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Das jüdische Echo · 1930-01-31 · 5 (31.1.1930) · p. Seite 66

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
5 (31.1.1930)
Date
1930-01-31
Page
Seite 66 (sequence 15)
Language
German
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66 Das Jüdische Echo Nr. 5 der Gesamtheit auf sich nehmen muß. Auch für den einzelnen Jugendlichen gibt es eine Reihe von Arbeitsmöglichkeiten, besonders auf dem sozialpädagogischen Gebiete. Damit die Jugend nun sich auf allen diesen Gebieten in einer ihr angemessenen Art betätigen kann, braucht sie ein Heim, das sie aus schädlichen und. unwürdigen Umständen befreit und ihr die Freiheit des Lebens und Schaffens sichert. Obwohl die Last der Finanzierung solcher Heime kaum von der Jugend selbst getragen werden könne und daher von den Gemeinden zu übernehmen sei, müsse sich die Jugend auch an dieser Arbeit beteiligen, etwa durch Verkauf von Bausteinen, durch Abhaltung von Werbeveranstaltungen und dergleichen mehr. Wem wirklich die Sorge für die Erhaltung der jüdischen Gesamtheit am Herzen liege, der dürfe und werde sich dieser Arbeit nicht entziehen. Aus der Debatte, die anfangs nur schwer in Gang kommen zu wollen schien, dann aber sehr lebendig wurde — es beteiligten sich die Herren Kommerzienrat Dr. Ludwig Wassermann, Fritz Weißbarth, Dr. Keßler, Paul Grünbaum, Heinrich Lamm, Walter Koschland, Dr. Stern, Masur, Dr. Emrich, Dr. Marschütz, Schenirer und Frau Studienrat Schaalmann — seien nur die Ausführungen von Herrn Kommerzienrat Dr. Wassermann erwähnt, der zwar auf die vielfältigen Schwierigkeiten hinwies, die der Verwirklichung der Pläne des Jugendheimes im Wege liegen, dennoch aber die tatkräftige Hilfe der Gemeinde in Aussicht stellte. Wie in der Debatte bekanntgegeben wurde, soll in kurzer Zeit eine zweite Veranstaltung der jüdischen Jugend stattfinden, die sich an die ganze Gemeinde wendet und auch schon zur Aufbringung der Mittel für das Jugendheim beitragen soll: der Gedanke ist nun einmal auf dem Marsche und es wird der Jugend und ihren Helfern sicher auch gelingen, ihn durchzuführen. Der Delegiertentag in Jena Am Mittwoch abend fand eine zahlreich besuchte Versammlung der Zionistischen Ortsgruppe im Hotel „Roter Hahn“ statt, die den zum Delegiertentag entsandten Herren J.-R. Dr. Straus, Lustig und Dr. Emrich Gelegenheit zur Berichterstattung gab. Den Abend einleitend referierte Herr Lustig über den Verlauf der Tagung, der durch die Anwesenheit Prof. Weizmanns und durch das hohe Niveau ihrer Diskussion besondere Bedeutüng zukam. Eine kritische Würdigung des Delegiertentages gab dann Herr Dr. Emrich. Als Ergebnis der Tagung bezeichnete er mehr die Reinigung der zionistischen Atmosphäre der Welt, als der in Deutschland. Diese Wirkung sei das Verdienst Weizmanns und seiner großen, sehr politischen Reden. Denn, wenn sich auch mit Ausnahme der Revisionisten alle Parteien um die zustimmende Meinung Weizmanns stritten (en miniature lebte dieser Streit auch bei der hiesigen Diskussion wieder auf), so habe sich doch Weizmann vielleicht am schärfsten gegen den Brith Schalom abgegrenzt, lange nicht so scharf von den Revisionisten. Zweifelsohne wolle Weizmann auch von der Redaktion der „Jüdischen Rundschau“ abrücken, wenn er Weltsch als das „Opfer mancher seiner Freunde“ bezeichne. — In Deutschland sind aber durch den Ausgang