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Das jüdische Echo · 1930-01-17 · 3 (17.1.1930) · p. Seite 34

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
3 (17.1.1930)
Date
1930-01-17
Page
Seite 34 (sequence 6)
Language
German
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34 Das Jüdische Echo Nr. 3 Gedankenwelt und Förderung jüdischer Erziehungsarbeit einmütig zu. Der Etat ist der Versammlung bereits zugegangen — zum ersten Male seit vielen Jahren vor Beginn des Etatjahres — und wird nach Vorberatung in einer Kommission in den nächsten Sitzungen behandelt werden. Ächtung Unter diesem Titel schreibt das Organ des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland „Jüdische Wel t“, das seit dem 1. Januar 1930 in neuem Format zweiwöchentlich erscheint: Wer oft außerhalb Deutschlands mit Juden spricht, muß immer wieder feststellen, daß die Juden anderer Länder den hier vielfach geübten Methoden verständnislos gegenüberstehen. Sie begreifen nicht, was Juden dabei gewinnen können, wenn sie andere Juden im öffentlichen Leben herabsetzen. Sie fragen, ob, die so handeln, in den Augen der gemeinsamen Feinde dadurch echt werden, daß sie ihre Schicksalsgenossen ächten. Ostjuden werden in Acht und Bann getan und mit blindem Haß verfolgt. Die ' Jüdische Gemeinde Hannover versperrt den Ostjuden ihre Tore, bedauert, sie nicht ausweisen und nach Polen zurückjagen zu können, und verfolgt sie mit Schmähungen, während die Gemeinde Köln die Herabwürdigungen brieflich erledigt. Die Chewrah Kadischah in Dresden weist 26 Ostjuden, die ihr beitreten und bei jüdischen Liebeswerken helfen wollen, zurück, weil sie Ostjuden sind. In Leipzig drohen prominente Liberale mit dem Austritt aus der Gemeinde, falls man den Ostjuden die Gleichberechtigung gewähre. In Duisburg werden die Ostjuden bei Wohlfahrtsgründungen geschlossen boykottiert, und die einstmals heilige Kehillah Mainz, die „Tochter Zions“, „Schild und Schutz aller Gemeinden, deren Name durch alle Länder erschallt“, in der früher „alle Juden im Leben verbunden waren und im Tode nicht getrennt wurden“, wie es in ihrem Memorbuch heißt, verweigert in ihrem kürzlich erlassenen Statut den Ostjuden alle Rechte, während „zahlreiche Mitglieder des Centralvereins deutscher Satatsbürger jüdischen Glaubens“ den anderen Juden in Fettdruck grimmig zurufen: „Wir sind Deutsche und wollen Deutsche bleiben“. In Chemnitz versagen die Herren Mecklenburg und Genossen der Chewrah Kadischah ihre Beiträge, weil sie auch armen Ostjuden zugute kommen. Kurz, man tut, was man kann, um im Sinne der „Erklärung deutscher Juden“ die „religiös-sittliche Aufgabe des Judentums in der Menschheit“ zu erfüllen. Daß der Ächtungen ächtende Pakt, zu dem sich der Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden in einem Einerseits-andererseits-Beschluß bereitgefunden hat, an dieser geistigen Verfassung etwas ändern wird, ist wenig wahrscheinlich. Seit Jahrzehnten sieht das offizielle deutsche Judentum in all seinen Organisationen diesem Treiben mit verschränkten Armen zu. Wann wird an Stelle der Ächtung Achtung treten? Nationalsozialistische Heldentaten Ein jüdisches Blutopfer der nationalsozialistischen Verhetzung Darmstadt, 10. Januar. (JTA.) Aus Alzey kommt die Nachricht, daß der von dem Darmstädter Nationalsozialisten Rebhan nach vorausgehendem Meinungsstreit um politische Fragen durch einen Revolverschuß verletzte 25jährige Kaufmann Richard Kahn an den Folgen seiner Verwundung gestorben ist. Der junge Richard Kahn rang neun Tage lang mit dem Tode. Die Familie Karl Kahn in Alzey ist in tiefe Trauer versetzt. Nationalsozialistischer Terror gegen eine Vereinsfestlichkeit von Ostjuden in Saarbrücken — Mehrere Personen verletzt Saarbrücken, 7. Januar. (JTA.) Der „Ostjüdische Verein“ veranstaltete am Sonnabend abend in einem Lokal in der Mainzer Straße zu Saarbrücken eine Festlichkeit. Die gutbesuchte Feier verlief in größter Ordnung. Gegen 4 Uhr morgens aber, als die meisten Teilnehmer nach Hause gegangen und im Saale nur noch etwa zwanzig Personen anwesend waren, die dem Festausschuß augehörten und mit der Abrechnung beschäftigt waren, stürzten etwa zehn junge Burschen in den Saal, ergriffen Stühle und schlugen auf die noch anwesenden Leute ein. Ein neunundzwanzig Jahre alter Kaufmann Heinrich Reichert erhielt mit einem Schlagring mehrere Schläge auf den Kopf und brach bewußtlos zusammen. Die Überfallenen setzten sich zur Wehr und schlugen einen der Angreifer, einen gewissen Wilhelm Hanke, ebenfalls zu Boden. Die beiden Schwerverletzten mußten durch die Sanitätswache in das Bürgerhospital gebracht werden. Außerdem gab es einige Leichtverletzte. Schon vorher hatten die Burschen auf der Straße einen von der Festlichkeit kommenden jüdischen Kaufmann mit Stockschlägen bearbeitet und ihn erheblich verletzt. Als die Angreifer merkten, daß die Leitung des Lokals das Überfallkommando alarmierte, verschwanden sie schnell. Es konnte dennoch festgestellt werden, daß es sich um Angehörige der Hitlerjugend handelt. Der verletzte Hanke ist Mitglied der nationalsozialistischen Partei. Zur Gunzenhausener Friedhofsschändung Berlin, 9. Januar. (JTA.) Bekanntlich wurden in der Weihnachtszeit auf dem israelitischen Friedhof in Gunzenhausen (Bayern) achtzehn Grabsteine umgeworfen und zertrümmert. In der Bekanntmachung des Ersten Bürgermeisters heißt es: „Die Tat ist für jeden, der nur noch einen Funken von Moral besitzt, gemein und niederträchtig. Die israelitische Kultusgemeinde hat für die Ermittlung der Täter eine Belohnung von fünfhundert Mark ausgesetzt. Auch die Stadt Gunzenhausen hat ein sehr lebhaftes Interesse daran, die nichtswürdigen Täter baldmöglichst festgestellt zu wissen.“ Dr. Frick, der Hitlerputscbist, Innen- und Bildungsminister in Thüringen Berlin, 14. Januar. (JTA.) Wie aus Weimar telegraphiert wird, haben sich die Rechtsparteien in Thüringen über die Bildung einer rechtsradikalen Regierung mit den Nationalsozialisten geeinigt. In der Regierung, die in einigen Tagen vom Landtag gewählt wird, verwaltet die beiden wichtigsten Ressorts, das Ministerium des Innern und das der Volksbildung, der Nationalsozialist Dr. Frick aus München, der einer der Führer des Hitlerputsches in München im Jahre 1923 gewesen und wegen dieser Teilnahme zu einer Festungsstrafe verurteilt worden war. Die Nationalsozialisten haben außerdem einen Staatsratsposten in der Regierung, der vom Handlungsgehilfen Willy Marschler besetzt ist.

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