Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1930-01-24 · 4 (24.1.1930) · p. Seite 48

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
4 (24.1.1930)
Date
1930-01-24
Page
Seite 48 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103085-9229936--10572-9221591
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

48 Das Jüdische Echo Nr. 4 4. Die Aufgaben der Kommission sind beendet, sobald sie ihren Spruch über die oben angeführten Rechte und Ansprüche gefällt hat. Uber die Verhandlungen, die zu diesem Beschluß führten, wird der „Jüdischen Rundschau“ aus Genf berichtet: Da Henderson nur drei Tage (Sonntag, Montag und Dienstag) in Genf verbleiben konnte, bat er den Rat um eine sofortige Erledigung des britischen Vorschlages bezüglich der Schaffung einer besonderen internationalen Schiedskommission für die Klagemauerangelegenheit. Gleich nach seiner Ankunft in Genf übermittelte er allen Mitgliedern des Rates ein umfangreiches Dokument, worin die britische Regierung ihren von der Mandatskommission abgelehnten Vorschlag noch einmal darlegt und verteidigt. Der darin, am Ende, enthaltene Alternativvorschlag unterscheidet sich vom ursprünglichen der Mandatskommission unterbreiteten Vorschlag dadurch, daß er anstatt der Einberufung einer ad-hoc-Kommission, die Einberufung der durch Art. 14 vorgesehenen Beiligen-Stätten-Kommission in Aussicht nimmt, ihr jedoch vorläufig nur die Frage der Klagemauer zur Lösung übergibt. Nach Lösung dieser Frage sollten die Mitglieder entlassen werden und ihre endgültige Zusammensetzung nachher, wenn eine Einigung darüber zustande kommt, vom Rate neu bestimmt werden. In seiner Montagssitzung, als der Rat den Bericht der Mandatskommission entgegennahm, beschloß er die Frage des britischen Vorschlages bezüglich Palästina am folgenden Tage zu behandeln, um den Mitgliedern des Rates Bedenkzeit zu geben. Dasselbe wurde bezüglich eines Vorschlages Hendersons, die außerordentliche Tagung der Mandatskommission für einen späteren Termin — also nicht für März — einzuberufen, beschlossen. Die im Laufe des nächsten Tages geführten vertraulichen Verhandlungen zwischen den Delegationen waren ziemlich schwierig und verworren. Die Annahme des britischen Vorschlages stieß auf besonders lebhaften Widerstand bei der italienischen und teilweise auch französischen Delegation. Die Italiener, die in dieser Sache gewiß den Standpunkt des Vatikans vertraten, sahen im britischen Vorschlag einen versteckten Ablösungsversuch des Art. 14 des Palästinamandats. Auch Frankreich und wahrscheinlich auch Spanien waren um das Los des Art. 14 beunruhigt. Nach längeren Debatten hinter den Kulissen einigte man sich auf einen Kompromißvorschlag: Darnach soll sich die rechtliche Begründung zur Einberufung der Kommission nicht aus dem Art. 14, sondern aus dem Art. 13 des Palästinamandats herleiten. Ansonsten wird aber die Kommission die Befugnisse der Heiligen-Stätten-Kommission und die Klagemauer-Affäre endgültig regeln. Die Resolution des Rates wurde einstimmig — bei Stimmenthaltung des persischen Delegierten — angenommen. Man darf erwarten, daß die Kommission noch im Laufe dieses Monats ernannt und nach Palästina fahren wird. Was die außerordentliche Tagung der Mandatskommission anbetrifft, so hat der Rat Großbritannien aufgefordert, sobald als möglich selbst das ihm am besten entsprechende Datum für März oder etwas später zu bestimmen, wobei er darauf hinwies, daß der frühere Vorsitzende des Rats zu der Märztagung der Mandatskommission bereits seine Einwilligung gegeben hat. Die Klagemauer-Kommission wird demnächst gebildet werden Genf, 18. Januar. (JTA.) Der Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes Großbritanniens, Dr. Hugh Dalton, der an der Seite des Außenministers Henderson England bei den Völkerbundberatungen in Genf vertrat und nach Hendersons Abreise als der Hauptvertreter Englands in Genf verblieben ist, erklärte in einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur: Die britische Regierung wird bestrebt sein, ihren Vorschlag hinsichtlich der Zusammensetzung der Dreier-Kommission zur Entscheidung in der Klagemauer-Angelegenheit so rasch als nur möglich dem Völkerbund zu unterbreiten. Die britische Regierung sieht die Notwendigkeit schnellen Handelns in dieser Sache ein. Vertreter der Araber beim Präsidenten des Völkerbundsrates Zaleski Genf, 18. Januar. (JTA.) Der Präsident des Völkerbundsrates und Minister des Äußeren der polnischen Regierung, Zaleski, empfing die Vertreter der arabischen syrisch-palästinensischen Delegation, Emir Arslan und Ibsan El Djabri, die ihm den arabischen Standpunkt bezüglich der Klagemauer-Angelegenheit dargelegt haben. Zaleski gab der Delegation die Versicherung, daß die gemäß Beschluß des Völkerbundsrates zu schaffende Kommission ihre Entscheidung absolut unparteiisch treffen wird und daß die Araber ihr volles Vertrauen entgegenbringen mögen. Der Widerhall des Klagemauer-Beschlusses in der palästinensischen Presse Jerusalem, 18. Januar. (JTA.) Der vom Völkerbundsrat angenommene britische Vorschlag auf Einsetzung einer Dreierkommission zur Feststellung der jüdischen und mohammedanischen Rechte an der Klagemauer wird in der jüdischen Presse Palästinas lebhaft kommentiert. „Dawar“ schreibt: Die Heiligen Stätten in Palästina einschließlich der Klagemauer bilden ein be- SCHRAMM ,!München

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.