck aufgenommenen Anleihe finanziert. Das Vermögen der Gemeinde ist in den letzten vier Jahren um 6 Millionen gewachsen. Dieses Vermögen stellt eine Reserve für schlechte Zeiten dar. Wenn die Bauten vollendet sein werden, so wird der Vermögenszuwachs der Gemeinde, die Bauten inbegriffen, 10 Millionen Reichsmark ausmachen. Der Bau des Ledigenheims wird aus Mitteln bestritten werden, die der Gemeinde durch den günstigen Verkauf eines Besitztums in der Spandauer Straße zugeflossen sind. Die Gemeinde ist dauernd bemüht, auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung zu wirken. Zur Erhaltung der deutsch-jüdischen Institutionen hat sie wesentlich beigetragen. Ihre Zuwendung an den Landesverband macht 400 000 RM. jährlich aus. Aber nicht nur ■ innerhalb der Grenzen Deutschlands ist die Jüdische Gemeinde Berlins mit Rat und Hilfe bei der Hand, sondern sie betrachtet es als eine Ehrenpflicht, überall in der Welt, wo Juden leiden, helfend einzugreifen. Die Jüdische Gemeinde Berlins beteiligt sich in immer mehr steigendem Maße an dem Werke des Palästina-Aufbaus. Vertreter der Gemeinde sitzen in der Jewish Agency. Ein Lehrstuhl an der Hebräischen Universität wird aus Gemeindemitteln erhalten. Die Stellung der Beamtenschaft ist gehoben, ihr Geist gegenüber den früheren Jahren besser geworden. Das Interesse an jüdischen Dingen ist gewachsen. Ein Symptom hierfür war, daß im letzten Jahre zum erstenmal während der hohen jüdischen Feiertage, trotz der reichlich veranstalteten Sondergottesdienste, ein Platzmangel festzustellen gewesen ist. Gegenüber allen Richtungen in der Gemeinde ist die Gemeindeverwaltung von absoluter Unparteilichkeit gewesen. Jede Richtung konnte zu ihrem Rechte kommen, die Verknüpfung mit den Ostjuden ist inniger gestaltet worden. Die von der Gemeinde veranstalteten Kundgebungen, Mendelssohnfeier, das Synagogenkonzert Jadlowker-Prof. Einstein, haben die Beachtung der gesamten Öffentlichkeit gefunden. Man könnte noch seitenlang davon erzählen, was in den letzten Jahren von der „zionistischen Herrschaft“ in der Berliner Jüdischen Gemeinde unternommen und durchgeführt wurde. Erfreulich ist, daß die Männer, die, von dem Geiste eines neuen jüdischen Optimismus getragen, die bisherigen Leistungen vollbracht haben, keineswegs mit dem erzielten Erfolg ihrer Arbeit zufrieden sind. Der Vorsitzende der Gemeinde, Kareski, und der Redner der Jüdischen Volkspartei, Dr. Alfred Klee, betonten, daß das alles erst e i n Schritt nach vorwärts sei, es gilt die vielen Zehntausende indifferenter Juden für die Gemeinde zu interessieren, das Schulwesen so auszubauen, daß nicht nur jedes siebente Kind eine jüdische Schule besucht — gegenüber den früheren Jahren ein außerordentlicher Fortschritt — sondern daß die Mehrheit und schließlich alle jüdischen Kinder in jüdischen Schulen erzogen werden. Die soziale Fürsorge und die Fürsorge für die schulentlassene Jugend soll eine größere Ausdehnung erfahren. Die Verbundenheit der Berliner Juden mit der jüdischen Gemeinschaft in der ganzen Welt muß noch inniger gestaltet werden. Die Verwaltung, in den letzten Jahren auf vorbildliche Höhe gebracht, soll eine derartige Ausgestaltung erfahren, daß alle jüdischen Nöte und Bedürfnisse von der Gemeindezentrale aus verständnisvoll behandelt werden. Die Jüdische Gemeinde soll — das ist das Ziel — eine wahre Volksgemeinde werden. Als die jetzige Berliner Gemeindeverwaltung im Jahre 1926 gewählt wurde, da prophezeiten die Antonius-Wäscherei ■ Sommerstraße 6o Lindwurmstraße Telefon 44 4 38

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