I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten, KostUmstlckereien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75 des Delegiertentages und die Wahl des neuen geschäftsführenden Ausschusses keineswegs die Verhältnisse der einzelnen Parteien zueinander geklärter als früher. Einerseits nämlich hat sich Weltsch jetzt erst erneut als Anhänger des Brith Schalom bekannt, andererseits sind auch die Meinungen in der neuen Mehrheit, Allgemeine Zionisten, Misrachi und Arbeiterpartei, alles andere als einheitlich. So ist die Zukunft des deutschen Zionismus gewiß nicht nur ruhiger Außenarbeit Vorbehalten, sondern muß auch noch die innere Klärung fördern. Gegen diese Ausführungen wandte sich als dritter Berichterstatter Herr J.-R. Dr. Straus, der sich mit Wärme für die Politik der „Jüdischen Rundschau“ und des Brith Schalom einsetzte. Er umriß in großen Zügen noch einmal die seiner Meinung nach einzig mögliche Politik der unbedingten Verhandlungsbereitschaft mit den Arabern, setzte unsere Situation als kleine Minderheit in Palästina auseinander und die daraus folgenden Methoden und Ziele. Er lehnte jede irgendwie geartete Machtpolitik, ein Kolonialregime etwa in Anlehnung an England, als kurzsichtige Lösung ab; mit der Aufforderung zu größerer Zurückhaltung bei der öffentlichen Diskussion dieser .schwierigen Fragen und zur Rückkehr zu wirtschaftlicher Arbeit für Palästina schloß J.-R. Dr. Straus seine Rede. Nach einigen Worten J.-R. Fränkels hatte der Abend ohne weitere Aussprache sein Ende gefunden. Dr. S. D. Zionistische Ortsgruppe München. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung wird am Donnerstag, dem 6. Februar, abends 8.30 Uhr, im Bibliotheksaal der Israelitischen Kultusgemeinde, Herzog-Max-Straße 7/1, abgehalten. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Ressortleiter, 2. Kassenbericht, 3. Entlastung und Neuwahl, 4. Aussprache über zionistische Tagesfragen. Sämtliche Mitglieder werden gebeten, bestimmt und pünktlich zu erscheinen. Zionistische Ortsgruppe München. Schekelaktion 569 0. In den nächsten Tagen findet die Schekelaktion statt. Alle Zionisten sollen für sich und ihre Familienangehörigen den Schekel entrichten, aber zugleich ist es ihre Aufgabe, unserer Bewegung auch neue Anhänger zuzuführen, die durch Entrichtung des Schekels das Bekenntnis zum Baseler Programm ablegen. Jeder Zionist ist dafür verantwortlich, daß das Ergebnis der diesjährigen Aktion von der organisatorischen Größe und der Kraft der zionistischen Bewegung beredtes Zeugnis ablegt. Jungzionistischer Arbeitskreis. Der Jungzionistische Arbeitskreis nahm am Montag, dem 27. Januar, mit einem Ausspracheabend über „Nationalismus, Araberfrage und nationale Bewegungen im vorderen Orient“ seine Arbeit wieder auf. In einem einleitenden Referat skizzierte Frl. Isa Straus die Grundlagen des Nationalismus, seine Entwicklung in Europa, sein Verhältnis zu Kosmopolitismus und Sozialismus; sie klärte die Begriffe Staatsnation und Kulturnation und schloß mit einem Hinweis auf den spezifischen Charakter des jüdischen Nationalismus. Herr Referendar Franz Prager gab eine umfassende, auf gründlicher Kenntnis der zugänglichen Literatur beruhende Darstellung der Araberfrage in Palästina im Zusammenhang mit der Araberfrage überhaupt. In Palästina hat man danach drei verschiedene Aspekte der Frage auseinanderzu-

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