Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 5 (31.1.1930)
- Date
- 1930-01-31
- Page
- Seite 65 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9103085-9229937--10594-9221612- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 5 Das Jüdische Echo 65 zum Führer der Delegation endgültig den Präsidenten der Exekutive Musa Kazim Pascha el Husseini an Stelle des zuerst zum Führer der Delegation bestimmt gewesenen Großmufti Hadsch Emin el Husseini. Der Großmufti bleibt aber Mitglied der Delegation, der außerdem noch der Jerusalemer Bürgermeister Ragheb Bey Nashashibi, der bereits in London weilende Dschemal Husseini, Auni Bey Abdul Hadi und Alfred Roch angehören. Die Delegation besteht also aus sechs Mitgliedern, von denen drei der Partei des Großmufti und drei der Opposition gegen den Großmufti angehören. Das Kompromiß wurde erzielt, nachdem die Partei des Großmufti die Forderung, daß der Mufti Führer der Delegation sein müsse, fallen ließ. Alfred Roch, der wider Erwarten an Stelle von Moghanan Effendi zum Mitglied der Delegation wiedergewählt wurde, ist der einzige Christ innerhalb der Delegation. Geschäftliches Kammerspiele im Schauspielhaus. Die Wiederaufnahme der Dreigroschenoper bedeutet einen glücklichen Griff, denn dieses vor über 100 Jahren in London entstandene und spielende Stück, von Brecht und Weill für moderne Zuschauer eingerichtet, atmet echte und rechte Theaterluft und wirkt in seiner formalen Geschlossenheit und seinem bühnengerechten Aufbau auch heute noch überaus stark. Die Aufführung war ganz vorzüglich, eine wahre Freude die Hauptsänger der Moritaten, Kyser (dieser besonders auch gesanglich überraschend gut), Horwitz, Frau Giehse, Frl. Bessel, Herr Lentzsch, Frl. Schultze-Westrum. Es wurde mit hohem künstlerischem Ernst eine ausgefeilte Leistung geboten. R. Gü. Frau Martha Lamm, Bruderstraße 12/0 1., Fernruf 23901, beabsichtigt im Schuljahr 1930/31 einen Volksschulersatzkurs (1. Klasse) mit 10—15 Wochenstunden durchzuführen und bittet, da wegen der durch behördliche Verordnungen beschränkten Schülerzahl nur wenige Kinder aufgenommen werden können, um baldige Anmeldung von Kindern, die aus gesundheitlichen Gründen die allgemeine Volksschule nicht besuchen sollen. Die Kunst, den Ehemann ans Haus zu fesseln, ist durchaus nicht so schwierig, wie manche Frauen wähnen. Man muß es als Hausfrau und Gattin nur verstehen, „ihm“ den Abend im eigenen Heim angenehm zu gestalten. Also vor allem nicht die kleinen Nöte und Sorgen des Tages vor ihm auspacken. Behandeln Sie „ihn“, wenn er sich entschließt, auf Klub und Stammtisch zu verzichten und Ihnen die Abende zu widmen, eher wie einen lieben Gast, dem man es möglichst nett und behaglich macht, damit er sich wohlfühlt. Ihren Gästen setzen Sie im Laufe des Abends gewiß eine kleine Erfrischung oder Leckerei vor. Weshalb nicht „ihm“? Ein Gläschen Wein, eine Schale frisches Obst, etwas Selbstgebackenes geben dem ganzen Abend ein festliches Gepräge. Kleines Gebäck, das den Magen nicht durch schwerverdauliches Fett belastet und deshalb unbedenklich auch vor dem Schlafengehen genossen werden kann, stellt man am besten mit dem echten Palmin her, weil dieses bewährte Koch-, Brat- und Backfett völlig frei von schädlichen Fettsäuren ist. Gemeinden- und Vereins-Echo Einschreibung an der Israelitischen Volksschule Wie in allen anderen Münchener Schulen findet auch an der Israelitischen Volksschule München die Einschreibung der Schüler am Mittwoch, 5. Februar 1930, statt. Nähere Angaben darüber finden unsere Leser in einer Anzeige in dieser Nummer. Hier sei nur noch einmal darauf hingewiesen, daß es zweifellos im Interesse aller jüdischen Kinder selbst liegt, einer Schule anvertraut zu werden, in der nicht nur für den jüdischen Gehalt der Erziehung und des Unterrichtes Sorge getragen ist, in der sie sich nicht nur vor sonst geradezu unausbleiblichen Angriffen seitens ihrer Kameraden (und wie oft nicht auch seitens übelwollender Lehrer?) gesichert sind, sondern die sich auch durch ihre Unterrichtserfolge ihrer bisherigen Tätigkeit einen glänzenden Ruf geschaffen hat. Wir hoffen bald von einem weiteren Anwachsen der Schule auch in diesem Jahre berichten zu können. Für ein Münchener jüdisches Jugendheim Jüdische Jugendheime sind heute schon in mehreren jüdischen Großgemeinden Deutschlands vorhanden; in zahlreichen andeien in Entstehung begriffen. Auch in München denkt man an die Schaffung eines solchen Heims, in dem nicht nur die schon bestehenden Jugendgruppen und -vereine eine würdige Unterkunft finden sollen, sondern das auch Gelegenheit geben soll, die ganze Jugendarbeit auf eine andere Basis zu stellen und womöglich eine viel stärkere Zusammenarbeit der sich jetzt noch fernstehenden Gruppen herbeizuführen. Alle Gruppen der Münchener jüdischen Jugend wünschen ein solches Heim; Vertreter all dieser Gruppen haben in Gemeinschaft mit dem Jugendausschuß der Münchener Kultusgemeinde, die sich bereit erklärt hat, die Finanzierung zu ermöglichen, schon manche Pläne durchberaten und es ist zu hoffen, daß nun auch bald die Verwirklichung folgen wird, wenngleich man wohl kaum hoffen wird, daß nun schon alle Wünsche erfüllt werden. Um weiteren Kreisen von diesen Plänen Kenntnis zu geben, um die eigenen Vorstellungen zu präzisieren,, aber auch um von dem festen Willen zu ihrer Realisierung Zeugnis abzulegen, haben die verschiedenen Gruppen der Münchener jüdischen Jugend am Sonntag, 26. Januar, im Saale der Konkordia gemeinschaftlich eine programmatische Veranstaltung zur Schaffung eines Jugendheimes abgehalten, zu der Herr Dr. Georg Lubinski aus Berlin als Referent gewonnen worden war. Dieser überbrachte zunächst den zahlreich Erschienenen die Grüße des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände und gab seiner besonderen Freude darüber Ausdruck, daß es auch in München gelungen sei, die Jugend für diese Sache zu vereinigen. „Die Aufgaben der jüdischen Jugend unserer Zeit“ — dieses war das Thema, das Herr Dr. Lubinski in seinem ausgezeichneten Referat behandelte — ergeben sich nach der Auffassung des Referenten, mit unerbittlichem Zwang aus der gegenwärtigen jüdischen Situation und sie sind deshalb auch bis zu einem gewissen Grade unbestritten, woraus wiederum die Möglichkeit und die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit der jüdischen Jugend resultiert. In religiösen, kulturellen, organisatorischen, besonders aber in sozialen und sozialpädagogischen Dingen besteht eine Verantwortung und bestehen Verpflichtungen, die die Jugend im Dienste